Ausstellungen & Kunstprojekte

»Es ist immer irgendetwas Existenzielles«

a3kultur-Redaktion

Schwarz und andere unbunte Farben dominieren das künstlerische Werk von Nina Zeilhofer. Was sagt das über sie aus? Über die Kunst, auch bei schweren Themen nicht in Schwermut zu versinken. Ein Porträt

Das Fazit gleich zu Anfang: Nina Zeilhofer ist ein Mensch, der das Leben liebt. In Niederbayern geboren und aufgewachsen, ging sie für ihr Architekturstudium nach München und hatte dort bewegte Zeiten. Seit 2008 lebt und arbeitet sie in Augsburg als Architektin, Farbgestalterin und freie Künstlerin. Sie ist Mutter dreier bereits erwachsener Kinder und lebt mit ihrem Ehemann im Augsburger Stadtteil Pfersee. Ihr Atelier hat Nina Zeilhofer im Prinzpark in Lechhausen. Dort entstehen die Ideen und lagern die Materialien, die sie für ihre Kunst benötigt. Die fertigen Werke sind dann andernorts zu sehen: in Kirchen (»Im.Dazwischen«, 2022), in Synagogen (»Die unsichtbare Frau/Raschis Töchter«, 2020) und zunehmend auch in Kunsthallen.

Als Schöpferin von Installationen und Environments »rekontextualisiert« sie handelsübliche Objekte, »um neue Bedeutung zu erzeugen«. Was das bedeutet, erzählt und zeigt sie gerne und nicht ohne Stolz – hat sie doch jüngst für ihre Installation »Survival Space« den Kunstpreis der Stadt Augsburg erhalten, eine aus Alltagsgegenständen zusammengesetzte Zuflucht mit der Beengtheit einer Schlafkoje, die neben Taschen, Kleidung und Wassergefäßen zum Beispiel auch ein Stück Tarnnetz enthält. Krieg, Vertreibung, Expedition oder Corona-Lockdown – Zeilhofers Werk ist vielseitig les- und nicht auf eine wohlfeile Aussage reduzierbar: In der fahrbaren Prepper-Zelle gibt es doch tatsächlich auch einen Sitzplatz für Gäste. Also doch ein »Sehnsuchtsort«, wie sie es selbst es belabelt?

Wunderkammern in Schwarz und Weiß

Farbe ist für Zeilhofer, die neben zahlreichen anderen Gremien und Institutionen (u.a. BBK, Baukunstbeirat Augsburg, Bayerische Architektenkammer) auch Mitglied im Bund Europäischer Farbberater ist, beim eigenen Schaffen nicht im Fokus, wenngleich vorhanden. Sie arbeitet mit reduzierter Farbpalette, hat ein Faible für erdige Farbtöne und verwendet immer wieder gerne Schwarz (davon viel) und Weiß. Schreiend bunt ist nicht ihr Ding. Sogar ihre Sammlung von täglich erstellten Scrapbookblättern aus dem Corona-Jahr 2021 (»Sketch of the Day« im H2), die teilweise im Einzelnen recht farbig gerieten, wird aufgereiht als wandfüllende Installation aus gewisser Distanz doch wieder zur fahlen Fläche.

Sie, die Architektin, will auch als Künstlerin mit dem Raum arbeiten, mit Raum-in-Raum-Konzepten und auch buchstäblich mit Zwischen-Räumen, die jedes Arrangement zwischen den einzelnen Gegenständen entstehen lässt. Man sieht es in ihren kleinteiligen, aber akkurat angeordneten Arbeiten, wie z.B. ihrer Wunderkammer für die Ausstellung »Connected« (2021), eine Auseinandersetzung mit ökologischen Themen, oder »Schwarzes Gold«, das die harte Arbeit im Augsburger Gaswerk thematisiert. Sie will, so die Künstlerin selbst, mehr an die Wände und in die Räume verteilen »als Deko und Ästhetik«. Sie nennt auch offen einige ihrer Idole aus der Kunstwelt, die da wären: Rosemarie Trockel, Eva Hesse und Louise Bourgeois.

Die Leichtigkeit nicht verlieren

Unbunte Farben, ernste Themen; sieht sich Nina Zeilhofer als von Weltschmerz getriebene Kreative wie es z. B. die Künstler der Romantik und deren geistige Erben waren und bis heute sind? Mitnichten. Die Künstlerin ist selbst ist lebhaft, humorvoll und vielseitig interessiert. »Es ist immer irgendetwas Existenzielles«, sagt sie, und: »Unsere Herzen sind sowieso zu klein, um alles aufzunehmen.« Also hinaus damit, an die Wände, in die Ecken, auf die Sockel. Die Ausstellungsliste von Nina Zeilhofer ist lang und wird sicher weiter wachsen.

www.nina-zeilhofer.de