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Hexen heute

Banner von Marleen Rothaus in der Ausstellung »HEX« in der MEWO Kunsthalle, Memmingen
Gastautor

Das Bild der Hexe in der Kunst – wie hat es sich heute gegenüber früheren Darstellungen verändert, und was hat Feminismus damit zu tun?

Das heute vielschichtige Verständnis des Hexenbildes hat eine lange Geschichte und entwickelte sich parallel zu gesellschaftlichen Veränderungen. Ein entscheidender Wendepunkt manifestierte sich im 20. und 21. Jahrhundert, als feministische Theorien Hexen nicht mehr als Schaden bringende Greisinnen und sexualisierte Verführerinnen darstellten, die Flüche über friedliebende Menschen aussprechen, sondern als unabhängige Frauen mit Wissen und sozialer Macht.

Die drei in der seit Februar in der Memminger MEWO Kunsthalle laufenden Ausstellung »HEX« vertretenen Künstlerinnen verfolgen diese Linie weiter und bieten einen Blick auf das Hexenbild im modernen Kontext.

Die Werke der Künstlerin und Aktivistin Marleen Rothaus ziehen hierbei besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Das ist nicht überraschend: Ihre bunten, frechen, klaren Kompositionen in Öl auf Leinwand, in Form von Demonstrations-Bannern aufgebaut, fallen sofort ins Auge (Foto oben). Jedes Bild wird durch eine Inschrift ergänzt, die den Sinn erweitert. Neben den Bannern selbst werden Videos gezeigt, in denen ebendiese Banner bei einer feministischen Demonstration in Aktion zu sehen sind.

Die Radierungen der in Berlin lebenden Australierin Emily Hunt wirken viel feinfühliger und vertrauter. Die Technik scheint uns zurück zu den Ursprüngen zu führen, wird aber durch die Augen einer modernen Künstlerin aufgefrischt. Zusätzlich zu den Radierungen sind auch ihre Skulpturen ausgestellt. 

Tatjana Stürmer präsentiert eine multimediale Exposition, bei der man beim Betreten in eine andere Welt einzutauchen scheint. Gemusterte Wände spielen mit unerwartet entdeckten Spiegeln, die den Himmel in den Fenstern des Museums reflektieren. Die Atmosphäre wird durch Musik von Sound Artist Manuel Sékou und der Sopranistin Clare Tunney ergänzt. 

Dass die Ausstellung drei sehr unterschiedliche visuelle Interpretationen vom heutigen Hexenbild vorstellt und ausgeglichen wirkt, ist ein riesiger Vorteil. Viele Besucher*innen können hier an Sinn und Ästhetik etwas finden, was sie direkt anspricht. 

Die Ausstellung »HEX« ist noch bis zum 26. Mai 2024 in der MEWO Kunsthalle in Memmingen zu sehen. Der Eintritt zur Austellung ist frei.
 

Neben der Ausstellung »HEX« beherbergt die MEWO Kunsthalle derzeit auch die Ausstellung »Wolfgang Niesner: Symphonie der Großstadt« (bis 23. Juni) sowie ab 20. April die Ausstellung »Abstract Realities« mit Arbeiten von Sebastian Bühler.

www.mewo-kunsthalle.de

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