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Von Grumbach bis Uhse

Gastautor

Ist ein mutig gegangener Lebensweg gleichbedeutend mit Rebellion? Ende Januar startete im Annahof die Plakatausstellung »Rebellinnen. Frauen verändern die Welt«. a3kultur-Redakteurin Helena Makarenko war dabei und teilt hier ihre Eindrücke.

Das Recht der Frauen, zu wählen und gewählt zu werden, die Selbstbestimmung in der Berufswahl und Karriere sowie das Recht auf medizinische Versorgung und Hygiene – heute ist es schwer zu glauben, dass dies bis vor Kurzem auch in Deutschland nicht selbstverständlich war und nur durch ein gewisses Maß an »Rebellion« erreicht werden konnte.

Die Idee für dieses Ausstellungsprojekt entstand im Jahr 2021. Ursprünglich geplant als ansprechend gestaltete Info-Schau zum Internationalen Frauentag 2022 in Memmingen, reist es seither als Wanderausstellung durch Deutschland. Diese präsentiert eindrucksvolle Plakate, die uns bedeutende Frauen aus verschiedenen Bereichen vorstellen, welche ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben.

In der Ausstellung ist eine Vielfalt an Persönlichkeiten vertreten, z.B. die protestantische Reformatorin Argula von Grumbach, die NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die erste Frauenärztin Hermine Heusler-Edenhuizen, die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die erste Nachrichtensprecherin im deutschen Fernsehen Wibke Bruhns, aber auch Beate Uhse, die den ersten Sexshop der Welt eröffnete, und noch viele andere Frauen, die auf einem bestimmten Gebiet Bedeutung erlangt haben.

Die Entscheidung, Plakate als Form zu wählen, erwies sich in mehrfacher Hinsicht als geschickt, da das Plakat selbst eine kämpferische Funktion hat, was das rebellische Element betont. Außerdem sichert es den Exponaten eine hohe Transportfähigkeit. An der visuellen Gestaltung der Plakate haben die Illustratorinnen Bianca Schaalburg, Beatrice Davies, Anne Wenkel, Susanne Kuhlendahl sowie der Fotograf Christian Topp mitgearbeitet.

Bei der Eröffnung der Ausstellung im Hollbau im Annahof gaben Bettina Böhmer-Lamey (Pfarrerin Annahof) und die Kuratorin Claudia Schreck einen Einblick in die Vorgeschichte und den Beitrag einiger besonders interessanter Personen der Ausstellung. Die Augsburger Jazzsängerin und Kunstpreisträgerin Eva Welz interpretierte Songs von drei berühmten Kolleginnen: Bessie Smith, Edith Piaf und Nina Simone. Anschließend begaben sich die Anwesenden ins benachbarte Anna-Café, um die Plakate aus der Nähe zu betrachten. Dabei gab es durchaus gemischte Reaktionen: Besonders den Ausstellungstitel empfanden einige Besucher*innen als unpassend. Auch Altkanzlerin Angela Merkel hatte laut Claudia Schreck eine Teilnahme am Projekt abgesagt, da sie sich selbst nicht als Rebellin sieht.

Dennoch: Die Ausstellung »Rebellinnen. Frauen verändern die Welt«, die bis 27. März zu sehen ist, trägt dazu bei, den Beitrag herausragender Frauen für unsere Gesellschaft von historischen Zeiten bis heute sichtbar zu machen. Der Name betont den Mut und die Bereitschaft, für ihre Rechte zu kämpfen, sich nicht in Klischees zu fügen und nach eigenen Überzeugungen zu leben, um durch das eigene Beispiel das Leben vieler Menschen zu verbessern.

Doch was trieb die Heldinnen der Ausstellung an? Was verband sie? Aufsässigkeit? Wille? Der Glaube an mögliche Veränderungen und die eigene Stärke? Die Ablehnung, sich anzupassen? Der Wunsch, authentisch zu leben? Auf diese Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten. Dennoch wecken die Lebensgeschichten dieser Frauen Dankbarkeit für die Freiheiten, die wir Frauen heute schon haben, und sie dienen als Inspiration, die Geschlechtergleichstellung zu erweitern, die das Leben aller Menschen, nicht nur von Frauen, zum Besseren verändern kann.

Beim »Sonntagsblatt« des Evangelischen Presseverbands für Bayern e.V. (siehe untenstehenden Link) können Interessierte sich umfassend über das Ausstellungskonzept »Rebellinnen« informieren und weitere mögliche Kandidatinnen für das Projekt vorschlagen. 

www.sonntagsblatt.de/rebellinnen
 

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