Film

Cinema Cinese

Kung Fu in Rome © Wenn Kung Fu auf die Mafia trefft, hat Roms Unterwelt nichts mehr zu lachen © DCM

Was passiert, wenn sich ein Italiener des in unserer westlichen Wahrnehmung vielleicht verbreitetsten chinesischen Filmgenres, des Kung-Fu-Films, annimmt?

Das italienische Kino zeichnet sich durch eine Reihe charakteristischer Merkmale aus, die sich im Laufe seiner Geschichte entwickelt haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte vor allem der Neorealismus die Filmwelt, indem er Geschichten einfacher Menschen in der Nachkriegszeit erzählte. Diese Filme wurden oft an Originalschauplätzen und mit Laiendarstellern gedreht, um eine authentische, fast dokumentarische Atmosphäre zu schaffen. Später entstand die »Commedia all’italiana«, die ernste gesellschaftliche Probleme mit tragikomischem Humor verband und somit eine Form der Sozialkritik übte. Parallel dazu entwickelte sich der Italowestern, der das amerikanische Genre neu interpretierte. Er wurde bekannt für seine zynischen Antihelden, seine visuell stilisierte Ästhetik mit extremen Nahaufnahmen und die ikonische Filmmusik von Komponisten wie Ennio Morricone. Doch was passiert, wenn sich ein Italiener des in unserer westlichen Wahrnehmung vielleicht verbreitetsten chinesischen Filmgenres, des Kung-Fu-Films, annimmt?

Das zeigt uns »Kung Fu in Rom« (11. September, Cinestar, Liliom): Mei (Yaxi Liu) ist das zweite Kind einer armen chinesischen Familie, die während der Einkindpolitik Chinas aufwuchs und ihre ganze Kindheit im Verborgenen leben musste. Um die hohe Geldstrafe zu bezahlen, die notwendig war, um Mei zu einer legalen Bürgerin zu machen, zog ihre Schwester Yun (Haijin Ye) nach Italien, um zu arbeiten – und ist nun spurlos verschwunden. Meis Suche führt sie in das multikulturelle Viertel Esquilino und in ein zwielichtiges Casino namens »Città Proibita«, das von einer chinesischen Gang kontrolliert wird. Dort erfährt sie, dass ihre Schwes­ter tot ist. Auf ihrer Suche nach Gerechtigkeit gerät Mei in die römische Unterwelt und trifft auf den herzensguten Pastakoch Marcello (Enrico Borello), der tief in Schulden bei der Mafia steckt. Auch seine Familie scheint in Yuns Verschwinden verwickelt zu sein. Gemeinsam nehmen Mei und Marcello den Kampf gegen die Kriminellen in der Ewigen Stadt auf.


»Kung Fu in Rom« – allein die Kombination dieser Wörter weckt Assoziationen zu schrägen, aber charmanten B-Movies. Doch Regisseur Gabriele Mainetti hat sich nicht mit einem bloßen Retro-Gag zufriedengegeben. Sein Film, der im italienischen Original den Titel »La Città Proibita« (Die verbotene Stadt) trägt, ist ein ambitioniertes und oft erstaunlich stimmiges Hybrid aus Martial-Arts-Film, Gangsterdrama und Romanze. Obendrein gibt es wunderschöne Aufnahmen von Rom, die allein schon zum Verlieben sind. Das Herzstück des Films sind aber natürlich die Kämpfe. Und die haben es in sich, sind dynamisch, brutal und elegant zugleich. Yaxi Liu, die zuvor als Stuntdouble in »Mulan« gearbeitet hat, agiert nicht wie eine Hollywood-Heldin, sondern wie eine echte Kampfkünstlerin. Man spürt die Wucht jedes Tritts und Schlags, wenn sie sich ihren Weg durch die Unterwelt Roms bahnt. Da macht es auch nichts, wenn man den Film zum Beispiel im italienischsprachigen Ausland schaut und den Dialogen nicht ganz folgen kann. Ein großer Sommerspaß, vielleicht sogar im Urlaubskino. 
 

Filmfigur des Monats: 
Esquilino

  • Beruf: Stadtviertel Roms
  • Geburt: Ende des 19. Jahrhunderts
  • Fläche: 3,09 km²
  • Einwohner*innen: ca. 33.000
  • Sehenswürdigkeiten: 
    Roma Termini: verkehrsreichster Bahnhof Italiens, teils im Stil des faschistischen Rationalismus
    Acquario Romano: 1887 als Aquarium eröffnet, heute Haus der Architektur 
    Villa Wolkonsky: in den 1830ern für eine russische Prinzessin erbaut, von 1922 bis 1943 deutsche Botschaft, heute Residenz des britischen Botschafters
    Piazza Vittorio Emanuele II: benannt nach König Vittorio Emanuele II (14. März 1820 im Palazzo Carignano, Turin – 9. Januar 1878 in Rom)
    Museo nazionale degli strumenti musicali: Nationalmuseum historischer Musikinstrumente
    Santa Maria Maggiore: Kirche mit Ursprung in der Antike 
    Teatro dell’Opera di Roma, liegt ganz knapp im benachbarten Viertel Castro Pretorio 

 

Lechflimmern im September 

MO 01.09. Stromberg – Der Film
DI 02.09. The Ballad of Wallis Island 
MI 03.09. Like a Complete Unknown 
DO 04. – FR 12.09. Das Kanu des Manitu 
FR 12.09. Bayerisches Outdoor Filmfestival 
SA 13.09. Bobs Fick den Scheiß 
 

Kinoevents im September

MO 01.09. Stromberg – Der Film
DI 02.09. The Ballad of Wallis Island 
MI 03.09. Like a Complete Unknown 
DO 04. – FR 12.09. Das Kanu des Manitu 
FR 12.09. Bayerisches Outdoor Filmfestival 
SA 13.09. Bobs Fick den Scheiß 
 

Kinostarts im September

DO 04.09. CINEMAXX, CINESTAR, KINODREIECK, LILIOM – 22 Bahnen | CINEMAXX, CINESTAR, KINODREIECK – Tafiti – Ab durch die Wüste | CINEMAXX, CINESTAR – Conjuring 4: Das letzte Kapitel | LILIOM – Kreator 
MO 08.09. KINODREIECK – Drei Kilometer bis zum Ende der Welt
DO 11.09. CINEMAXX, CINESTAR – The Long Walk – Der Todesmarsch | Dangerous Animals | CINEMAXX – Beule – Zerlegt die Welt | KINODREIECK – Downton Abbey: Das große Finale | LILIOM – Ganzer halber Bruder
DO 18.09. CINEMAXX, CINESTAR – Downton Abbey: Das große Finale | CINESTAR – Der Tiger | LILIOM – Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes
DO 25.09. CINEMAXX, CINESTAR, LILIOM – Die Schule der magischen Tiere 4 | CINESTAR, LILIOM – One Battle After Another | CINEMAXX – Lola 
 

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