Ausstellungen & Kunstprojekte

Der bunte Untergrund

Materialbild (Frottee) in einem Schaukasten mit Treppenaufgang im Hintergrund

Die neue Ausstellung in der »Kunsthalle UG« bietet einen lebendigen Streifzug durch die junge Kunstszene der Region

Zahlreiche, vor allem jüngere Künstler*innen folgten dem Aufruf der Kuratorinnen Anni von Rudzinski und Mara Weyel auf Instagram, die vom Verein Schöne Felder e.V. unter dem Projektnamen »Kunsthalle UG« installierten 21 Schaukästen in der Unterführung unter der Gögginger Straße, Ecke Imhofstraße, für die nächsten Monate zu bespielen. Keine leichte Aufgabe, denn die Form der Präsentation in den Kästen, die die Kunst vor Witterung und Vandalismus schützen sollen, setzt Grenzen.

Das Schaukastenformat bietet aber auch Chancen: So kann mit dem Material in den Raum hineingespielt werden. Olivia Selin Yakaboylu aka yakagirllu arbeitet mit Frottee, was ihren menschlichen Figuren durchaus einen gewissen Kuschelfaktor verleiht, auch wenn sie eher an den Stil der Jungen Wilden der späten 1970er- und frühen 80er-Jahre erinnern. Neshlin Kaya platziert gar einen dreidimensionalen Akt formatfüllend in einen der querliegenden Kästen.

Bei anderen Bildern ist man nicht ganz unfroh über die trennende Scheibe. Anna Neu stellt Bilder aus, die unter Verwendung von echtem Menstruationsblut entstanden. Die Künstlerin will damit das Stigma vom weiblichen Menstruationszyklus nehmen. Das trifft zwar das Motto der Ausstellung »Untenrum« perfekt, in einer trotz der Kunst immer noch nicht allzu heimeligen Unterführung kann die Nähe zum Blut jedoch – so viel Triggerwarnung muss sein – auch durchaus etwas leicht Unbehagliches haben. (Edit: ... was die weibliche Begleitung bei einem zweiten Ortstermin allerdings sehr viel unbefangener sah als der Verfasser dieser Besprechung. Nun denn ...) 

Weitere Werke kommen von Zazie Julie, Samira Rauner, Pauline Rebollo, Paul Endhardt, Paul Englmeier, Nikolas Hagele, Natalie Stanczak, Mia Wilkinson, Lary Lenz, Laura Lacrampe, Laura Jungfer, Juliane Filep, Janina Totzauer, Jana Hillenbrand, Ida Lutzenberger, Franziska Hauber, Eva Krusche und Aline Weyel (siehe Bildgalerie).

Bei jedem Kunstwerk ist ein QR-Code zu finden, der die interessierte Betrachter*in zu programmatischen Texten oder Home- und Instagram-Pages führt. So kann man sich hier durchaus ein wenig länger aufhalten, Hintergründe zu den Bildern (so sie nicht vor Ort dechiffrierbar sind) erkunden und sich ein Bild von der jungen Kunstszene in und um Augsburg machen. Die aktuelle Schau ist bis zum Frühjahr 2025 zu sehen. Der Eintritt ist frei, ein barrierefreier Zugang von der Straßenbahnhaltestelle »Kongress am Park« nicht, über die Zugänge bei der ehemaligen Kunsthalle und gegenüber, beim Autohaus, bedingt möglich (Begleitung erforderlich). 

www.instagram.com/schoene_felder

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