Ausstellungen & Kunstprojekte

Viel Geduld und weiche Pinsel

Kerstin Skringers Bilder fordern heraus, laden aber auch zum Eintauchen in magische Bildwelten ein

Die schönste Neuigkeit vorweg: Man kann wieder Kunst anschauen gehen. Und das auch spontan, ohne Test, soweit die entsprechenden COVID-19-Impfvoraussetzungen erfüllt sind.

Davon profitieren auch wieder die Kunstorte wie das Höhmannhaus in der Maximilianstraße, das sehr von spontanen Besuchen durch Flanierende lebt, was, da es in den 25 Jahren seines Bestehens als Kunstgalerie noch nie Eintritt verlangte, auch gerne angenommen wird. Im Dezember 2021 und Januar und Februar 2022 ist hier Kerstin Skringer mit der Ausstellung »Wanderers« zu Gast – für die Künstlerin, die lange Jahre in Augsburg lebte und arbeitete, ein spätes Heimspiel und ihre erste Einzelausstellung in der Fuggerstadt.

In Niederbayern geboren führte sie ihr Weg zunächst nach Augsburg, wo sie sich im Studium der Kunstgeschichte viel mit den Techniken alter Meister beschäftigte. Die Theorie war ihr jedoch nicht genug, weswegen es sie an die Akademie in Nürnberg zog, wo sie freie Malerei studierte und erfolgreich abschloss. In all dieser Zeit baute sie sich hier ein Atelier auf, das bereits innerhalb Augsburgs viermal migrierte, bevor es in München seinen (vorläufigen) Zielort fand.

Die Reise und das Suchen sind daher als Ideengeber und Leitmotiv fast vorprogrammiert, zumal Skringer in den letzten Jahren ihren Aktionsradius stetig erweiterte, ihre Eindrücke nicht nur in buchstäblich vor der Haustür, sondern auch schon in Nordwesteuropa, auf der iberischen Halbinsel oder im Mittleren Osten sammelte. Überall sieht sie winzige Details, die dann in wochen- manchmal monatelanger Arbeit zu Einzelbildern, Diptychen oder Triptychen oder ganzen Serien ausgearbeitet und dabei immer mehr verfremdet werden, bis das eigentliche Motiv hinter schillernden Farbschichten mit diffusen Übergängen fast gänzlich verschwindet und sich dem Eigenwert der Farbe unterordnet.

Das kann für einzelne Betrachter*innen auch irritierend oder gar zum Haareraufen sein. Denn es blitzt doch immer wieder die Idee von Gegenständlichem auf, aber eben nur die Idee. Sind das Leuchtmittel, deren Licht sich in einer Scheibe bricht? Ist da eine Landschaft in fahler Dämmerung erkennbar? Erfolgt der Blick in die Ferne von einem Balkon aus oder aus einem Zug? Es ist nicht zu fassen. Daher lohnt es sich, näherzutreten und sich dem ruhigen Spiel der eher gedeckten, aber mannigfaltigen und in ihrer Unbuntheit satten Farben zu ergeben.

Dass dies möglich ist, dafür sorgten der Kurator Dr. Thomas Elsen von den Kunstsammlungen Augsburg und Kerstin Skringer selbst, indem sie bewusst kein Überangebot schufen und aus den Dutzenden möglicher Exponate zielsicher 15 zum Teil (sehr) großformatige und Cluster aus kleineren Werken auswählten, denen die Ausstellung jeweils sehr viel Raum gibt.
Beide, Kurator und Künstlerin, kennen sich bereits seit 2015, als Kerstin Skringer den Kunstpreis der Großen Schwäbischen Kunstausstellung entgegennahm.

Auf die Frage, was es brauche, um diese Werke so umzusetzen, antwortet Kerstin Skringer mit ebenso verschmitzten wie lapidaren Worten: »ganz viel Geduld und ganz weiche Pinsel«.

»Wanderers« in der Neuen Galerie im Höhmannhaus ist noch bis 13. Februar 2022 zu sehen.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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