Grüner Westen
Die Westlichen Wälder sind wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen, aber auch vielseitiges Erholungsgebiet für die Menschen unserer Region. Die Geschäftsführerin des Vereins »Naturpark Augsburg – Westliche Wälder e.V.« Eva Liebig und ihr Team möchten diesen Schatz bewahren und den Bürger*innen näherbringen.
Die Geschichte der Westlichen Wälder als Naherholungsgebiet beginnt bereits im 19. Jahrhundert, als die Landlust die Städter im Sommer zur Erholung vor die Stadttore lockte. »Sommerfrische« hieß das damals. Während der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg zog es immer mehr Menschen nach draußen, sodass bald klar wurde, um den Schutz der Natur zu gewährleisten und die Besucherströme zu lenken, braucht es neue Ideen und Instanzen, die sich darum kümmern. So gründete sich 1974 der Verein »Naturpark Augsburg – Westliche Wälder e.V.«. 1988 wurde das Gebiet zwischen Türkheim und Mertingen, Augsburg und Gundremmingen, auch bekannt als Stauden, Reischenau und Holzwinkel, als Naturpark ausgewiesen.
»Zum einen arbeitet der Verein konsequent an der Entwicklung der Region, fördert ansässige Anbieter und unterstützt Landwirte im Rahmen der Ökomodellregion. Zum anderen wird der ausreichenden Information und Umweltbildung der Bürger*innen große Bedeutung beigemessen«, berichtet Geschäftsführerin Eva Liebig. »Ein erheblicher Teil der Arbeit ist deshalb der naturbetonten Erholungsinfrastruktur und der Landschaftspflege gewidmet.« Durch Veranstaltungen und Lehrpfade rückt der Verein den erholsamen Aspekt des Waldes in den Mittelpunkt. Auch im Naturpark-Haus, das 1992 in einem Nebengebäude der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld als Informations- und Erlebnisstätte eingerichtet wurde, wird an jeder Stelle auf sehr lebendige Weise darauf hingewiesen. Die Dauerausstellung erzählt von der Entstehung der Landschaft und dem Verhältnis von Mensch und Natur in dieser waldreichen Region. Zum 200. Geburtstag Sebastian Kneipps ist zudem noch bis 9. Januar eine Sonderausstellung zum Werk des Pfarrers und Naturheilkundlers zu sehen. »Wir möchten die Bürger*innen durch die Angebote und Projekte des Vereins an die einfachste Erholungsmöglichkeit nahe der Stadt heranführen – den Wald«, erklärt Liebig.
»Den Wald darf jeder nutzen, man sollte ihn aber schonend behandeln und nicht ausbeuten«
Dass man seinen Abfall nicht dort entsorgt, wo andere wohnen, sollte hinlänglich bekannt sein. Der Wald ist sozusagen die Stadt der Tiere. Jeder sollte achtsam und rücksichtsvoll sein, wenn er ihn betritt. Ob der Mäusebussard brütet oder die Rehe ihre Kitze aufziehen – ob Füchse oder Ameisen, Würmer, Eichhörnchen oder Hasen, alle Waldbewohner haben ein Recht darauf, beachtet und respektiert zu werden. »Manche Besucher*innen haben keine Ahnung, wie man sich im Wald angemessen verhält«, weiß Liebig zu berichten und fügt an: »In meinen eigenen Räumen oder in meinem Garten schmeiße ich den Müll doch auch nicht in die Ecke und mache Radau.« All das lernt man am besten, wenn man noch jung ist, weswegen sich der Naturpark Westliche Wälder e.V. verstärkt um die jungen Mitbürger*innen bemüht.
Viele wüssten auch nicht mehr, wie man sich im Wald erholt. Waldbaden ist der neue Trend, der auch im Westen Augsburgs gut angenommen wird. Dabei leitet eine Entspannungspädagogin Kinder und Erwachsene an, mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu spüren. »Die Menschen kennen die Natur nicht mehr«, sagt Liebig etwas schmunzelnd. »Da kann es schon mal passieren, dass ein Kind im Angesicht von Krabbeltieren die Nerven verliert. Oder, dass die verschmutzten Hände, die vorher im Waldboden nach etwas gesucht haben, als Hindernis bei der Brotzeit empfunden werden. Dabei ist doch der Schmutz aus der Stadt gar nicht mit Erde, Lehm und Sand zu vergleichen.«
Ein großartiges Projekt für Kinder der 3. und 4. Jahrgangsstufe ist die Ausbildung zum Junior Ranger. Während mehrerer Treffen über ein halbes Jahr, lernen die Kinder unter Anleitung den Wald kennen. »Feuer machen ohne Feuerzeug, Orientierung im Wald, Karten und Bäume lesen, die Schätze des Waldes nutzen, richtiges Verhalten, leise und aufmerksam beobachten und alle Sinne spitzen«, zählt Eva Liebig einige Inhalte des Programms auf. »So lernen die Kinder spielend Natur- und Sozialkompetenz. Den Wald darf jeder nutzen, man sollte ihn aber schonend behandeln und nicht ausbeuten«. Wälder sind jederzeit begehbar, aber sie gehören jemand anderem. Man darf auch etwas mitnehmen, aber nur für den eigenen privaten Bedarf, nicht gewerblich.
Natur mit allen Sinnen erleben
Die Wald- und Naturlehrpfade sind ganz besondere Glanzpunkte im Naturpark. Auf dem »LandArt«-Pfad in Bonstetten kann man sich die Kunst erlaufen. Für dieses Projekt hat der international arbeitende Künstler Hama Lohrmann eigens eine Reihe beeindruckender Werke geschaffen. Der »Kräuterrundweg« bei Ziemetshausen hingegen lockt mit Informationen über heimische Kräuter und ihre Verwendung, der Wallfahrtskirche Maria Vesperbild und dem Schlosspark Seyfriedsber mit seinen uralten Bäumen. Das sind nur einige Beispiele, wie der Naturpark Westliche Wälder e.V. die Bevölkerung hin zur Natur führen möchte. In Zusammenarbeit mit den Sportvereinen vor Ort und dem Landkreis Augsburg wurden in den vergangenen Jahren neue Nordic Walking Routen entwickelt, beschildert und mit Flyern beworben. Auch Rad- und Wanderwege werden durch den Verein beschildert.
Eine gute Übersicht über das aktuelle Veranstaltungsprogramm samt Informationsmaterial bietet die Website:
www.naturpark-augsburg.de
Dieser Beitrag erschien zuerst in der a3regional-Ausgabe Frühjahr 2020.
Foto oben: Das Klostergelände in Oberschönenfeld beherbergt unter anderem das Naturpark-Haus des Vereins Naturpark Augsburg – Westliche Wälder e.V. und das Museum Oberschönenfeld des Bezirks Schwaben. Foto © Naturparkverein