Politik & Gesellschaft

Drei Alte, zwei Neue

a3kultur-Redaktion

Das Prozedere zur Wahl der Kulturbeiratsmitglieder sollte endlich reformiert werden. Bei dieser Gelegenheit könnte auch die Zusammensetzung des Gremiums diskutiert werden. Ein Kommentar

Die Wahl des neuen Augsburger Kulturbeirats ist abgeschlossen. Die neue Belegschaft wurde vom Kulturausschuss bestätigt. Mitte Juni wird das Gremium seine Arbeit aufnehmen.

In einem technisch weitgehend einwandfreien und vom Kulturamt gut moderierten digitalen Wahlverfahren, zu dem sich im Vorfeld über hundert Bürger*innen akkreditiert hatten, konnten sich aus dem Feld von 26 Bewerber*innen folgende Kandidat­*innen durchsetzen:

Mit Susi Weber (Grandhotel Cosmopolis), Alexander Ratschinskij (Pinealis Productions) und Korbinian Grabmeier (Choreoloop, theter ensemble) schafften alle nominierten Kulturbeirät*innen die Wiederwahl. Neu dabei sind Lisa Seifert (Musikerin, John Garner) und Burak Küçük (DJ und Veranstalter).

Die hohe Zahl an Bewerber*innen zeigt an, dass der Beirat bei seiner Klientel – zumindest in Teilen – angekommen ist. Sie offenbarte jedoch auch bedenkliche Schwächen im Wahlprozedere, die in Summe als Beeinflussung der Ergebnisse gewertet werden können.

Am Wahlabend hatten die Nominierten maximal 60 Sekunden Zeit, um sich selbst und ihr Programm den Wählenden zu präsentieren. Informationen über die Kandidat*innen waren nach der Digitalkonferenz nicht zugänglich. Eine Präsentation möglicher Kandidat*innen vor dem Wahlabend war nicht möglich. Eine vertiefende Vorabinformation über die Personen, deren Vita, gegenwärtige Projekte und zukünftige Ziele war wohl nicht gewünscht. Eigentlich eine Farce und alles andere als wirklich demokratisch.

Es ist davon auszugehen, dass dieses Prozedere Einfluss auf das Ergebnis hatte. So schaffte zum Beispiel keine*r der fünf Kandidat*innen aus dem Bereich Musik (Schwerpunkt Klassik) den Sprung in den Kulturbeirat. Sie machten sich die Stimmen gegenseitig streitig und hatten es versäumt, sich im Vorfeld auszutauschen. Cleverer agierten die privaten und freien Theater: Sie einigten sich vor der Wahl auf einen Kandidaten, der dann auch problemlos das Rennen machte.

Komplettiert wird der neue Kulturbeirat durch die institutionellen Mitglieder Jutta Holzapfel (Stadtjugendring), Karl B. Murr (tim), André Bücker (Staatstheater Augsburg), Josef Strzegowski (Runder Tisch der Religionen) sowie Martin Kaufhold (Universität Augsburg) und Carolin Jörg (Hochschule Augsburg).

Auch hier tun sich Fragen auf. Warum gerade diese von der Stadt festgelegten Institutionen die Kultur vertreten, bleibt ein Geheimnis. Die Verantwortlichen aus dem Kulturamt forderten am Wahlabend nachdrücklich dazu auf, bei der Stimmabgabe auf Diversität und Gendergerechtigkeit zu achten. Ein nachvollziehbarer Punkt, dem jedoch bei der Auswahl seitens der Institutionen kaum Beachtung geschenkt wurde. Auch an dieser Stelle wäre eine klare Positionierung wünschenswert.

Dass der Kulturbeirat nun in seine vierte Amtsperiode geht, ist dem Engagement unserer Kultur­macher*innen zu verdanken. Sie waren Pulsgeber­*innen für den Aufbau dieses Gremiums und verteidigten es vor einigen Jahren erfolgreich gegenüber Abwicklungsbestrebungen vonseiten der offiziellen Kulturpolitik der Stadt.

Heute ist der Beirat eine ernst zu nehmende Stimme und ein wichtiger Partner für die Kultur- und Kunstschaffenden. Die Zeit der nahezu totalen Ignoranz durch Stadtrat und OB scheint vorbei. Das ist in erster Linie das Ergebnis des Einsatzes seiner ehrenamtlichen Mitglieder.

Gremien dieser Art können für eine funktionierende Gesellschaft von großem Wert sein. Es ist an der Zeit, die verschiedenen Beiräte der Stadt im Hinblick auf Zusammensetzung, Wahl bzw. Nominierung der Mitglieder, Vergütung derselben, Arbeitsetats und weitere Aspekte hin zu untersuchen und gemeinsam noch besser aufzustellen.

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