Wer das nächste Mal Richtung Dasing fährt, sollte unbedingt einen Zwischenstopp beim Bauernmarkt Dasing einplanen. Bei 364 geöffneten Tagen im Jahr gibt es keine Ausreden mehr. Zwischen A8 und B300 strategisch günstig gelegen, findet man hier einen Genuss- und Wohlfühlort der ganz familiären und herzlichen Art.
Geschichte unterm Hammer
Das Kunstauktionshaus Georg Rehm ist vor einem Jahr in den Martini-Park umgezogen. Wie es dort jetzt aussieht und wie sich der neue Geschäftsführer Christoph Neureuther eingelebt hat,
erkundet Alexander Möckl bei seinem Besuch.
Seit 1. Januar dieses Jahres leitet und lenkt Christoph Neureuther als neuer Geschäftsführer die Geschicke des Kunstauktionshauses Georg Rehm. Vorangegangen war ein aufwendiger Umzug in die neue Halle, direkt gegenüber auf dem Martini-Park-Gelände.
Der erste Eindruck von den neuen Geschäftsräumen ist überaus positiv. Eine Meinung, die auch 99 Prozent der Stammkundschaft teilen. Ganz zur Freude des neuen Geschäftsführers, der sich in den neuen Räumlichkeiten sichtlich wohlfühlt.
Die Halle unterteilt sich in mehrere Bereiche, alle bestückt mit Kostbarkeiten vergangener Zeiten. Viele Bilder und Gemälde aller Epochen hängen bewusst nebeneinander, damit gibt es auf jedem Meter viel zu entdecken. Vitrinen beherbergen Schmuck, Geschirr, Bestecke und viele Kuriositäten. Und es gibt eine Ecke mit moderner Kunst aus der Region. Darunter Bilder der 16-jährigen Joy oder der 13-jährigen Josefine. Beeindruckend!
Fünf Auktionen pro Jahr
Fünfmal im Jahr heißt es: »Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten! Verkauft!« Pro Auktion warten immer über tausend Objekte, oder wie die Fachwelt sagt »Lose«, auf kauflustiges Publikum – ob direkt vor Ort, via Telefon oder online. Schon lange ist das Antiquitätengeschäft modern und international geworden. Und auch außerhalb der Auktionen gibt es viel zu entdecken und die Möglichkeit, im Freiverkauf einen Schatz zu finden. Immer noch mit dabei: Georg Rehm, der sich auch im Ruhestand gerne mit seiner Erfahrung und seinem enormen Wissen einbringt.
Von der guten Stube ins Auktionshaus
Fast alle Exponate stammen aus privaten Haushalten. Sei es, dass die Besitzer*innen selbst aussortieren oder eine Wohnungsauflösung Schätze zutage fördert. Am Ende sollen sie wieder in gute Hände gelangen und dabei auch einen angemessenen Preis erzielen.
Doch nicht alles will Christoph Neureuther anbieten, auch wenn es sich sehr gut verkaufen lassen könnte. Militaria zum Beispiel ist so ein Bereich, den er nur vorsichtig anfasst. Auch Stücke aus unklarer Herkunft sind bei ihm nicht zu haben. So wird akribisch jedes Angebot vorher im Art Loss Register geprüft. Die Provenienzforschung ist für ein Auktionshaus essenzieller Bestandteil der Objektrecherche und -beschreibung. Das Art Loss Register ist die weltweit größte private Datenbank für verlorene und gestohlene Kunst. Sensibilität beim Handeln mit Geschichte ist für den erfahrenen Auktionator sehr wichtig.
Mehr Moderne
Klassisches Design, moderne Kunst oder regionale Künstler. Das Augsburger Traditionsauktionshaus Rehm wagt sich auch auf diesem Gebiet behutsam nach vorn. »Noch mangelt es an genügend Angeboten, doch das wird sich mit den Jahren spürbar ändern. Und dann werde ich diesen Bereich gerne ausbauen«, freut sich der Kunstexperte schon.
Lebendige Geschichte
Jedes einzelne Objekt, das hier zu sehen ist, erzählt eine Geschichte. Sei es aufgrund der Handwerkskunst, der Herkunft oder der historischen Bedeutung. Und diese Geschichten kennt Christoph Neureuther alle.
Ein Gang mit dem Fachmann durch die Abteilungen ist unglaublich interessant und spannend. Ein Wissen, das durchaus Potenzial hätte, ganze Schulklassen hier auf Entdeckungsreise zu schicken, um mehr über Geschichte zu erfahren. Geschichte zum An- und Erfassen.
Gameboy, Pokémon und Co.
Kamen auch schon Sammelobjekte des digitalen Zeitalters unter den Hammer? »Noch ist es nicht so weit. Online sind diese Objekte schon mehr oder weniger gesuchte Sammlerstücke. Doch bis sie sammelwürdig werden, wird es noch dauern«, ist sich Neureuther sicher. Doch die Modernisierung des Unternehmens schreitet voran. Ganz oben auf der Agenda stehen der kontinuierliche Ausbau der Digitalisierung, eine starke Präsenz in den sozialen Netzwerken und die Möglichkeit eines virtuellen Rundgangs durch die Halle. Bald kann man auch jedes Objekt via QR-Code auf seinen Bildschirm holen, um es als 3D-Animation von allen Seiten betrachten zu können. Dann spielt es keine Rolle mehr, ob man vor Ort oder 1.000 Kilometer weit weg ist.
Doch eines kann diese digitale Welt nicht: den wunderbaren Charme und die einladende Art aller hier Beschäftigten transportieren. Das kann und soll man auch in Zukunft nur hier im Kunstauktionshaus spüren dürfen, denn dafür ist das Haus ja auch da – und offen für alle, die gerne schöne Dinge suchen.
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