Die Augsburger Kegelbahnkonzerte gehen in die 12. Staffel. Mit dabei sind Lillian Hampson, Josy, Marcoca, Janikeliah und Picky Eater.
Hollywood auf Deutsch
Wenn deutsches Kino »mal so richtig Hollywood« machen will, läuft das meistens so ab: Man investiert Millionen in zwei müde Explosionen, versucht krampfhaft, Wuppertal wie Los Angeles aussehen zu lassen, und lässt die Darsteller*innen Dialoge aufsagen, die klingen, als wären sie per Google Translate aus einem Schwarzenegger-Film kopiert. Der geplante Actionkracher verwandelt sich verlässlich nach zehn Minuten in ein düsteres Sozialdrama, in dem schweigend plörriger Filterkaffee getrunken wird, während draußen trister Tatort-Regen fällt.
Natürlich, es gibt auch eine Vielzahl an bemerkenswerten Ausnahmen. Diesen Monat sind es sogar zwei Genrefilme »made in Germany«, die an Hollywood-Streifen erinnern, aber ganz und gar keinen Fremdscham aufkommen lassen:
»Frau Winkler verlässt das Haus«
Im Jahr 2030 ist der ehemaligen Schauspielerin Frau Winkler (Angela Winkler) nichts mehr geblieben als ihre Tochter Emi (Laura Tonke) und Enkelin Billie (Zoë Baier). Ihr geliebter Ehemann und Bühnenpartner ist viel zu früh verstorben; aus ihrer Trauer hat Frau Winkler nie ganz herausgefunden und sich immer ganz auf Emi verlassen. Als diese, ebenfalls Schauspielerin, ein Theaterengagement annimmt und endlich ihr eigenes Leben in die Hand nehmen will, ist ihre Mutter nach einem Unfall plötzlich auf intensive Hilfe angewiesen, und es muss schnell eine Lösung her: ein Pflegeroboter, den die Krankenkasse stellt. Frau Winkler fühlt sich gedemütigt und wehrt sich vehement gegen die maschinelle Zuwendung. Doch dann entwickelt sich eine unerwartete Freundschaft. Diese Prämisse einer emotionalen Bindung zwischen Mensch und Technologie weist deutliche Parallelen zu Spike Jonzes Science-Fiction-Meisterwerk »Her« (2013) auf – bildet jedoch die Grundlage für einen ganz eigenen inszenatorischen Blickwinkel. Kultregisseurin Doris Dörrie beweist hier einmal mehr ihr feines Gespür für das Absurde im Alltäglichen. Frau Winklers Aufbruch aus ihrer eigenen Erstarrung ist geprägt von tragikomischer Skurrilität. Während Jonze mit der ästhetischen Eleganz des Science-Fiction-Kinos fragte, wie viel Menschlichkeit in einer Maschine stecken kann, fragt Dörrie mit gewohnt sinnlicher Bodenständigkeit, wie viel Leben noch in einer Frau steckt, die sich eigentlich schon mit der Unsichtbarkeit abgefunden hatte. Es ist dieser Kontrast, der den Film so scharf konturiert wirken lässt. Wo »Her« ein schmerzhaft schöner Traum über die Zukunft der Liebe war, ist »Frau Winkler verlässt das Haus« ein Plädoyer für das Haptische, das Schmutzige, das Unmittelbare.
»Die andere Seite«
Die Ärztin Hanna (Nina Hoss) hat durch eine ansteckende Krankheit alles verloren. Als Infizierte ist sie Überträgerin des Virus und wird von der Gesellschaft ausgeschlossen. Hanna hat sich in die Einsamkeit der Berge geflüchtet, wo sie in der alpinen Wildnis zur Einzelkämpferin geworden ist. Als sie auf eine junge Frau (Precious Mariam Sanusi) trifft, die ebenfalls zu den Ausgegrenzten zählt, ändert sich alles. Hanna nimmt sich ihrer an, gemeinsam wollen sie über die Alpen nach Süden, wo ein Leben in Freiheit möglich scheint. Wer bei dieser Prämisse an John Hillcoats Cormac-McCarthy-Adaption »The Road« (2009) oder Casey Afflecks unterschätzten »Light of My Life« (2019) denkt, liegt erstmal goldrichtig, denn »Die andere Seite« erfindet das Rad des Postapokalypse-Genres nicht neu. Doch das Team um Regisseurin und Drehbuchautorin Mariko Minoguchi macht einiges anders. Zum einen steht statt einem »starken« Mann mal eine Frau mittleren Alters im Vordergrund, zum anderen setzen sie statt auf Geballere und CGI-Getöse auf die leisen Töne des Genres. Ein stilistisch konsequentes, schmerzhaft schönes Werk, das noch lange nach dem Abspann nachhallt.
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