Eine Feministin in der Bibel?
Mit »Sara« erschien Ende Juni eine zeitgenössische Neuinterpretation des lateinamerikanischen Autors Sergio Ramírez, der darin die Geschichte der Frau Abrahams nacherzählt.
Übersetzt von dem Augsburger Lutz Kliche, berichtet der Roman aus der Sicht Saras, die sich nicht scheut, ihr eigenes Schicksal selbstbewusst in die Hand zu nehmen. Damit wählt Ramírez ganz bewusst eine moderne Interpretation der biblischen Frauenfigur, die den ‚Zauberer‘ – so wird Gott im Roman genannt – hinterfragt und ihren Sohn Isaak davor rettet auf dem Altar geopfert zu werden. Gänzlich an die biblische Vorlage hält sich der Autor damit zwar nicht, Saras Kinderlosigkeit, Abrahams darauffolgende Zeugung von Ismael mit der Sklavin seiner Frau sowie die Zerstörung von Sodom und Gomorrha bilden jedoch den Handlungsrahmen. Durch das Thematisieren des unerfüllten Kinderwunsches sowie des Ehebruchs trifft der Roman genau den Puls der Zeit und verleiht der oftmals verstummten Sara aus der Bibel eine neue und moderne Stimme.
Sara – Sergio Ramírez
272 Seiten, 2021
Erschienen bei Edition 8
www.edition8.ch/buch/sara/
Foto: Ausschnitt des Buchcovers