Politik & Gesellschaft

»Glatt durchgegangen«

Anna Hahn
15. Oktober 2021

Das Volkstheater München eröffnet die Spielzeit im Theaterneubau im Schlachthofviertel. Beim Bau blieb man in der veranschlagten Bauzeit und im vorgegebenen Budget von 131 Millionen Euro.

Auf dem Weg zum neuen Volkstheater im Münchner Schlachthofviertel verrät einem vor allem die Nase, wo man sich gerade befindet: Es riecht nach Tierischem, Geräuchertem, Wurst und Fleisch. Auch Intendant Christian Stückl gab bereits vorab offen zu, dass es manchmal in seinem Büro stark riecht. Alles in allem macht er aber einen hochzufriedenen, glücklichen Eindruck, als er Anfang September die Presse zur Präsentation der neuen Spielzeit und vor allem des neuen Hauses einlud. Gemeinsam mit Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Stadt München, und Marek Wiechers, Vertreter des Münchner Kulturreferenten, erzählte er in seinem charmanten oberbayerischen Dialekt von seiner neuen Wirkungsstätte und dem Plan für das kommende Jahr.

Der Neubau des Volkstheaters war notwendig geworden, weil der Umbau des ursprünglich als Mehrzweckhalle konzipierten Hauses in der Brienner Straße Millionen verschlungen hätte. Das Haus war nie für den Theaterbetrieb erbaut worden. Das Theater war nur Mieter und buchstäblich über die ganze Stadt verteilt, Container außerhalb der Stadt mussten als Lagerplätze genutzt und bei Bedarf per Lkw ins Zentrum der Landeshauptstadt gefahren werden. Lärmschutz, Brandschutz, Anlieferprobleme, fehlende Erwei­ter­ungs­möglichkeiten und letztlich auch der Eigenbedarf des Vermieters, des Bayerischen Fußball-Verbands, standen einer Renovierung im Weg. Gleichzeitig erfreute sich das Theater aber immer größerer Beliebtheit, es kann auf Auslastungen von bis zu 90 Prozent verweisen. Stückl erklärte, dass durchaus Pläne einer Renovierung des Hauses diskutiert wurden, diese Überlegungen aber angesichts der erforderlichen Summen ad acta gelegt wurden: »Wir können doch nicht 50 Millionen Euro in ein Haus stecken, das uns überhaupt nicht gehört!«

Mitten im Schlachthofviertel, dem Wunschort von Stückl, ist nun ein Theaterbau für insgesamt 131 Millionen Euro entstanden. Erbaut wurde das Volkstheater von einem durch ein Vergabeverfahren ausgewählten Generalübernehmer, der sich verpflichtete, das Theater, nach den Vorgaben der Theatermacher, zu planen, zu realisieren und schlüsselfertig zum festgelegten Zeitpunkt sowie zum vereinbarten Festpreis zu übergeben. Das ist gelungen, denn sowohl der Kosten- als auch der Terminrahmen wurden eingehalten. Darauf bestand auch Stückl: »Wir müssen in der Zeit und im Geld bleiben«, habe er stets gepredigt. Das ist gelungen, denn »es ist glatt durchgegangen«, so Stückl.

Auf insgesamt 25.000 Quadratmetern Nutzfläche finden sich drei Bühnen und 300 Räume. Der markante Öffnungsbogen verbindet ein denkmalgeschütztes Gebäude mit dem neuen Theaterbau. In der bestehenden Häuserzeile befinden sich nun unter anderem Künstlerwohnungen und Verwaltungsräume für das Theater. Der wellenförmige, backsteinrote Neubau mit dem 30 Meter hohen Bühnenturm und dem großen Bullauge, das sich über zwei Etagen erstreckt, ist ein absoluter Hingucker und bildet eine eindeutige Adresse des Neubaus. Gleichzeitig fügt er sich in seine Umgebung ein. Herzstück des Theaters ist die Hauptbühne, die 600 Zuschauer*innen Platz bietet und über eine Hinterbühne, Seitenbühne, einen Schnürboden, eine drehbare Bühne und einen Bühnenturm verfügt – alles mit der neuesten Technik ausgestattet. Zwei weitere Bühnen bieten Platz für 200 bzw. 100 Gäste. »Wir haben aufgeschrieben, was wir alles brauchen, und fast alles bekommen«, so der Intendant.

Das Haus ist zudem barrierefrei. Im Innenhof steht dem Publikum auch ein Gastronomiebereich mit Außenplätzen zur Verfügung. Das »Schmock« kann auch unabhängig vom Theater betrieben werden. Insgesamt stehen 60 Parkplätze zur Verfügung, aufgrund der zentralen Lage ist das Theater aber gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Bei einem Rundgang durchs Haus zeigte sich deutlich, wie glücklich und stolz alle Mit­arbeiter*innen mit ihrem neuen Arbeitsplatz sind. Lichtdurchflutet, offen, neu sind die meis-ten Werkstätten oder Büros. Überall ist man schon eifrig mit den Vorbereitungen für die kurz bevorstehende Spielzeit beschäftigt. An der ein oder anderen Stelle sind noch Farb­kübel oder Umzugskartons zu entdecken, aber auch Bühnentechniker*innen, die mit glänzenden Augen die neuen Möglichkeiten der Technik und der Bühnen ausprobieren. Insgesamt wird das Volkstheater nun 16 Premieren im Jahr feiern können, im Gegensatz zu neun bis zehn im alten Haus. Die Zahl der Mitarbeiter*innen stieg um ein Drittel, und so wurde auch das Ensemble von 16 festen Schauspieler*innen auf 22 erhöht. Für diese Spielzeit sei der Etat dank Rücklagen bereits gesichert. Bei der Frage, wie es für die nächsten Jahre aussehe, herrschten kurz Unsicherheit und Schweigen bei OB Reiter und seinem Kollegen aus dem Kulturreferat. Letztlich erklärte Wiechers jedoch, dass es einen Mehrbedarf von neun Millionen Euro gebe, vier davon seien derzeit noch nicht gesichert. An dieser Stelle muss also noch nachgebessert werden – am Haus selber nicht. Es sieht großartig aus.

Am Freitag, 15. Oktober eröffnet das Theaterteam die neue Spielzeit mit der Premiere von »Edward II.«

www.muenchner-volkstheater.de

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