Film

Cinema kills fashion

Thomas Ferstl
18. November 2021

Nach den Erfolgsserien »House of Cards« und »Haus des Geldes« sorgen neue Haussagas nun wieder für Furore. Projektor, die a3kultur-Filmkolumne von Thomas Ferstl im November.

Auf die Wirtschaftlichkeit beider Branchen bezogen stimmt diese Überschrift so natürlich nicht. Kleidungsmarken pumpen jedes Jahr Milliarden in Filme und Serien, um ihre Produkte zu bewerben und dadurch noch größere Milliardengewinne einzufahren. Warum diese Schlagzeile im wahrsten Sinne des Wortes dennoch treffend ist, erfahren Sie hier:  

Nach den Erfolgsserien »House of Cards« und »Haus des Geldes« sorgen neue Haussagas nun wieder für Furore in der Medienlandschaft und haben mehr Glitzer und Glamour zu bieten als ihre beiden Vorgängerinnen zusammen.

Ridley Scoot erzählt in seinem Kinofilm »House of Gucci« (25. November; Kinodreieck, Liliom) die Marken- und Familiengeschichte von Gucci. Dabei legt er den Fokus auf die Ereignisse um Patrizia Reggiani (Lady Gaga), die den Mord an ihrem Mann Maurizio Gucci (Adam Driver) am 27. März 1995 in Mailand beauftragte. Es entspinnt sich ein packender Thriller über Macht, Gier, Rache, Affären und finanzielle Abhängigkeiten des patriarchalen Modeclans, der seit dem Tod des Firmengründers Guccio Gucci 1953 immer wieder in interne und externe Zwis­tigkeiten verwickelt war. Die Guccis werden neben dem großartigen Duo Driver und Gaga von nicht weniger talentierten Hollywoodgrößen verkörpert. Jeremy Irons spielt Maurizios Vater Rodolfo Gucci, Al Pacino Onkel Aldo Gucci und Jared Leto erscheint in aufwendiger Maske als Cousin Paolo Gucci. Eingekleidet wurden sie von Kostümbildnerin und Oscarpreisträgerin Janty Yates. Sie kombiniert geschickt Outfits aus modernen Kollektionen mit Vintageteilen aus dem Gucci-Archiv, was dem Film zwar den nötigen Neunziger-Charme verleiht, ohne dabei aber altbacken oder aus der Zeit gefallen zu wirken. Wer sich gerne weiter in die teils komplexe, aber keineswegs uninteressante Familiengeschichte einlesen möchte, dem sei »In Guccis Namen: Eine Familiengeschichte von Liebe und Verrat« von Guccio Guccis Urenkelin Patrizia Gucci empfohlen.

 

Netflix, Heimat von »House of Cards« und »Haus des Geldes«, dem Ridley Scott eine Absage für »House of Gucci« erteilte, hat dafür seinen eigenen Thriller über die Ermordung einer Modegröße der Neunzigerjahre im Programm. »The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story« (2019) beleuchtet die Hintergrundgeschichte der titelgebenden Ermordung von Modeschöpfer Gianni Versace (Édgar Ramírez) durch Andrew Cunanan (Darren Criss). Am 15. Juli 1997 wird Versace von Cunanan vor seiner Villa in Miami erschossen. Es folgte eine acht Tage dauernde Menschenjagd auf den Serienmörder. Bei der Aufarbeitung des Falls kommt eine ganze Reihe von Ermittlungspannen zum Vorschein, die verhinderten, dass Cunanan bereits lange vor dem Mord für eine seiner früheren Taten verhaftet wurde.

Die zehnteilige Miniserie steigt direkt mit der Ermordung ein, danach wechselt sie sprunghaft durch die Zeiten und Erzählebenen. Während die trauernde Schwester, Donatella Versace (Penelope Cruz), das Unternehmen an sich reißen will, begleiten wir das FBI dabei, wie es die eigenen Ermittlungspannen ausbügeln will. Wir sehen, wie Andrew Cunanan und Gianni Versace sich kennenlernen, und beobachten Cunanan bei seinen früheren Morden. An liebevoll detaillierter Ausstattung, tollen Darsteller*­innen und packender Spannung steht Ryan Murphys Netflix-Miniserie Ridley Scotts Kinoproduktion in nichts nach. Sie ist aber wesentlich brutaler, wenn man Cunanan bei seinen früheren, teils sadistischen Morden über die Schulter schaut. Wer kein Blut sehen kann, ist mit »House of Gucci« daher besser beraten. Für alle anderen gilt: Gerne beides schauen, bei Bedarf natürlich auch in Jogginghose. Gucci und Versace sind schließlich nicht Karl Lagerfeld.

 

Filmfigur des Monats:
Édgar Ramírez

* Geboren am: 25. März 1977 in San Cristóbal, Venezuela
* Beruf: Schauspieler
* Ursprünglicher Berufswunsch: Diplomat
* Ausbildung: 1999 Abschluss in Kommunikationswissenschaften an der Universidad Católica Andrés Bello, Caracas
* Erste Erfahrungen: als Hobbyschauspieler: Nebenrolle in der Seifenoper »Cosita rica«, 2003–2004
* Internationaler Durchbruch: als Choco in Tony Scotts »Domino«, 2005
* Sprachen: Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch fließend
* Hobby: Uhren sammeln
* Lieblingsgericht: Pisca Andina, venezolanische Hühnersuppe

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