Ausstellungen & Kunstprojekte

Ganz zauberhaft!

Das Kunst-Netzwerkprojekt Art X Augsburg präsentiert Arbeiten von Anja Güthoff und Reiner Heidorn.

Bis zum Jahresende wird der Projektraum Augsburg Contemporary in der Bergstraße im Monatstakt von wechselnden Akteur*innen mit künstlerischem Leben gefüllt – das Netzwerkprojekt Art X Augsburg macht es möglich. Jeweils eine Institution und dazu die gastgebende Zweigstelle Berlin laden je eine*n Künstler*in ein. Für »air from another planet«, die vierte Auflage des Netzwerkprojektes, hat die Ecke Galerie die Objektkünstlerin Anja Güthoff gebeten, ihr Ausstellungspartner ist als Gast der Zweigstelle Berlin der Maler Reiner Heidorn.

Der Blick in den kleinen Ausstellungsraum versetzt die Besucher*in dieses Mal in ein entrücktes Setting. Reiner Heidorn, der in seiner Arbeit die Entfremdung des Menschen von der Natur thematisiert, inszeniert einen grünblau schimmernden Märchenwald mit Bäumen, Früchten und Zauberwesen, indem er Leinwand-Malerei mit bemalten Langspielplatten und Zweigen zusammenbringt. Sogkraft entwickelt vor allem der große, die Rückwand des Raumes einnehmende »dream of the white trees«. Zwischen hellen Baumstämmen blicken eine dunkelhaarige kleine Mangafigur mit Alienaugen und ihr Begleiter, ein milchweißes geisterhaftes Wesen – irgendwas zwischen Katze und Teddybär – hervor. Heidorn nutzt eine spezielle Maltechnik, Dissolutio genannt, deren bläschenartige Sprenkel die Situation sachte verschleiern. Der zunächst freundlich erstaunt scheinende Ausdruck des Tierwesens lässt bei längerer Betrachtung Zweifel, an dessen Harmlosigkeit aufkommen, das Manga-Mädchen hingegen irritiert von Beginn an. Aus dieser Unklarheit der Situation, aus der Verbindung von Waldschönheit und latenter Bedrohung erwächst ein bestimmender Reiz …

Heidorns raumgreifende Waldgeister kontert Anja Güthoff mit minutiös gestalteten Preziosen. Güthoff verfügt über die Gabe, im Alltäglichen, im unbedeutendsten Gegenstand etwas von Bedeutung zu sehen. Ihre hier gezeigten kleinteiligen Assemblagen erweisen sich als vielgestaltige Bühnen auf engstem Raum. Neben einem Tafelaufsatz – als Objekt und Malerei präsent – und der souveränen Windsbraut nehmen vor allem die visuellen Geschichten ein, die sie wie Klosterarbeiten unter Glasstürzen konserviert. Aus Natürlichem und Hergestelltem, Gefundenem und Gesammelten komponiert die Künstlerin mit barocker Inszenierungsfreude Erzählungen, in denen Plastikfigürchen, Zweige oder Seeigelskelette auf das wunderbarste zusammenfinden. Manchmal skurril, immer poetisch zeigen diese kleinen Reliquiare auch, wie sicher Güthoff Raum und Balance beherrscht: die reine Freude.

Die konzentrierte Schau der beiden Künstler*innen entwickelt im Zusammenspiel der Arbeiten einen magisch märchenhaften Sog, der sich schon beim Blick durch das altmodisch schöne Schaufenster erschließt. Galerist Andreas Stucken befand: »zauberhaft!«. Dem ist nichts hinzuzufügen …

Für die anschließende fünfte Ausstellung des Projektes (17. September bis 14. Oktober) hat die Maxgalerie den Bildhauer Manuel Frattini eingeladen. Seine Schau-Partnerin wird, als Gast der Zweigstelle Berlin, die Malerin Angela Stauber sein. Ein schönes Plus des Formats: Die persönliche Atmosphäre der Eröffnungen (erster Ausstellungstag 11 Uhr) ist wie geschaffen für anregende Gespräche mit den Künstler*innen.

 

Ecke Galerie (13.8.-9.9.2023): Anja Güthoff | Reiner Heidorn

maxgalerie (17.9.-14.10.2023) Manuel Frattini | Angela Stauber

SAMMLUNG FINSTRAL (22.10.-18.11.2023): Ulrich Egger | Karen Irmer

BBK Augsburg (26.11.-23.12.2023): Katharina Schellenberger | Maria Wallenstål-Schoenberg

 

www.art-x-augsburg.de

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