Tanz
Theater & Bühne

Grenzen offen?

Gastautor

Ein »performic«-Parcours voller Übertritte.

Reger Andrang herrschte am »Checkpoint Stadtmetzg«, wo das freie Theater-Ensemble »performic« vergangenes Wochenende zur »Grenzensuche« aufrief. An drei Abenden erfuhr das Publikum extremste Stimmungs- und Positionswechsel auf mehreren Ebenen. Anders als bei »Contact(less)« im Vorjahr ging hier nichts ohne intimes Annähern, das auch Außenstehende mitriss. Unversehens fand man sich ausgegrenzt, sah immer wieder verirrte Hände nach dem tiefroten, elastischen Band suchen, das treppauf, treppab die ersten Szenen durchzog. Wer braucht Grenzen, wie führen, schützen, beklemmen, spiegeln sie uns und Andere? Wie kann Sprache – ob Italienisch, Rumänisch, Ukrainisch oder Deutsch – trennen, welche Gesten verbinden uns? Schafft gemeinsame Harmonie gar neue Barrieren? In rotes Licht getaucht, von engelsgleichen Stimmen erfüllt, wandelt sich der historische Lichthof zum Paradies – doch »Auf Grenzensuche« zerreißt das Schlussbild jäh in seine Einzelteile. Exakt fünf sind es, wie die Freunde in Franz Kafkas »Gemeinschaft«.

Regisseurin Gianna Formicone fand in der gesellschaftskritischen Kurzgeschichte die Inspiration für ihr transnationales Gesamtkunstwerk aus Schauspiel, Tanz, Installation, Livemusik und Gesang. Auf dem Erfolg ihrer bisher größten Inszenierung will sich die schaffensfreudige Wahl-Augsburgerin keinesfalls ausruhen, sondern bald mit ihrer – aus guten Gründen rein weiblichen – »performic«-Truppe spielerisch an neue Grenzen gehen.

(Martina Vodermayer)

www.facebook.com/gianna.formicone

www.facebook.com/performic

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