Politik & Gesellschaft

Ein Fundament für die Zukunft

Gabriela Palm und Wolfram Grzabka © a3kultur/kaj
a3kultur-Redaktion

Gabriela Palm und Wolfram Grzabka haben im letzten Jahr drei Stiftungen zur Förderung junger Künstler*innen ins Leben gerufen. Im Interview mit a3kultur begründen sie ihre Entscheidung mit den Worten: »Kreativität und Freiheit der Kunst müssen erhalten bleiben«. Ein Gespräch mit Jürgen Kannler und Malte Günther

a3kultur: Sie haben gemeinsam eine Stiftung auf den Weg gebracht, die auch ihren oder ihre Namen trägt. Eine Stiftung, deren Zweck es ist, Gegenwartskunst im Schwerpunkt zu fördern. Warum ist es eine Stiftung geworden?
Wolfram Grzabka: Die Stiftung bietet die Möglichkeit, zu einem bestimmten, klar definierten Zweck Gelder über einen längeren Zeitraum kontinuierlich und konsequent zur Verfügung zu stellen. Die beiden Stiftungen, die wir im Oktober 2025 gegründet haben, im Haus der Stifter der Stadtsparkasse Augsburg, wurden eingerichtet, um ganz konkret zwei Projekte finanziell zu unterstützen. Zum einen den BBK Augsburg mit einem Kunstpreis 4x3 für junge Künstlerinnen und Künstler aus Schwaben und finanzielle Unterstützung der Gesellschaft für Gegenwartskunst zum Aufbau einer jungen Sammlung in der GFG Artothek in Augsburg.

Warum haben Sie sich entschlossen, Ihre Stiftung beim Projekthaus der Stifter der Stadtsparkasse anzudocken?
Gabriela Palm: Das war einfach eine sehr günstige Gelegenheit. Es war extrem unkompliziert, dort die Stiftung zu gründen. Weil wir uns praktisch an eine große, vorhandene Stiftergemeinschaft andocken. Wir mussten also nicht den äußerst aufwendigen und umständlichen Weg gehen, mit Stiftungsbeirat und allen damit verbundenen juristischen Erfordernissen. Ich glaube, wir hatten vom Erstkontakt zur Stadtsparkasse bis zum Tag der Gründung 
lediglich einen Zeitraum von knapp vier Wochen.

Der Schwerpunkt Ihrer Stiftungserlöse ist für Gegenwartskunst, aber speziell auch noch mal für junge Menschen, die in dem Bereich arbeiten. Wie lange ist man denn in dem Bereich jung?
WG: Wir haben diese beiden Projekte beim BBK und bei der GFG auch in Absprache mit den Vertretern dort auf 35 Jahre festgelegt. Das ist so ein Erfahrungswert, dass Menschen, die auf dem Weg sind, als bildender Künstler sich selbstständig zu machen, das in der Regel nach einem Kunststudium tun und dann so aller Regel und aller Erfahrung nach um die 30 Jahre alt sind.

Sie haben zwei Projekte angesprochen. Ein drittes, eine Atelierförderung in Kooperation mit den Schöne Feldern steht ebenso an. Wie kam es da dazu?
WG: Das ist ein sehr lebendiges, spannendes Projekt und wirklich wert, unterstützt zu werden.

Sie beschäftigen sich schon lange mit Gegenwartskunst. Woher kommt diese Leidenschaft?
GP: Also meine Eltern haben sich auch für Kunst interessiert, auch Gegenwartskunst. Und die haben mich mitgenommen, mich wirklich inspiriert und angeregt. Das kommt schon von zu Hause her.

Bei Ihnen auch? 
WG: Das darf ich jetzt eigentlich gar nicht sagen, weil mich bildende Kunst lange Zeit überhaupt nicht interessiert hat. Für mich war die Ausdrucksform schlechthin die Rockmusik. Ich habe also auch selber Schlagzeug gespielt. Ich habe Konzerte veranstaltet. Ich war Rockbeauftragter der Stadt Augsburg. Das war mein absoluter kultureller Schwerpunkt neben Literatur. Bildende Kunst hat für mich in dieser Zeit überhaupt keine Rolle gespielt. Das kam danach. Die Begeisterung und das Interesse kamen dann auch sehr vehement.

Eine Stiftung für Gegenwartskunst hat ja nicht nur einen ehrbaren Zweck, sondern es geht ja auch um Mittel. Womit haben Sie dann die finanzielle Grundlage für diese Stiftungen geschaffen?
WG: Mit unserer Tätigkeit. Wir waren ja beide recht lang im Berufsleben, da auch ziemlich erfolgreich. Und ansonsten sagen wir da immer ganz gern etwas flapsig, ja das Geld kommt vom Konto.

Ich würde ganz gern nochmal auf Ihren Background zurückkommen. Sie kommen beide aus NRW. Da ist ja die Gegenwartskunst nochmal ganz anders verortet als in unserer wunderschönen Kulturregion. Haben Sie denn dieses Fluidum vermisst, als Sie hier aufgeschlagen sind vor 20 Jahren?
GP: Ja, also Düsseldorf, das war schon eine Ansage und Köln eigentlich auch und da war Augsburg dann schon eher Entwicklungszone. 
WG: Also es sind extrem viele Highlights im Bereich Bildender Kunst in Nordrhein-Westfalen angesiedelt, dass man eher schon Probleme hat, wirklich alles wahrzunehmen, was dort geboten wird. Wir machen das häufiger, dass wir Zeit dort verbringen und uns da natürlich vieles anschauen. Aber Bayern hat in den letzten Jahren durchaus auch aufgeholt. Es sind auch tolle, junge, frische, lebendige Projekte in den letzten Jahren hinzugekommen. Das lässt hoffen.

Wie kommen Sie denn zu Ihren Stiftungsprojekten?
GP: Die Ideen hat immer Wolfram. Das geht meis­tens ziemlich schnell.
WG: Es ja nicht nur die Idee, die das Projekt dann ausmacht, sondern auch die Kommunikation, mit meiner Frau. Wir überlegen uns, wie wir es am bes­ten angehen. Manche Projekte gehen relativ schnell über die Bühne, aber wir haben auch ein Projekt bereits vor einem Jahr angestoßen ohne zum Ende zu kommen.

Nachdem bekannt geworden ist, dass es diese Stiftungseinrichtungen von Ihnen gibt, haben Sie denn danach viel Post bekommen von Menschen, die Ihnen Projekte, Ideen nahelegen, wo man auch gut Stiftungsgeld anlegen könnte?
GP: Nein, überhaupt nicht. Also die Unterstützung, die Akzeptanz, die positiven Rückmeldungen sind enorm. Aber wir wurden noch nicht angefragt.

Wie definieren Sie die Vision ihres Schaffens?
GP: Dass die Kreativität und die Freiheit in der Kunst erhalten bleibt.
WG: Kunst ist ein Nahrungsmittel. Wir brauchen Kunst, um leben zu können. Und wir brauchen Künstler, die Kunst machen. Es ist wichtig jungen Menschen auf die Schulter zu klopfen und zu sagen, vielen Dank, dass du diesen Weg gewählt hast. Wir sind auf deine Arbeiten gespannt. Und wir probieren, dich zu fördern und zu unterstützen bei dem, was du machst.

Zum Schluss für heute vielleicht noch eine Frage, die jetzt auch hier in unseren Wahlkampf bewegten Zeiten eine Rolle spielt. Hoffentlich auch darüber hinaus. Sie leben in Friedberg, Stiften in Augsburg. Muss man die Region, in der wir alle leben, nicht längst gemeinsamer denken, ohne diese politischen Grenzen, die im Alltag kaum eine Rolle spielen?
WG: Das Gebiet, das wir ansprechen und erreichen möchten ist Schwaben. Wir wollen die Gelder nicht wie mit einer Gießkanne über die ganze Republik verteilen, sondern einen lokalen Bezug herstellen. Also nicht nur auf Augsburg oder auf Friedberg bezogen, sondern auf Schwaben.

www.grzabka-palm.de

 

Junge Kunst 

Im Herbst 2025 präsentierte die Kunststiftung Grzabka-Palm der Gesellschaft für Gegenwartskunst in Augsburg e.V. die Idee, in der Artothek des Vereins eine Sammlung Junger Kunst aufzubauen. Die Kunststiftung stellt dafür über einen Zeitraum von zehn Jahren ein jährliches Budget von 10.000 Euro für Ankäufe zur Verfügung. Der Vorstand zeigte sich begeistert und beschloss einstimmig, ab 2026 über eine Ausschreibung und eine jurierte Studio-Ausstellung in den Räumen der Artothek im Glaspalast Augsburg entsprechende Ankäufe zu tätigen. So entsteht nach und nach eine Sammlung, deren Werke künftig ebenfalls in der Artothek ausgeliehen werden können.
 

Viermaldrei

Im Herbst 2025 präsentierte die Kunststiftung Grzabka-Palm dem BBK Schwaben Nord und Augsburg e.V. die Idee eines Kunstpreises für junge Künstlerinnen und Künstler. Der Preis trägt den Namen »viermaldrei«, ist mit 3.333 Euro dotiert und soll über einen Zeitraum von zwölf Jahren vergeben werden. Das Preisgeld stellt die Kunststiftung Grzabka-Palm zur Verfügung. Der Vorstand des BBK zeigte sich von dem Projekt begeistert und wird den Kunstpreis künftig im Rahmen der Großen Schwäbischen Kunstausstellung verleihen. Über die Vergabe entscheidet die Ausstellungs-Jury mit; die Preisverleihung erfolgt bei der Eröffnung der Ausstellung.
 

Kunststipendium für Schöne Felder e.V.

Die Kunststiftung Grzabka-Palm fördert den Verein Schöne Felder e.V. mit einem Kunststipendium in Höhe von insgesamt 30.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren. Ziel der Förderung ist es, bildende Künstlerinnen und Künstler aus dem Atelierhaus nachhaltig zu unterstützen und künstlerische Freiräume langfristig zu sichern. Ab 2027 wird jährlich eine Künstlerin oder ein Künstler aus dem Atelierhaus für die Dauer von einem Jahr gefördert. Das Stipendium umfasst einen Zuschuss von 3.000 Euro zur Atelierraummiete. Die Auswahl erfolgt jeweils im Dezember per Losverfahren, um allen Mitgliedern gleiche Chancen zu ermöglichen. Mit dieser Unterstützung wird das Projekt »Freiraum« im Haus Schöne Felder realisiert, das nicht nur finanzielle Entlastung für einzelne Kunstschaffende schafft, sondern zugleich das Atelierhaus als Ort der Produktion, des Austauschs und der kulturellen Teilhabe stärkt.
 

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