Diskret-charmante Trampelpfade
Ein Gastbeitrag von Gerald Bauer über KI, den tradierten Riss in der städtischen Kunstszene, was Gras damit zu tun hat und warum plötzlich Geld auf dem Tisch liegt.
Sie kennen das: Im öffentlichen Raum wird eine Freifläche geplant. Es gibt Grün und stylish angelegte Wege. Aber nach Fertigstellung entstehen, wie von Geisterhand gezogen, neue ungeplante Pfade, mitten durch das zart keimende Gras. Ein stiller Gruß der Benutzer an die Planer: Da fehlt doch was.
Ähnliches geschah unlängst bei der 75. Großen Schwäbischen Kunstausstellung, als ein Teil der medialen Aufmerksamkeit den sauber gepflasterten Weg verließ und direkt durch das Gras marschierte, zu meinem kleinen Exponat in einer unscheinbaren Ecke. Warum? Mein Frauenporträt, einem Foto nicht unähnlich, war KI-generiert. Und es wurde klar: Hier war gerade ein neuer Pfad entstanden. Das Thema KI hatte Dynamik entfaltet und sich einen eigenen Weg gesucht.
Ich thematisiere seit vielen Jahren die stete Versprödung und Marginalisierung des etablierten Augsburger Kunstbetriebs und den tiefen Graben zur anderen, informellen Seite der kreativen Stadtgesellschaft. Zur Welt der virtuellen Plattformen und der kreativen Zwischennutzungen, der chaotischen Kleingrüppchen und der digitalen Kompetenz. Zum Umfeld der Hochschuldesigner, die schon vor über zehn Jahren für mich eine Ausstellung ausrichteten, nach kontroversen Diskussionen, ob mir etabliertem Sack überhaupt noch Platz einzuräumen sei. Es wurde dann doch eine coole Party. Aber in der geschilderten Entfremdung verlieren beide Seiten, und das schon lange.
Ich erkläre deshalb, im Jahr 2024 aus eigenen Mitteln ein Preisgeld zu stiften für einen regionalen Wettbewerb zur KI in der Kunst. Ein Thema, das nicht nur aktuell ist, sondern in sich selbst grüppchen-, fraktions- und generationenübergreifend, wie ich meine.
Ich bin kein Phantast, der hier aus der Hüfte schießt. Mein Umfeld kennt mich als chronischen Skeptiker und einfallsreichen Bedenkenträger. Aber die Idee einer Ausstellung oder eines Wettbewerbs, der die losen Wundränder der städtischen Kunstszene wieder etwas verklammert, diese Vorstellung liegt schon lange in meiner Gedankenschublade. Jeder Teilerfolg zählt.
a3kultur wird in das Vorhaben einsteigen, und ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit. Meine Heimmannschaft, der BBK, hat signalisiert, dem Projekt den Rahmen zu geben. Ich hoffe auf Vernetzung mit weiteren Akteuren. Die Hochschule fiele mir ein. Die städtischen Kunstsammlungen. Falls das Ganze nicht gelingt, weiß ich auch Bescheid. Und habe Geld gespart. Aber der chronische Skeptiker glaubt an das Projekt, und Sie können das auch. Vielen Dank!
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