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Bilderstreit zur »Großen Schwäbischen«?

a3kultur-Redaktion

Viel Kunst zeigt die laufende Schau im Glaspalast, recht wenige Fotografien sind vertreten. Nun stellt sich heraus: Eine davon ist gar kein Foto! Denn sie entstand nicht in der Kamera, sondern per Textbefehl. a3kultur sprach mit dem Künstler Gerald Bauer über sein Werk, das den nächsten Augsburger Skandal auslösen könnte.

Gerade mal 50 × 50 cm misst der Farb-Fotoprint »Ohne Titel« von Gerald Bauer in der Großen Schwäbischen Kunstausstellung. Etwas abgehärmt wirkt das Gesicht der Frau, die real nicht existiert: Sie entstand 2020 im Zug einer synthetisch per Künstlicher Intelligenz generierten Porträtserie. Bauer nutzte damals eine Softwareversion, die heute längst als veraltet gilt. Beeindruckend ist, in welch rasender Geschwindigkeit sich die Bildgeneratoren weiterentwickeln – und beängstigend, wie sich deren Qualität auf den dokumentarischen Anspruch der Fotografie auswirkt. Denn auf letzteren, so die Prognose des Augsburger Künstlers, werden wir in Zukunft verzichten müssen.

Mit seinem Werk wollte Gerald Bauer einen Präzedenzfall in Augsburg schaffen. Parallel zur Eröffnung der »Großen Schwäbischen« gastierte sein Künstlerkollege Boris Eldagsen mit »Trauma Porn«, einer mittels KI geschaffenen Rauminstallation (a3kultur berichtete vorab), im Höhmannhaus. – »Seine KI-Arbeiten habe ich von Anfang an verfolgt und wurde mitgezogen«, gesteht Bauer freimütig.

Nach seiner erfolgreichen Bewerbung für die »Große Schwäbische« habe nun ein KI-generiertes, zunächst nicht als solches ausgewiesenes Bild in direkter Konkurrenz zu herkömmlichen Fotografien eine Eigendynamik entwickelt, die bereits spürbar sei.

Und ja, es eskaliert schnell – ist sich Gerald Bauer ganz sicher: »Im kommerziellen Bildbereich wird gerade vieles radikal einfacher und schneller. Die freie Kunst ist davon weniger betroffen. Die Fotografie in der Kunst allerdings wird sich völlig neu positionieren müssen. Ich wünsche mir, dass auch in Augsburg ein Diskurs über diese Zukunft stattfindet. Wir sollten nicht passiv darauf warten, bis das überregionale Feuilleton uns die Deutungen vorgibt.«

Zu sehen ist Gerald Bauers Werk noch bis zum 7. Januar 2024 in der 75. Großen Schwäbischen Kunstausstellung in der Halle 1 – Raum für Kunst im Glaspalast
Zu hoffen bleibt, dass die Debatte über Künstliche – und künstlerische! – Intelligenz im neuen Jahr richtig Fahrt aufnimmt, in Augsburg und überall.

Die a3kultur-Redaktion plant gemeinsam mit dem BBK eine Diskussionsrunde zu diesem Thema für Anfang Januar. Mehr Informationen folgen. 

 

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