Der Farbe so nah
Die Bilder eines Harry Meyer gehen ihre Betrachter*innen förmlich an. Zur aktuellen Werkschau des Malers im Holbeinhaus
Es ist der Albtraum jede*r Galerist*in und jeder Spedition: Auf ca. 5 bis 10 Jahre schätzt Harry Meyer die Zeitspanne, bis eines seiner Ölbilder komplett durchgetrocknet ist. Was der 1960 in Neumarkt in der Oberpfalz geborene Meyer in seinem Diedorfer Atelier produziert, ist ein Grenzgang zwischen klassischer Malerei und moderner Plastik. Bei seinen Ölgemälden verlässt die Farbe die ihr zugewiesene Ebene der Leinwand oder des Holzes und stößt mit Wucht in den Raum vor, kommt der staunenden Betrachter*in so nahe, wie es beim klassischen Tafelbild, sei es noch so pastos gemalt, selten der Fall ist.
Zu diesem Alleinstellungsmerkmal der Kunst Harry Meyers gesellt sich der Umstand, dass die ölige Masse keineswegs willkürlich »draufgebatzelt« ist, sondern in der schmierigen Orgie aus leuchtenden, zum Teil in ihrem Grundton belassenen Farben finden sich gegenständliche Motive wie Landschaften oder Figuren – nicht immer sofort erkennbar, fast versteckt in den Wülsten und Verwerfungen, die sich da auftürmen – oder ornamental angeordnete Strukturen. Besonders letztere, an die Op-Art des 20. Jh. erinnernden Werke, künden vom langwierigen Entstehungsprozess, bei dem der Zufall ausgeschlossen ist und ein künstlerischer Plan und Ausdruckswille, gepaart mit technischem Können, deutlich zutage tritt.
»Harry Meyer: Neue Werkserien« ist die jährliche Ausstellung der Stadt Augsburg (Kulturreferat) in den Räumen des üblicherweise vom Kunstverein Augsburg genutzten Holbeinhauses und bis 24. November dort zu sehen. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.
www.harrymeyermalerei.de
kunstsammlungen-museen.augsburg.de/meyer-harry
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