Fantastische Fragmentwesen
Im Kunstforum Oberschönenfeld hat Jakob Zimmermann, Kunstpreisträger des Bezirks von 2025, ein erstaunliches Gesamtkunstwerk eingerichtet.
Im Erdgeschoss des Kunstforums trifft die Besucher*in auf einen merkwürdig ungelenk wirkenden Schrank: raumgreifend, aus Pappmaché, schwarz, offene Schubladen, leer. Jakob Zimmermann (*1993) bezieht sich hier auf den sogenannten »Augsburger Schrank«. Solche Prunkmöbel, gedacht, um Preziosen und Merkwürdigkeiten in zahlreichen Schubladen unterzubringen, waren im 17. Jahrhundert höchst begehrt. Hier jedoch finden sich die Objekte in den Gemälden, die den schwarzen Schrank umgeben, wie die Darstellung der fünfäugigen Urgarnele.
Das nächste Kapitel des Gesamtkunstwerks öffnet sich im Obergeschoss. Dort hat der Künstler eine Rauminstallation geschaffen, die in Anlehnung an den barocken Irrgarten durchschritten werden will. Die von Paravents und mit Heckengrün bedruckten Folienbahnen eingefassten Wege führen vorbei an einzelnen Gemälden zu verschiedenen Skulpturen: bunt, fantasievoll, surreal wie das schneckenartige »Amüse Göll«. Vor allem aber aus verschiedenen ursprünglich nicht zusammengehörenden Fragmenten bestehend, ganz wie beim sagenhaften Wolpertinger, dem aus Teilen unterschiedlicher Tiere zusammengesetzten Fabelwesen. Trotz des Ausstellungstitels »Wolpertinger – Die Installation« findet sich kein solches Wesen, Zimmermann geht es vor allem um das Prinzip der Komposition und der Montage, sodass aus Fragmenten etwas grundlegend Neues entsteht.
Das Feuerwerk der Bonbonfarben, die beinahe naiv anmutende Malweise, die kindhaft ungelenken Skulpturen führen zunächst einmal in die Irre. Doch dann: Zimmermanns Projekt erweist sich bei aller Unterhaltsamkeit als wohl durchdacht, als hintersinnig-intellektuelle Auseinandersetzung mit barocken Phänomenen, mit Spiel und Staunen. Als Zimmermann, der an der Kunsthochschule in Braunschweig bei Norbert Bisky und Wolfgang Ellenrieder studiert hat, sich für den Kunstpreis des Bezirks Schwaben beworben hat, existierten lediglich Ideenskizzen und Zeichnungen des Wolpertinger-Projektes. Doch die Jury war überzeugt und zeichnete den Künstler, der heute in Berlin lebt, mit dem Kunstpreis 2025 aus. Wunderbar und absolut sehenswert!
Zur Ausstellung, die bis zum 29. November läuft, ist ein kleiner Begleitband erschienen. Natürlich gibt es verschiedene Führungen und zum Abschluss ein Künstlergespräch.
Weitere Informationen unter: www.kunstforum.bezirk-schwaben.de
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