Fünf Sterne für kulturelle Infrastruktur
Abseits der Innenstadt wirkt Augsburg wie ein Kulturorte-Niemandsland. Ein Kommentar von Jürgen Kannler
Kulturorte konzentrieren sich in Augsburg vor allem in und um die Innenstadt. Diese Feststellung wird durch die Positionsmerkmale gestützt, die in der a3kultur-Redaktion anhand von über 100 Adressen aus den Bereichen Bühne, Club, Ausstellung, Festival, Literatur und Werkstatt- bzw. Atelierraum in eine vereinfachte Stadtansicht eingetragen wurden. Diese einfache Positionsbestimmung verdeutlicht, dass die Stadt im Wesentlichen aus Kulturorte-Niemandsland besteht. Lediglich die Stadtteile Kriegshaber und Oberhausen und vor allem das Quartier im Textilviertel brechen dieses Muster. Das mag in vielen vergleichbaren Städten ähnlich oder sogar schlimmer sein. Doch widerspricht es dem Wunsch vieler Menschen und dem ständigen Lippenbekenntnis der Politik nach Kultur für Alle – nach mehr Lebensqualität in den Stadtteilen und Quartieren. Absurderweise führt die überproportionale Bündelung von Kulturorten in Zentrumsnähe in Augsburg nicht zu einem sprühenden Kulturleben. Im Gegenteil: Die Menschen dieser Stadt, ihre Gäste und auch der Teil der Gastronomie, der sich nicht zur Glühwein- und Biermarkenmafia zählt, beklagen seit Jahrzehnten das Absterben der City, eine Verödung des Zentrums und den Ausverkauf letzter Möglichkeiten.
Die ungleiche Verteilung der Kulturorte über die Stadt sollte zu denken geben und Anlass zum Handeln sein. Dabei ist es wohl unerlässlich, sich einen Überblick über die Qualität dieser kulturellen Infrastruktur zu verschaffen:
• Wie ist der bauliche Zustand der Häuser zu bewerten?
• Sind die Kulturorte barrierefrei?
• Können Räume für Kulturveranstaltungen angemietet werden, und falls ja, zu welchen Bedingungen?
Eine solche Dokumentation fehlt bisher in Augsburg. Das soll sich ändern.
Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Ständigen Konferenz zur Kommunalwahl im März 2026 und in Kooperation mit der a3kultur-Redaktion trafen sich am Nikolaustag Vertreter*innen von privat getragenen und städtischen Kulturorten sowie Kandidat*innen aller großen demokratischen Parteien im Kultur- und Projektraum Transform 117, um unter anderem über den Zustand der kulturellen Infrastruktur in Augsburg zu diskutieren. Der Einladung in den kaum heizbaren und darum grotesk kalten Projektraum folgten: Bernhard Klassen (Club- und Kulturkommission), Fabian Linder (Ballonfabrik), Berrit Pöppelmeier (JTA), Kurt Idrizovic (Buchhandlung am Obstmarkt), Anne Schuester (Sensemble Theater), Thomas Patsch, Jürgen Kannler (a3kultur), Christian Thöner (Kunstverein Augsburg), Norbert Kiening (bbk), Gianna Formicone (Performic) und Peter Bommas (Kulturpark West) sowie Andreas Jäckel (CSU), Johanna Reski und Theresa Hofmann (Die Linke), Jürgen K. Enninger (Kulturreferent), Verena von Mutius-Bartholy und Meinolf Krüger (Die Grünen), Christine Wilholm (SPD), Johannes Aigner (FW) und Lisa McQueen (Die Partei).
Die Teilnehmenden wurden gebeten, jeweils einen Kulturort ihrer Wahl vorzustellen und diesen nach Möglichkeit auf dem Stadtplan zu positionieren. Anschließend sollten sie den Ort mithilfe eines Fünf-Sterne-Systems hinsichtlich der Qualität seiner kulturellen Infrastruktur bewerten. Die Teilnehmenden hatten die Wahl zwischen allen städtischen und privat geführten Kulturorten in Augsburg. Sie konnten aber auch Leerstände im Kulturbereich sichtbar machen oder Bedarf benennen, der bisher von keinem Kulturort der Stadt bedient wird – oder eben nur unzureichend bedient wird. Diese Ergebnisse fließen in die Kulturorte-Dokumentation ein, die in der a3kultur-Redaktion in den kommenden Wochen erstellt wird – und alle sind eingeladen, mitzumachen!
Derzeit weitgehend aktive Kulturorte:
Alte Schmiede, Annahof, Puppenkiste, Volkshochschule, Auktionshaus Rehm, Bahnpark, Ballonfabrik: Kulturzentrum, Bombig, Botanischer Garten, Brechthaus, Bürgerhaus Pfersee, Bürgertreff Hochzoll, Cafe Tür an Tür, CinemaxX, CineStar, City Club, D153: Ateliers & Werkstätten, die metzgerei
Diözesanmuseum, Dominikanerkirche, Ecke Galerie, Ehemalige Synagoge Kriegshaber, Familienbad am Plärrer, Feuerwehrerlebniswelt,fotodiskurs, Freibad Lechhausen, Freilichtbühne, Fugger- und Welser Erlebnismuseum, Fuggerei, Galerie Basilica, Galerie MZ, Galerie Süßkind,
Gaswerk: Kulturzentrum mit Ateliers & Werkstätten, Brechtbühne, Ofenhaus, Blackbox, Festivalgelände, …
Glaspalast: Kulturzentrum mit BBK Galerie, Kunsthalle, Galerie Noah, Kunstsammlung Walter, Dancecenter No. 1
Grafisches Kabinett, Grandhotel Cosmopolis, Grottenau, Haifischbar, Hallo Werner, Heilig Kreuz Kirche, Helmut Haller Platz, Hochschule, Jazzclub, Jüdisches Museum Augsburg Schwaben, Kantine, Karo [10], Kesselhaus, Kleiner Goldener Saal, Kongress am Park, Krätzwerk, Kresslesmühle
Kulturfabrik: Kulturzentrum mit Ateliers & Werkstätten, Sensemble Theater
Kulturhaus Abraxas: Kulturzentrum mit Junges Theater Augsburg, Balletsaal, Büros & Übungsräumen
Kulturpark West, Kunsthalle UG, Künstlerhaus Antonspfründe, Kunstverein Augsburg, Liliom Kino, maxgalerie, Maximilianmuseum, Mephisto,
Moritzkirche, Naturmuseum, Oh Boi, Parktheater im Kurhaus Göggingen, Pi Club, Plärrer, Provino Club, Rockfabrik Augsburg, Savage Discotheque, Schaezlerpalais, Soho Stage, Sparkassen-Planetarium, Spectrum, St. Afra & St. Ulrich, Staatsarchiv, Staatstheater martini park, Stadtarchiv, Stadtbücherei, Thalia Filmtheater, tim – Staatliches Textil- und Industriemuseum, UBZ, Universität, Villa Schöne Felder, Weißes Lamm
Zeughaus: Kulturzentrum mit Tagungsräumen, Römerlager, Brunnenhof, …
Zoo, 100 Hz
Geschlossene Kulturorte:
Architekturmuseum, Brechts Kraftklub, Goldener Saal im Rathaus, Hohes Meer, Kunsthalle am Wittelsbacher Park, Leopold Mozart Zentrum, Neue Galerie im Höhmannhaus, Römisches Museum, Offizierscasino im Sheridanpark, Zeughauskino, Savoy Kino, Staatsgalerie in der Katharinenkirche
Stadtmetzg, Stadttheater mit Hofmannkeller
Dokumentationsstand: 15. Dezember 2025
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