Politik & Gesellschaft
Theater & Bühne

Bonzenbühne?

a3kultur-Redaktion

Die Stadt Augsburg unternimmt erneut einen Versuch, das Image des umstrittenen Staatstheaterneubaus am Kennedyplatz aufzupolieren und lädt zur Konferenz. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

Die schlechte Presse für das schon vor Jahren aus den Fugen geratene Projekt eines neuen Theaters in der Augsburger City reißt nicht ab. Zuletzt sorgte die Rüge im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler (BdSt) für negative Schlagzeilen. Im Oktober titelte der BdSt: »Fass ohne Boden: Sanierung des Augsburger Staatstheaters«. Tatsächlich liegt der aktuelle Schätzwert für die Sanierung des »Großen Hauses« mit Bühne, Zuschauerraum und Garderoben sowie Erweiterungsneubau mit Mehrzweckbühne, Probebühnen, Werkstätten, Gastronomie und Büros bei 340 Millionen Euro, und damit rund 350 Prozent über der ersten Schätzung aus dem Jahr 2009.

Eröffnung nicht vor 2030

Die Eröffnung des Theaters wird sich, wie nun bekannt wurde, mindestens noch bis ins Jahr 2030 hinziehen. Das wären sieben Jahre über die einst avisierte Bauzeit. Gegenwärtig findet sich niemand, der die endgültigen Kosten oder den finalen Eröffnungstermin für das Staatstheater verbindlich benennen kann.

Es könnte also durchaus auch als Reaktion auf diese erneute, bundesweit beachtete Kritik gewertet werden, dass die für das Desaster Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung nun erneut mit einer Image- und Beteiligungskampagne reagieren und damit einen weiteren Versuch starten, das miserable Image des Staatstheaterneubaus aufzupolieren.

Vorerst 50.000 Euro wurden für die Kommunikation der Kampagne bewilligt; ein Etat, den sich die Augsburger Agentur Team M&M sicherte, die auch für den letzten Wahlkampf von Oberbürgermeisterin Eva Weber verantwortlich zeichnet.   

Bei der Betrachtung der Motive sticht eine markante stilistische Nähe zur Kampagne des Brechtfestivals von 2017 ins Auge. Man könnte meinen, hier hätte sich jemand mal eben mit Früchten aus dem Garten des Nachbarn bedient, um einen Kirschkuchen zu backen – ein Eindruck, der von diversen Expert*innen geteilt wird. Damals ging der städtische Auftrag an die Werber*innen von KW Neun. Mit Sätzen wie »Ändere die Welt, sie braucht es« zitieren sie Bertolt Brecht, den größten Sohn der Stadt. Wen zitiert M&M, wenn sie in vergleichbarer Anmutung Transparente mit dem Claim »Bonzen Bühne?« bedrucken lassen oder auf Broschüren sinnieren »Was für ein Theater«?  

Bei der ersten Ansicht vermitteln die Motive ein Ansinnen, als wollten die Werber*innen dem Teil der Gesellschaft eine Stimme verleihen, die dem Bau, Betrieb und Erhalt von Theatern und Museen abweisend gegenüberstehen. Wäre dem so, würden sie für weniger als 10 Prozent unserer Bevölkerung sprechen, wie zuletzt eine im Mai veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung belegt. 90 Prozent der Befragten halten unsere kulturellen Angebote und Orte nämlich für unverzichtbar, auch wenn sie diese kaum oder nie besuchen. Aus derselben Studie geht jedoch auch hervor, das knapp die Hälfte aller jungen Erwachsenen das Gefühl haben, dass sich das Angebot dieser Einrichtungen erst gar nicht an sie richtet. Sind es also die Jungen, die mit der Kampagne aus Klischees und Entlehnungen eine Stimme bekommen sollen? Wer weiß ... ?


   
Bei der Betrachtung der Motive der neuen Imagekampagne sticht eine markante 
stilistische Nähe zur Kampagne des Brechtfestivals von 2017 ins Auge; Foto: a3kultur 
 

Augsburg verfügt, wenn man den gehissten Kampagnenbegriff »Bonze« auf die rein wirtschaftliche Potenz beziehen möchte, über keine Bonzen-Bühnen wie andere Städte. Nicht dass es hier keine unverschämt reichen Menschen gäbe, die es sich leisten könnten, großzügig für ein Theater zu spenden. Dem ewig gesungenen Narrativ von der armen Stadt zum Trotz gehört unsere Region zu den reichsten der Welt. Nur interessieren sich die Reichen in und um Augsburg nicht besonders für das hiesige Staatstheater, seine Macher*innen, die umstrittenen Bauprojekte des Hauses und die damit einhergehenden Spendenaufrufe. Zuletzt verzeichnete das Spendenkonto für den Neubau die Summe von rund 55.000 Euro. So manche Vorstadtkita hat da mehr Akquisepotential.   

Handwerkliche Minderleistung

Vielleicht aber bezieht sich der auf der Baustelle nun gehisste Slogan vom »Bonzen Theater« auf den Teil der Wikipedia-Definition, in dem es heißt:    

»Bonze wird als Fremdbezeichnung für … einflussreiche Personen in Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik verwendet … , die ihre Macht zur persönlichen Bereicherung missbraucht haben und ohne entsprechende Leistungen zu ihrem Posten und Wohlstand gekommen sind.«    

Das wäre ja Korruption. Undenkbar in unserer kleinen Fuggerstadt! Ist doch alles nur ein Werbegag. Oder?

Bis das geklärt ist, bleibt festzuhalten, dass die Stadt beim Thema Staatstheaterneubau in Sachen Planung, Umsetzung und Kommunikation nie so recht in die Gänge gekommen ist und mit der neusten Kampagne eine handwerkliche Minderleistung präsentiert.

Wer mehr über den Stand des Bauprojekts Staatstheater erfahren oder sich an der Theaterquartier-Konferenz am 14. und 15. November einbringen möchte, ist vom Kulturreferat der Stadt Augsburg dazu sehr herzlich eingeladen.

Infos und Anmeldung bei www.augsburg.de

 

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