Literatur
Theater & Bühne

»Die besten Rollen schreibe ich mir einfach selbst«

Klösel
Gastautor

Seit über dreißig Jahren lebt und arbeitet Matthias Klösel, Theaterschauspieler, Dramaturg, Autor und Soloperformer, schon in Augsburg. Dabei war das gar nicht so geplant, wie er a3kultur im Interview verraten hat.

a3kultur: Der Titel der diesjährigen Kahnfahrt-Festspiele ist ein Zitat aus Brechts »Ballade von den Seeräubern«. Ist das schon ein Hinweis auf das, was wir erwarten dürfen?
Matthias Klösel: Ganz klar. Dieses Jahr geht es um die Themen Wasser und die Liebe zu den Frauen. Gerade in Brechts Lyrik taucht das Thema Wasser häufig auf. Der Lech hat ihn in seiner Jugend schon sehr beeindruckt. Der Spielort Kahnfahrt lädt seit Jahrzehnten zu romantischen Treffen ein. Insgesamt wird es dieses Jahr mehr ein »Singspiel«, und somit rücken die vielen schönen Lieder von Brecht und seinen Komponisten stärker in den Vordergrund. Agnes Reiter (Klarinette) und Martin Franke (Violine) sind daher auch wieder mit an Bord und sorgen für die entsprechende musikalische Umsetzung. Mit Daniela Nering habe ich eine wunderbare Mitspielerin. Die Regie hat wieder Gianna Formicone übernommen.

Gehst du das Thema Brecht bewusst anders an als zum Beispiel die Macher*innen des Brechtfestivals?
Mir sind die Person und das Leben Brechts sehr wichtig. Mein Stück soll unterhalten und gleichzeitig aus Brechts Leben erzählen. Jeder hat da seinen eigenen Ansatz. Der Blick auf Brecht ist vielschichtig. Mein Programm besteht ja im Gegensatz zum Brechtfestival aus einem einzigen Stück und nicht aus einer umfangreichen Veranstaltungsreihe. Daher kann man das gar nicht vergleichen. Aber wer genau hinhört, wird dennoch einen kleinen Kommentar von mir dazu hören können. Natürlich durch Brecht selbst gesprochen.

Du bist Schauspieler und Autor in einer Person. Hilft dir das?
Ich finde, das befruchtet sich gegenseitig. Da ich auch für andere schreibe, weiß ich, wie das geht. Wenn ich dann für mich selbst schreibe, habe ich den entsprechenden Abstand und kann für meine Rollen den richtigen Ton treffen. Die Herangehensweise ist die gleiche. Erst habe ich eine Idee, dann plane ich schon das Setting, die einzelnen Stationen, überlege, welches Team mit dabei ist, und so weiter. Dann erst kommt der Text. Aber der größte Vorteil ist natürlich, dass ich mir die besten Rollen einfach selbst schreibe!

Wie viel kreativen Raum bieten dir die Kahnfahrt-Festspiele?
Inhaltlich habe ich da freie Hand. Aber natürlich passe ich mein Stück den räumlichen Gegebenheiten an. Die Kahnfahrt zum Beispiel ist ein ganz besonderer Ort. Darauf nehme ich gerne Rücksicht.

Ich bin eher ein Einzelkämpfer

Bist du eher ein Einzelkämpfer oder mehr Teamplayer?
Meistens bin ich als Einzelkämpfer unterwegs. Meine Solostücke lassen sich natürlich viel unkomplizierter umsetzen, da ja nur ich entscheiden muss, ob ich das machen will oder nicht. Ein Theaterstück im Ensemble ist schon ein enormer Aufwand. Auch braucht es dafür immer den geeigneten Raum. Leider hat Augsburg da zwei wichtige Auftrittsorte für die freie Szene verloren: den Hoffmann-Keller und natürlich die Werkstattgalerie Krüggling, wo ich oft aufgetreten bin.

Wie schlägst du dich denn so durch als Einzelkämpfer?
Die Situation ist finanziell immer wieder einmal schwierig. Immerhin wird jetzt ein Mindesthonorar für die Akteur*innen der freien Szene angestrebt. Doch das ist immer wieder ein Kampf. Zum Glück habe ich ein sehr gutes Netzwerk und dadurch viele Kontakte, die ich nutzen kann. Daher geht für mich die Rechnung meistens auf. Und in Augsburg wird zumindest die Forderung der freien Szene gehört, dass wir eine Erhöhung der Fördergelder benötigen, um überleben zu können.

Hätte es einen alternativen Berufsweg für dich gegeben?
Nach dem Abitur habe ich erst einmal eine Schreinerlehre gemacht. Daher hätte alles auch ganz anders laufen können. Doch nachdem ich bei einer freien Theatergruppe Bühnenluft geschnuppert hatte, war klar, dass ich lieber diesen Weg gehen möchte. Ich mag Sprache und Sprachen. Im Theater fühle ich mich daher sehr wohl, und das ist bis heute so.

Im Rückblick betrachtet ist also alles so verlaufen wie gewünscht?
Na ja. Dass ich jetzt schon über dreißig Jahre in Augsburg lebe und hier auch viel auf die Bühne bringe, war nicht so geplant. Ich hatte mir zwei bis drei Jahre vorgestellt, und dann sollte es woandershin gehen. Aber ich mag diese Stadt. Die viele Natur drum herum. Die Größe und natürlich die Menschen hier. Es ist einfach ein sehr schöner Ort zum Leben, und von hier aus kann ich gut zu anderen Engagements reisen und wieder gerne zurückkehren.

Was steht neben den Kahnfahrt-Festspielen aktuell auf deinem persönlichen Spielplan?
Im Juni haben wir Premiere mit einem komödiantischen Solo über einen vom Leben gebeutelten Fußballtrainer, der krachend vom Leder zieht. Das spielen wir für Jugendliche vom
Eisenbahner-Sportverein im Bärenkeller. Wir hoffen, damit Jugendliche über das Thema Fußball auch für das Theater interessieren zu können. Regie führt Holger Seitz, der in Augsburg lange Jahre am Stadttheater gearbeitet hat. Des Weiteren wird heuer im Kafkajahr unser »Bericht für eine Akademie«, eine Kooperation mit dem Theter Ensemble, nochmals auf die Bühne im City Club kommen.

Danke für das Gespräch.
 

Matthias Klösel ist Theaterschauspieler, Dramaturg, Autor und Soloperformer. Auch dieses Jahr hat er wieder ein
neues Stück für die Kahnfahrt-Festspiele verfasst und sich die Rolle des Bertolt Brecht auf den Leib geschrieben. 
Die Premiere von »Oh Himmel, strahlender Azur, enormer Wind die Segel bläh« am 1. Mai war im Nu ausverkauft. Weitere Termine sind am 5., 12., 19. und 20. Mai und am 2., 8., 9., 16. und 23. Juni. Karten (soweit verfügbar) und weitere Informationen gibt es über die Buchhandlung am Obstmarkt.

www.buchhandlung-am-obstmarkt.de

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