Im Wald der Illusion
Im Kunstforum Oberschönenfeld geht es zurzeit in die Natur. Oder in die »Illusion« der Natur? Karen Irmer, Gabriele Lockstaedt und Christoph Franke stellen unsere Wahrnehmung auf die Probe.
Neblig-mystische Wälder, sanftgrüne Lichtungen und Strukturen in Licht und Schatten empfangen die Besucher*innen des Kunstforums; vor allem im eher dunklen Obergeschoss mit dem offenen hölzernen Dachstuhl stellt sich eine Art Waldstimmung ein – formiert aus den Arbeiten dreier Künstler*innen, darunter auch jüngst entstandene Werke. Der Titel der Ausstellung, »Illusion«, legt nahe, dass den hier versammelten Kunstwerken ein Moment der Sinnestäuschung innewohnt, doch geht es nicht um Taschenspielertricks, sondern um die Wahrnehmung von Natur. Lassen wir uns in die Kunst hineinfallen oder hinterfragen wir, was wir sehen? Fotografie, Video und Malerei lassen uns hier auf poetische Weise in die grafische Qualität der Struktur eines Baumes, in den lichten Wald oder in märchenhaft-mystische Baumkronen eintauchen.
So geduldig Karen Irmer mit ihrer Kamera sucht und Naturelemente in Fotografie und Video fasst, so geduldig versenkt sich die Betrachter*in in Irmers märchenhaft dunkel-mystische Baumkronen und von Langsamkeit geprägte Videos. Minimale Verschiebungen und Veränderungen wollen wahrgenommen werden. Manchmal entsteht die Poesie der Bilder ohne nachträgliche Bearbeitung, manchmal ganz im Gegenteil gerade durch diese Bearbeitung. Irmers Bildausschnitte lassen eine Verortung der Natur bewusst nicht zu und erwirken so eine erstaunliche Gewissheit und Allgemeingültigkeit.
Gabriele Lockstaedts Arbeiten, vor allem die großen Formate, gewähren Einblick in lichte Wälder, zeigen Bäume, die sich im Wasser spiegeln, Sonnenlicht fällt durch das Blätterdach. Oder nicht? Wir sehen, was wir sehen möchten, sehen, was wir kennen. Mit diesen Erfahrungen und Erwartungen spielt Lockstaedt. Sie verbindet Tape und grün-blaue Pigmente in ihren Bildern zu Strukturen, legt Streifen gekonnt auf die Leinwand, sodass die Betrachter*in die abstrakten Darstellungen unwillkürlich als Natur wahrnimmt.
Christoph Frankes fotografische Kunst beschreitet einen anderen Weg. Franke interessiert sich für die grafischen Aspekte der Strukturen von Bäumen. Indem er sie kopfüber oder in Reihe quergelegt zeigt, nimmt er sie aus dem landschaftlichen Kontext und abstrahiert die Natur. Auch Details rückt er in den Blickpunkt, sodass im engen Bildausschnitt die silbrig-raue Oberfläche eines Birkenstammes eine eigenständige Landschaftsanmutung gewinnt.
Dieses Zusammenspiel dreier höchst unterschiedlicher künstlerischer Ansätze im Umgang mit Bäumen, Wasser und Landschaften funktioniert schlüssig und lässt uns unsere Sehgewohnheiten und Erfahrungen hinterfragen – doch ein Gang durch die Ausstellung erweist sich vor allem als großes Erlebnis für die Sinne.
Der »Illusion« im Kunstforum Oberschönenfeld können wir uns noch bis zum 9. November hingeben; begleitend zur Ausstellung gibt es ein vielgestaltiges Begleitprogramm. Und: Augen auf im Außenraum! Denn dort hat Christoph Franke zwei große Fotos auf Mesh-Gewebe in die Bäume gehängt. Inspiriert wurde diese Ausstellung von der ebenso unterhaltsamen wie informativen Schau »Alles Fake? – Täuschend echt oder echt getäuscht«, gleich nebenan im Museum Oberschönenfeld. Noch bis zum 12. Oktober, ebenfalls mit Begleitprogramm.
www.kunstforum.bezirk-schwaben.de
Das könnte Sie auch interessieren
Malerische Landschaften
Formen die Leuchten
Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.