Blüten, Menschen und was sonst noch wichtig ist

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20. Juli 2018 - 10:53 | Bettina Kohlen

Eine große Einzelausstellung in der Schwäbischen Galerie in Oberschönenfeld gibt Einblick in das aktuelle Werk von Daniela Kammerer.

Mit einem »Blütenknall« gehts los: Dieser sehr bildhafte Titel umreißt den ersten Teil der Ausstellung mit großformatigen Papierarbeiten, die ungerahmt vor der Wand schweben. Da fliegen, fallen, stürzen diverse Wesen durcheinander. Ist das räumlich figurativ? Oder doch flächig abstrakt? Es ist beides, es ist ein Vexierbild von Realem und Gedachtem, konkret und unbestimmt zugleich. Die sprechenden Bildtitel lösen märchenhafte Geschichten aus. Und märchenhaft muss nicht bedeuten, dass alles gut wird. Diese Unsicherheit begleitet den Betrachter. Dieser Schwebezustand und das Gefühl, keinesfalls sicheren Boden zu betreten, sind der Reiz, sich auf die Bilder einzulassen – die auf Papier und die dahinter …

Im ersten Stock wird den Arbeiten aus dem Projekt »Haut um’s Hirn« Raum gegeben. Die Künstlerin und Kunsttherapeutin Kammerer hat im Laufe eines Jahres in acht europäischen Städten und Dörfern die Bewohner in ihr mobiles Atelier zum Gespräch eingeladen. Aus diesen Begegnungen heraus entstanden zahlreiche Menschenbilder, die vielschichtige Facetten zeigen. Die mal mehr, mal weniger offensichtliche Teilung der Gesichter, macht deutlich, welche – manchmal verborgenen – Seiten im Wesen eines jeden Menschen aufscheinen. Diese Arbeiten sind nicht als konkrete Porträts zu lesen, weisen vielmehr auf individuelle Charakterbilder hin, die Kammerer neben der Darstellung auch in der Wahl von Format, Technik und Material ausdrückt.

Neu in Kammerers Schaffen und unbedingt sehenswert sind ihre reizvollen keramischen Skulpturen. Da gibt es vielansichtige bemalte und teils glasierte Köpfe, die die Menschenbilder auf Papier und Leinwand ergänzen. Auf den ersten Blick stehen sie freundlich skurril auf ihren Podesten, bei näherer Betrachtung allerdings offenbaren sich ihre irritierenden Details und verstörend offen liegenden Verwundungen. Im Erdgeschoss in der Abteilung »Blütenknall« sind einige wundersame Blütenwesen versammelt: Ihre Namen verweisen auf Korallen, doch in ihrer keramischen Gestalt oszillieren sie zwischen Tier und Pflanze.

Zeit nehmen sollte man sich für den Film von Anna Ludwig, der uns Kammerer bei der Arbeit beobachten lässt, unterlegt von Ausschnitten der Gespräche für »Haut um’s Hirn«. Erfrischend klar erscheint hier, wie physisch der Prozess des Malens abläuft.Kammerers Werk beeindruckt, weil sich hinter einer Oberflächenleichtigkeit immer ein dunkel schimmernder Abgrund verbirgt. Man kann nie sicher sein, was sich auf ihren Wegen zwischen Abstraktion und Figurativem so alles verbirgt … Sehr sehenswert!

»Blütenknall – Bildschöpfungen von Daniela Kammerer« | bis 23. September | Künstlergespräch am 23. September um 15 Uhr

www.schwaebisches-volkskundemuseum.de

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