Befreit und vergessen
Eine Sonderschau im Tim beleuchtet das Schicksal sogenannter »Displaced Persons« nach dem Zweiten Weltkrieg.
Etwa elf Millionen Displaced Persons (DPs) befanden sich mit Kriegsende in Deutschland. Der Begriff beschreibt Personen, die nicht an ihrem Aufenthaltsort beheimatet sind. Darunter fielen etwa sowjetische Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter*innen, Geflüchtete und befreite KZ-Insass*innen. Ein Teil der Displaced Persons galt aufgrund territorialer Veränderungen im Krieg auch als staatenlos.
In einer Sonderschau im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (Tim) stellt die US-amerikanische Fotografin und Künstlerin Krista Svalbonas mit »Displacement« neue Fotografien von DP-Unterkünften in Deutschland aus. Svalbonas beschränkt sich allerdings nicht auf die rein fotografische Darstellung der Camps, die in ehemaligen Krankenhäusern, Schulen sowie mitunter in vormaligen Konzentrationslagern eingerichtet wurden. Die Künstlerin überzog die Fotos mit einer eigentümlichen Struktur. Texte, eingebrannt durch einen Lasercutter, lassen die Fotos durchlöchert und unvollständig erscheinen. Es handelt sich dabei, so Museumsdirektor Karl B. Murr, um Bittschriften von Displaced Persons, die in die USA gelangt waren.
Porträtfotos von heute in den USA lebenden früheren Displaced Persons flankieren die Ausstellung. Die Künstlerin begab sich auf die Suche nach ihnen und ihren Geschichten. Diese werden vor Ort über einen QR-Code zugänglich gemacht und erweitern die Schau um eine persönliche Dimension von Flucht und Vertreibung. Gerade die gegenwärtigen Kriege und Krisen führen zu neuen Fluchtbewegungen, deren Aktualität Svalbonas in »Displacement« aufgreift.
Die Ausstellung »Krista Svalbonas – Displacement« läuft noch bis 2. April 2023. Der Eintritt ist frei.
www.timbayern.de
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