Vom Frieden lernen
Der ehemalige Kulturreferent Thomas Weitzel verantwortet für OB Weber nun den Frieden. Ein Kommentar von Jürgen Kannler
Das Motto des Friedensfests 21 war Fürsorge. Das Kulturprogramm im Vorfeld dieses einzigartigen, am 8. August nur in Augsburg begangenen Feiertags startete einer guten Tradition folgend schon 14 Tage früher.
Das Spektrum reichte von diversen Ausstellungsformaten und einer ganzen Reihe partizipatorischer Projekte über das mehrtägige Festival der Kulturen mit Musiker*innen aus aller Welt bis zu den zahlreichen Diskussionsformaten, die in ihrer Dichte, den in weiten Teilen spannenden Besetzungen und ihrer inhaltlicher Stärke vielleicht das wichtigste Merkmal dieses besonderen Festivals sind.
Die letzten zwei Jahre haben uns gezeigt, mit welchem Mehrwert, aber eben auch mit welchen Schwachstellen hybride Programmsysteme überraschen können. Beim Friedensfest hat das Organisationsteam um die Festivalleiterin Christiane Lembert-Dobler einige Wege gefunden, Digital- und Live-Formate mit Zugewinn und Corona-konform ineinander laufen zu lassen. Veredelt wurden diese Konzepte in den besten Fällen durch erstklassige Räumlichkeiten, wie sie zum Beispiel das tim dem Festival als Kooperationspartner bieten konnte. Im Ergebnis erreichten einige Programmpunkte absolutes Spitzenniveau, trotz Maskenpflicht im Zuschauerraum.
Diese Leistung ist der prinzipiellen wie beherzten Aufgeschlossenheit der Macher*innen ebenso zu verdanken, wie ihrem über Jahren eingespielten Umgang miteinander.
Der nach der Kommunalwahl vollzogene Umzug des Themas Frieden vom Kulturreferat ins OB-Referat, macht sich – vordergründig – nur auf dem Briefpapier bemerkbar und ist den zahlreichen Rochaden nach der Wahl geschuldet.
Dennoch verdient eine Personalie in diesem Zusammenhang besonderes Interesse. Thomas Weitzel leitet die wohl speziell für ihn neu eingerichtete Stabsstelle Kultur im Referat von OB Weber. Der ausgewiesene Kulturexperte war lange Jahre Leiter des Kulturamts in Augsburg und formte dieses zu einer funktionsfähigen Einrichtung. In der vergangenen Legislaturperiode stieg er zum Kulturreferent auf. Nach der Wahl, er kandidierte erfolgreich auf der CSU-Liste, wurde das Referat durch die Grünen mit Jürgen Enninger besetzt. Als Leiter der Stabsstelle verantwortet Thomas Weitzel nun Themen wie Erinnerungskultur und Frieden und ist damit der direkte Vorgesetzte von Christiane Lembert-Dobler.
Im gemeinsamen Gespräch mit a3kultur betonten Festivalleiterin und Stabsstellenchef ihre gute Zusammenarbeit und der Erfolg des Festivals gibt ihnen Recht. Eine Kollisionsgefahr seiner Verantwortungen mit denen seines Nachfolgers erkennt Weitzel nicht. Allerdings scheint die Kommunikation zwischen Stabsstelle K und K-Referat noch ausbaufähig. So wusste weder Weitzel noch seine Festivalchefin von Enningers Plänen, die Festivallandschaft der Stadt neu zu denken. Es bleibt zu hoffen, dass die Stellen K und K zukünftig einen Weg der Zusammenarbeit in Friede und Fürsorge finden. Beim Neudenken der Augsburger Festivallandschaft könnten die im Referat verbliebenen Themen Mozart und Brecht noch einiges vom Frieden lernen.
Mit einer Illustration eines in Überfürsorge erstarrten Kindes warb das Friedensfest für sein Kulturprogramm. Die Arbeit wies kurioser Weise auf einen Aspekt im Kontext Fürsorge hin, der im Programm keinen Platz fand – wann Fürsorge zu viel oder gar absurd wird.