Die Härte der Rose
In der Galerie Cyprian Brenner zelebriert Hermann Försterling Blumen, Körper und das Selbst.
»Mach doch mal was Schönes!«, soll die Tochter von Hermann Försterling – so will es die Legende – um das Jahr 2000 herum zu ihrem Vater gesagt haben, der sich bis dato künstlerisch vor allem am weiblichen Körper und dem eigenen Konterfei abgearbeitet hatte; Arbeiten, die zwar technisch brillant sind – das aufwändige und weltweit nur noch von sehr wenigen Fachwerkstätten angewandte Verfahren der Heliogravüre macht’s möglich – sich aber auch durch eine gewisse Härte der Schatten und Konturen auszeichnen.
Und so komplettierte der im badischen Eppingen ansässige Försterling (Jahrgang 1955) seine vor allem Köpfe (Serie »Heads«) und Torsi abbildende Kunst um ein weiteres Sujet, das überraschen mag: Blumen, genau gesagt: Rosen.
Blumen, so kann man sagen, waren in den letzten Jahrzehnten in der Malerei mega-out. Blumenbilder waren den Wohndesignabteilungen von Baumärkten und Möbelhäusern anheimgegeben. Försterling bringt die üppige, in satten Farben leuchtende Blüte all ihrer Sinnlichkeit zurück in die Malerei, nicht als Transportmittel einer neuen Malweise wie einst Emil Nolde, nicht ironisch wie Andy Warhol und auch nicht ornamental überhöht wie im Werk der US-Amerikanerin Georgia O’Keeffe.
In den zwölf großformatigen Gemälden, die Kuratorin Maximiliane Umlauf für die Ausstellung ausgesucht hat, huldigt er der Schönheit und dem Ebenmaß speziell der Rose, in der westlichen Kulturgeschichte vielleicht das Synonym für Schönheit und Erotik schlechthin.
Doch die Härte, die seine anderen (ebenfalls in einer Auswahl zu sehenden) Arbeiten ausmacht, sie ist auch in der Schönheit der Rosen nicht ganz abwesend: Oftmals ruhen die Blütenblätter in Harmonie oder schirmen zarte Triebe, doch Försterling kann auch anders:
Da schaffen kühne Kompositionen ein zum Teil fast unangenehmes Gedränge der auf den ersten Blick so zarten Blätter. Phallisch anmutende Knospen mischen in diesem wilden Reigen mit. Wuchtige Licht- und Schattenregionen, die durch die vielen lasierenden Schichten Harzölfarbe entstehen, lassen manches Bild als visuelles Gegenstück zu einem »Rammstein«-Stück erscheinen.
Das alles schafft eine Metaebene, in der die Bilder Fösterlings sich weit jenseits von rein dekorativem Wandschmuck emanzipieren, aber eben doch schön bleiben. Eine Rose ist eben eine Rose.
»Hermann Försterling: Don’t Touch!« ist bis 29. April 2023 in der Galerie Cyprian Brenner (Ecke Galerie) zu sehen.
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