Ausstellungen & Kunstprojekte

Die Facetten der Tugend

Mit »Stiften gehen! Wie man aus Not eine Tugend macht« zeigt das Maximilianmuseum, wie sich das Leben der Menschen im Augsburg des 16. Jahrhunderts gestaltete.

Als vor 500 Jahren Jakob Fugger »der Reiche« die heute noch bestehende Wohnsiedlung für arme Augsburger Bürger*innen stiftete, war dies – wie bei heutigen Stiftungen – mit steuerlichen Begünstigungen verbunden. Doch das alles durchdringende Element war der christliche Glaube, die Religionszugehörigkeit bestimmte auch die gesellschaftliche Zugehörigkeit. Mit einem gottgefälligen Verhalten versuchten die Menschen, Krisen aller Art zu bewältigen: Machte man im Leben alles richtig, würde sich dies im Himmel auszahlen. Unter diesem Blickwinkel sind auch Stiftungen wie die Fuggerei zu beurteilen, als gottgefällige Handlung. Auch die Bewohner*innen hatten sich als würdig zu erweisen, indem sie dreimal täglich für den Stifter beteten.

Die Ausstellung »Stiften gehen!« nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, bildhaft aufzuzeigen, wie die Augsburger Gesellschaft um das Jahr 1521 strukturiert war, wie das Leben der Menschen aussah, woran sie sich orientierten. Die Bandbreite des Gezeigten reicht dabei von Dokumenten, Plänen und Ansichten über Alltagsobjekte wie Hungersemmeln oder geeichte Maßbehälter bis hin zu herausragenden Werken der bildenden Kunst, darunter das von Hans Burgkmair d. Ä. gemalte Doppelporträt des Brautpaares Jakob Fugger und Sybilla Artzt.

Die konzentriert inszenierte Schau punktet mit ihren aufschlussreichen und qualitätvollen Exponaten und bietet darüber hinaus eine Fülle von ergänzenden Formaten wie das ausführliche Begleitheft, Hörobjekte und eine App mit verschiedenen Rundgängen. Eigens geschaffen wurde zudem eine Graphic Novel.

Ein Highlight ist der zur Ausstellung erschienene reich illustrierte Katalog, der nicht nur Augenfutter bietet, sondern mit interdisziplinären Aufsätzen den aktuellen Forschungsstand aufzeigt. Als Bonbon listet das gewichtige Werk zahlreiche QR-Codes, über die Musikstücke des 16. Jahrhunderts angehört werden können.

Auch wenn das Jubiläum der Fuggerei-Gründung den Anlass gab, ist die Ausstellung im Maximilianmuseum keinesfalls als Fugger-Marketing zu sehen, sondern erweist sich als überbordendes Erlebnis, das nicht nur für die Augsburger*innen das Augsburger Leben um das Jahr 1521 mit zahlreichen Facetten erhellt. (bek)

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de | Stiften gehen! Wie man aus Not eine Tugend macht | Maximilianmuseum | bis 28. November | Zur Ausstellung erschien ein Katalog (35 Euro)

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