DigiLABS geht online

1. März 2020 - 11:21 | Michael Friedrichs

Es ist kein Labor, oder doch? DigiLABS ist eine Abkürzung, die es in sich hat. Digi – klar, digital. L steht hier für Literatur, A für Atlas, und BS steht (nein, nicht für eine gebräuchliche englische Abkürzung, sondern:) für Bayerisch-Schwaben.

Am 27. Februar wurde das neue Portal in den Räumen des Bezirks Schwaben vorgestellt, der das Projekt mit 20.000 € unterstützt hat, wie Bezirkstagspräsident Martin Sailer erläuterte. Es handelt sich sozusagen um ein Literaturportal innerhalb des Literaturportals Bayern. Die Idee ist, Orte und Personen, auch Institutionen, die im Bezirk Schwaben mit Literatur zu tun haben, sichtbar und somit recherchierbar zu machen, auch unabhängig von den großen Bibliotheken, also im Internet und damit (fast) überall zugriffig.

Die Struktur und Software für DigiLABS stellt die Bayerische Staatsbibliothek München zur Verfügung, die ja schon seit Jahren viele ihrer alten Schätze als Digitalisate zur Verfügung stellt. Dr. Stephan Kellner, der das Referat Bavarica der StaBi leitet, stellte die Plattform anschaulich vor. Zugänglich ist sie auf der Seite »Literaturland Bayern« durch Klick auf »Literaturland«.

Bayern, wer wüsste es nicht, ist ein Flächenstaat und wegen dieser Ausdehnung in Bezirke gegliedert. Diese Bezirke wiederum sind gegliedert in Landkreise und kreisfreie Städte. Der Bezirk Schwaben hat 10 Landkreise und 4 kreisfreie Städte. Also wo beginnen? Die Frage dürfte sich der Initiator des Projekts, der vielseitig tätige Prof. Klaus Wolf (»Lehrprofessur für Deutsche Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit mit dem Schwerpunkt Bayern«), gestellt haben – aber vermutlich hat er ebenso rasch die Antwort gefunden. Denn da gibt es die wissenschaftliche Mitarbeiterin Rosmarie Mair, die vor Jahren gemeinsam mit Prof. Hans Wellmann den »Schwabenspiegel« betreute und im Ostallgäu wohnt, wo sie bestens vernetzt ist. Also wurde das Ostallgäu zum ersten Landkreis, dessen literarischer Fußabdruck nun detailliert im DigiLABS dokumentiert ist.

Rosmarie Mair schilderte anschaulich ihre anfänglichen Schwierigkeiten, bei einigen der einschlägigen Bürgermeister Gehör zu finden. Aber ihre freundliche Beharrlichkeit führte offenbar zum Ziel, und die Autorinnen und Autoren, die sie aufstöbern konnte, waren deutlich dankbarere Gesprächspartner. Die Ernte ist eindrucksvoll, 150 Einträge konnte Rosmarie Mair neu verfassen. So gibt es etwa, wie die Screenshots zeigen, 24 Treffer allein in Füssen, einer davon ist »Hiltbolt von Schwangau«, ein schwäbischer Minnesänger. Und gleich daneben, am Bannwaldsee, fand im September 1947 im Haus der Ethnologin und Schriftstellerin Ilse Schneider-Lengyel das erste Treffen der legendären »Gruppe 47« statt.

Ein schönes Projekt mit Pioniercharakter, das mit Sicherheit Interesse findet und Folgen haben wird. Als nächster Landkreis ist nun das Oberallgäu vorgesehen. Unsere »Region A3« wird noch etwas warten müssen.

Nur ein Gedanke trübte im Anschluss an die Präsentation die Stimmung: Es versteht sich immer noch von selbst bei derartigen Projekten, dass Literaturwissenschaftler nicht auf die Stunden schauen, die sie dafür aufwenden. Den Lohn finden sie gefälligst im Ertrag ihrer Forschungen, ihr Bankkonto bleibt außen vor.

Abbildung: Für jeden aufgeführten Namen gibt es eine eigene Seite mit den verfügbaren Hintergrundinformationen. Hiltbolt von Schwangau (1195–1254) »gilt als der wichtigste Vertreter des schwäbischen Minnesangs«.

www.literaturportal-bayern.de

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