Calico
Textilmuster interaktiv entdecken, erleben und entwerfen. Kurz nachgefragt bei Dr. Karl B. Murr.
m Februar stellte das tim das KI-Projekt Calico vor. Grund genug, beim Leiter des Staatlichen Textil- und Industriemuseums, Dr. Karl B. Murr, nachzufragen, welche digitalen Pläne er für die nähere Zukunft seines Hauses hat.
a3kultur: Wie lief das »Calico«-Projekt, rückblickend? Würden Sie heute irgendetwas anders machen?
Dr. Karl B. Murr: Das Projekt lief gut. Da wir den Zuschlag der Bundeskulturstiftung erhalten hatten, konnten wir, wenn auch unter Zeitdruck, das Projekt umsetzen. Und wir machen jetzt schon etwas anders, nämlich für das nächste Projekt die zusätzlichen Stellen früher zu besetzen. Wichtig war, dass wir mithilfe der künstlichen Intelligenz nicht nur die Mustersammlung spielerisch erfahrbar machen, sondern auch die DNA der Textildruckmuster aufspüren konnten. Weil die künstliche Intelligenz auch alle Merkmale der Druckmuster katalogisiert hat, kann man jetzt erstmals die Augsburger Musterbücher mit anderen Quellen rund um die Welt vergleichen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die kulturwissenschaftliche Forschung. Wie entwickelt sich Mode, woher stammen Muster wie etwa Paisley, wie hat sich das ausgebreitet?
Haben sich durch »Calico« neue Verbindungen für das tim ergeben?
Ja, zum Beispiel haben wir erfahren, dass »Calico« schon zu Projektbeginn als gelungene Onlineumsetzung von Modethemen an der Akademie für Mode und Design in München behandelt wurde. Wir wollen in Zukunft noch mehr auf Schulen und Akademien zugehen. So wird unser nächstes Projekt zum Ende dieses Jahres noch mehr auf die globalen Verbindungen der Textilindustrie in den vergangenen Jahrhunderten eingehen und für junge Leute verständlich machen – einschließlich kolonialer Gewalt, die beim Erwerb von Fasern und Farbstoffen für den europäischen Markt angewendet wurde und der Rolle, die Augsburg in der frühindustriellen Textilindustrie gespielt hat. Globalisierung ist schließlich keine Erfindung der Gegenwart. Dieses museumspädagogische Projekt wird dann allerdings ohne künstliche Intelligenz auskommen.
Das klingt alles sehr spannend, wir bedanken uns für dieses kurze Interview.
Die a3kultur-Redaktion dokumentiert KI-Anwendungsgebiete in Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft und sprach mit Expert*innen über die Möglichkeiten und Risiken dieser Technologie.
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