Ausstellungen & Kunstprojekte

Holbein und Augsburg allerorten

Holbein Frankfurt Städel

Vor 500 Jahren starb der Maler Hans Holbein d. Ä. – zwei Ausstellungen in Frankfurt und Wien widmeten sich seiner Kunst. In London hingegen stand Holbein Junior im Fokus.

Bereits im Vorraum zur eigentlichen Ausstellung wurde deutlich, dass es hier auch um Augsburg geht: Auf virtuellen Wegen konnten die Besucher*innen des Frankfurter Städel Museums dem Maler in der Aussstellung »Hans Holbein d. Ä. Holbein und die Renaissance im Norden« Anfang des Jahres durch seine Stadt folgen – um das Jahr 1500 eines der wesentlichen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentren Mitteleuropas. Damit ist der Rahmen gesteckt: »Holbein und die Renaissance im Norden« untersuchte das Zusammenspiel eines höchst vitalen Ortes und den beiden aus einer Vielzahl von Künstlern herausragenden Hans Holbein d.Ä. und dem von Kaiser Maximilian I. favorisierten Hans Burgkmair. 

Vor dunklen blau und grün schimmernden Wänden strahlten die rund 180 Exponate nicht nur der beiden Protagonisten, sondern ebenso von Zeitgenossen wie Albrecht Dürrer oder Donatello. Augsburger*innen trafen darunter auch alte Bekannte wie den Bronze-Neptun von Sebastian Loscher oder die Putten aus der Fuggerkapelle. Der Besucher*in erschloss sich beim Weg durch die klar und ruhig strukturierte Ausstellung wie hochbegabte Künstler an der Schwelle von Mittelalter und Neuzeit aus den Einflüssen der niederländischen und der italienischen Kunst diese spezielle Renaissance des Nordens entwickeln konnten, wobei Holbein sich stärker der niederländischen Malerei widmete und Burgkmair sich eher an Italien orientierte. 

Natürlich fehlte auch der Verweis auf die weitere Entwicklung nicht: Mit der unvergleichlichen »Madonna des Bürgermeisters Meyer zum Hasen« und der »Solothurner Madonna« des vom Vater ausgebildeten Hans Holbein d. J. als Kulminationspunkt und Ausblick auf die Zukunft endete die Ausstellung. Ein Ereignis! Im Anschluss wanderte diese Ausstellung nach Wien ins Kunsthistorische Museum, dessen Säle um einiges pompöser sind als die eher intimen Räume des Städel. Auch hier richtete man den Blick auf das bislang kunsthistorisch eher weniger beachtete Kulturzentrum Augsburg. Die beiden Madonnen von Holbein d. J. machten sich jedoch nicht auf den Weg nach Wien, hier wurde stattdessen der weitgereiste Albrecht Dürer stärker ins Blickfeld gerückt. Entsprechend firmierte diese Schau auch unter dem Titel »Holbein. Burgkmair. Dürer.« Den berühmten Sohn Hans Holbein d. J. betrachten die Engländer quasi als einen der Ihren. Ihm und seiner Arbeit für den Königshof der Tudors widmete sich eine umfangreiche Londoner Ausstellung in der Queens Gallery (jetzt Kings Gallery) des Buckingham Palastes, die auch mit zahlreichen Zeichnungen aufwartete. Der seinerzeitige Hofmaler des englischen Königs Heinrich VIII. verbrachte nach Stationen in Basel und Frankreich in London die letzten zehn Jahre seines Lebens. Der Ausstellungsreigen des Holbein-Jahres, der mit einer Ausstellung im Augsburger Schaezlerpalais fortgesetzt wird, macht überaus deutlich, dass einerseits Hans Holbein d. Ä. weitaus mehr als der Wegbereiter seines formidablen Sohnes war, zeigt aber zudem, welche Bedeutung der Ort hat, an dem Kunst stattfindet – in diesem Fall die zu Holbeins Zeit höchst bedeutende Freie Reichsstadt Augsburg. 

www.staedelmuseum.de
www.khm.at
www.rct.uk

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