Klassik
Theater & Bühne

Viva la libertà!

Gastautor

Die Aufführung der Oper »Don Giovanni« von W.A. Mozart bei den diesjährigen Salzburger Festspielen ruft gegensätzliche Reaktionen hervor.

Die Salzburger Festspiele feiern in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Für das besondere Datum in diesen besonderen Zeiten wurde ein besonderes Werk auserwählt. Der Regisseur der Inszenierung, Romeo Castellucci, bezeichnete seine Interpretation als die »ungewöhnlichste aller Zeiten«. Auch der »ungewöhnlichste« Dirigent der modernen Klassik-Szene, Teodor Currentzis, wurde zum musikalischen Leiter der Oper einberufen. Die Wahl der Festivalveranstalter führte zu den kontroversen Reaktionen.

Auf der ästhetisch schön anzusehenden Bühne, die rein und unschuldig wirkt, spielen sich die Handlungen ab, die irritieren. Die Aneinanderreihung von symbolträchtigen Handlungen erfordert viel Konzentration. Zahlreiche Gegenstände, die mit viel Lärm immer wieder von oben herab fallen, versucht man zu dechiffrieren und es wirkt sehr schnell ermüdend. Während man noch die kriechende Spinne in Menschengestalt im Sinne von Louise Bourgeois auf dem Renaissancebild im Hintergrund beobachtet, wird auf der Bühne schon die nächste Ebene im Vordergrund eröffnet, die es zu entschlüsseln gilt. Castellucci überhäuft mit Symbolen, hält nichts von subtiler Mäßigkeit und vergisst dabei, dass manchmal weniger mehr ist.

Teodor Currentzis sorgt schon seit Jahren für kontroverse Meinungen, sowohl in seiner Wahlheimat Russland als auch im Ausland. Für seinen ruhelosen anarchistischen Geist wird er gefeiert und geohrfeigt. Jedes Stück, das er sich vornimmt, wird anders als gedacht, unerwartet schön oder für manche zu dreist. Auch seine Interpretation von Mozarts heiterer Oper wirkt durch manch Ausschweifungen spitz und gehetzt, jedoch anderseits mächtig und berauschend. Im Moment wird dem Dirigenten in vielen Medien vorgeworfen, dass er maßlos übertreibe.

In diesem Zusammenhang sind die Parallelen zur Hauptfigur der Oper, Don Giovanni, nicht zu übersehen. Seine Gier bezüglich Frauen kann man auch als maßlos bezeichnen. In der Inszenierung jedoch wirkt Don Giovanni (Davide Luciano) eher bescheiden, sowohl gesanglich als auch im Ausdruck. Hier ist er weder von seinen Leidenschaften getrieben, noch zeigt er deutlich Anzeichen von Tiefe. Dafür wirken die Frauen sehr kraftvoll. Donna Anna (Nadezhda Pavlova) begeistert mit der stimmlichen Intensität, Donna Elvira (Frederica Lombardi) mit Souveränität und Zerlina (Anna Lucia Richter) mit Leichtigkeit. Wahre Frauenpower repräsentieren 150 Salzburger Frauen als Statistinnen, die sich vom Sinnbild des Opfers zum Symbol der Freiheit auf der Bühne entwickeln.

Alle Figuren des Abends vereint die Suche nach Anerkennung. Sei es der Don Giovanni, der sich danach sehnt, so wie er ist, anerkannt zu werden. Oder die Frauen, die nach der fehlenden Akzeptanz suchen. Der Regisseur sucht danach über die versteckten Botschaften, der Dirigent über das Ausleben seiner Einzigartigkeit.
In Wirklichkeit möchte nur jeder frei davon sein, nach Anerkennung suchen zu müssen. In diesem Sinne: Es lebe die Freiheit.

www.salzburgerfestspiele.at

Bild: Szene aus Don Giovanni | Foto: Monika Rittershaus

Das könnte Sie auch interessieren

Renate Baumiller-Guggenberger
Klassik

Wenn es eng wird auf der Tastatur...

Im ausverkauften Rokoko-Festsaal des Schaezlerpalais widmeten sich vier Fortepiano-Koryphäen an ebenso vielen kostbaren Originalinstrumenten aus Augsburg, Regensburg und zwei Londoner Werkstätten der hohen Kunst des zwei- bis fünfhändigen Sonatenspiels. Nicht zuletzt die im späten 18. Jh. gebauten Augsburger Instrumente von Johann Andreas Stein waren dank innovativer Mechanik in ganz Europa rege nachgefragt und erfüllten höchste Qualitätsansprüche.

Malte Günther
Jazz, Klassik

Gitarrenklänge aus aller Welt

Das internationale Gitarrenfestival Wertingen gehört seit vielen Jahren zu den kulturellen Höhepunkten der Region und verspricht vom 9. bis 11. Oktober musikalische Vielfalt auf Spitzenniveau und eine Bandbreite an Programm:
Mira Emke
Klassik

»Neustart«

Die Augsburger Philharmoniker wagen am 28. und 29. September mit dem ersten Sinfoniekonzert einen »Neustart« in die Saison im Kongress am Park.