Club & Livemusik
Festival

»Freude an sehr guter Musik und netten Menschen«

Internationales Gitarrenfestival Wertingen © Harry Kraus
Gastautor

Auch das 15. Internationale Gitarrenfestival in Wertingen war wieder grandios.

Engagement, Zusammenhalt, viel Leidenschaft, ein exquisites Programm und ein motiviertes wie interessiertes Publikum machen das Internationale Gitarrenfestival in Wertingen jedes Mal zu einem musikalischen Highlight für alle, die die Stars der Gitarren-Szene von Klassik bis Tango, von Blues bis Samba hautnah erleben wollen.
Die stimmige Atmosphäre, die für alle erschwinglichen Eintrittspreise, die parallel stattfindenden Workshops und die Nähe zum Publikum sind nur die sichtbaren Stützpfeiler dieses durch und durch grandiosen Festivals.

Rising Stars, Spürsinn und Mut

Johannes Tonio Kreusch ist nicht nur selbst ein Ausnahmegitarrist und Komponist, sondern ist auch für die künstlerische Leitung und Konzeption des Festivals verantwortlich. Sein Spürsinn für Top-Acts ist phänomenal, sein Mut, noch unbekannte Künstler*innen nach Wertingen zu holen, bewundernswert. Er und sein Team aus unzähligen ehrenamtlichen Helfer*innen leisten für jedes Festival ein Höchstmaß an Kulturarbeit. Und das in Zeiten, in denen Kultur und Kunst mehr und mehr an den Rand gedrängt werden. Mit jedem gekauften Konzertticket kann also jede und jeder diese Arbeit unterstützen und würdigen.

Tangos & Canciones

Zum 15. Jubiläum betraten der Gitarrist Johannes Tonio Kreusch selbst und die Violinistin Doris Orsan für das erste Samstagskonzert die Bühne. Ihre Interpretationen der Werke von Astor Piazzolla oder Enrique Granados überzeugten vom ersten Ton an. Orsans Transformation des Bandoneonklangs Piazzollas auf ihre Violine ist eine echte Bereicherung. Sogar die oft kryptischen Spielvorgaben des Tango-Meisters hat sie gekonnt und packend in ihr Spiel übernommen. Das großartige und perfekte Zusammenspiel der beiden, das harmonische Miteinander und die wohl gesetzten Akzente sind das Ergebnis jahrzehntelanger Zusammenarbeit. Nicht umsonst sind sie mit diesem Kammermusik-Duo weltweit nachgefragt.
Der musikalische Höhepunkt war die Wiederaufführung eines vor zehn Jahren extra für das Festival von Máximo Diego Pujol (*1947) komponierten und den beiden gewidmeten musikalischen Triptychons: Estación Retiro, El Rosedal, Plaza de Mayo.

Von Rising Stars zu Superstars

Das zweite Konzert des Abends gehörte dem Gitarren-Duo Adam Woch und Robert Guzik. Zusammen waren sie vor acht Jahren zum ersten Mal überhaupt in Deutschland unter den »Rising Stars« in Wertingen auf der Bühne. Inzwischen reisen sie rund um den Erdball und begeistern mit lateinamerikanischen Rhythmen in Perfektion. Die beiden äußerst sympathischen Musiker freuten sich daher ganz besonders, wieder in Wertingen auf der Bühne zu sitzen. Ihrem damaligen »Entdecker« Kreusch dankten sie diesen Umstand mit liebevollen Ansagen wie: »Johannes, you are great and always really special!«. Spieltechnisch sind die beiden wohl kaum noch zu überbieten. Was sie darüber hinaus noch so besonders macht, ist ihre enorme Spielfreude, ihre Eleganz im Detail und ihre persönliche und herzliche Ausstrahlung. Einfach nur wunderbar!

Das Internationale Gitarrenfestival in Wertingen ist und bleibt ein kaum in all seiner Strahlkraft zu beschreibendes musikalisches wie gesamtkulturelles Großereignis, das sich hinter keinem, wirklich keinem anderen Festival dieser Art zu verstecken braucht. Also die Augen und Ohren ganz weit auf, um 2027 dabei zu sein!

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