Bewegt euch!
Der unter der Bezeichnung »Notbremse« bekannte und nun verabschiedete Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der Coronapandemie ist in weiten Teilen hart, zuweilen ungerecht und in zahlreichen Punkten selbst von seinen Entscheider*innen aus der Politik nicht schlüssig zu erklären.
Zudem hält das von den Politstrateg*innen beschworene Bild von der Notbremse einem zweiten Blick kaum stand. Ziel der Maßnahmen ist ja nicht der aus einer Notsituation heraus gebotene Stillstand – ein solcher hätte als echter Lockdown wohl spätestens vor einigen Monaten kommen müssen, um die gewünschte Wirkung zu zeigen –, sondern eben nur ein in einigen Bereichen geltender Stillstand, bei einem ansonsten gleichzeitig propagierten »Weiter so«.
Welche Folgen ein solches Vorgehen aus gleichzeitigem Abstoppen und Fahrthalten bei einer Notbremsung für einen Zug haben würde, kann man sich auch ohne tieferes physikalisches Verständnis leicht ausmalen. Der Zug würde entgleisen. Und genau dieses Bild verbinden derzeit viele Menschen mit ihrer aktuellen Lebenssituation. Sie ist am Entgleisen. Es wäre also geboten, für unsere Situation nicht nur ein neues, ehrlicheres Bild zu finden. Eines, das abbildet, was gehen kann, wenn der eine Teil unserer Gesellschaft zum Nichtstun verurteilt ist, während der andere Teil ungehindert seinen Geschäften nachgeht. Die Schaffung eines Narrativs, auf das sich weite Gruppen unserer Gesellschaft verständigen können, löst per se natürlich noch keine Probleme. Aber es beinhaltet die Chance, gemeinsam neue Wege darin zu sehen.
Welche Auswirkungen dieser gegenwärtig verordnete partielle Stillstand für unsere Gesellschaft haben wird, ist nicht abzusehen. Entscheidend ist, ob wir nach Corona zurück zum Startpunkt vom März 2020 zurückkehren und versuchen werden, so weiterzumachen wie vor der Pandemie, oder ob wir Neustarts zulassen, die den seither immer weiter Abgehängten echte Perspektiven und Chancen eröffnen.
Diese Option hat nur einen Haken. Sie kann nicht verfügt werden. Sie muss gemacht werden. Von jedem und jeder Einzelnen. Also: Bewegt euch!
Die von der a3kultur-Redaktion zusammengestellte Programmvorschau (zu finden auf S. 6/7 der Mai-Ausgabe) zum zweiten Kultursommer unter Coronabedingungen gibt eindrücklich Zeugnis von der ungebrochenen Willenskraft unserer Kulturmacher*innen, allen Widrigkeiten und Ungerechtigkeiten der Zeit zum Trotz ihren Job zu machen.
Die gelisteten Angebote im Spektrum zwischen Film, Theater, Kabarett, Klassik und Clubkultur verfügen über professionelle und erprobte Hygiene- und Sicherheitskonzepte. Ob sie von den Menschen unserer Region wahrgenommen werden dürfen, hängt im Wesentlichen von den politischen Entscheidungsträger*innen auf Bundes- und Landesebene ab.