Die Intensität des Lebens und der Bilder
Die Galerie Noah widmet dem 2000 verstorbenen Künstler Walter Stöhrer eine sehenswerte Retrospektive.
Wie immer beim Betreten der Galerie Noah wird die Besucher*in von einem Sog erfasst: Dieses Mal ist es das monumentale Diptychon »Das Gras war eine flüchtige Pause« am Ende des Kuppelsaals, das erforscht und aus der Nähe betrachtet werden will. Doch auch in den anderen Arbeiten Walter Stöhrers teilt sich die Wucht seiner Kunst unmittelbar mit: Der künstlerische Prozess, das Auftragen der Farbe, die Führung des Pinsels führen zum bildnerischen Ergebnis – machen aber zugleich die Entstehung erlebbar.
Als vor rund 30 Jahren der Kunstverein Augsburg Werke von Walter Stöhrer in der Toskanischen Säulenhalle zeigte, waren das noch »neue Arbeiten«. Nun widmet die Galerie Noah dem 2000 verstorbenen Künstler eine Retrospektive, die neben käuflich zu erwerbenden Arbeiten zahlreiche Leihgaben der Walter-Stöhrer-Stiftung zeigt. Stöhrer, 1937 in Stuttgart geboren, studierte nach einer Ausbildung zum Werbegrafiker an der Stuttgarter Akademie bei HAP Grieshaber. 1959 zog es ihn nach Berlin, wo er ab den 1980er-Jahren bis zu seinem Tod Professor an der dortigen Hochschule der Künste war.
Stöhrer hat – wie man so schön sagt – intensiv gelebt: Eine Reihe schwarzweißer Fotografien gewährt hier Einblick. Dieses Leben spiegelt sich im Werk des Künstlers, vor allem in den großformatigen Leinwänden, in denen das Physische des künstlerischen Prozesses, die malerische Geste die Betrachter*in unmittelbar anspringt. Doch dieser heftige Gesamteindruck mit druckvoll pastosem Farbauftrag wird durch Details großer Zartheit unterfüttert – poetisch dünn lasierte Stellen, Texte und aufgeklebte Buchseiten sind zu entdecken. All dies formiert sich zu betörenden bildnerischen Landschaften. Stöhrers Kunst erweist sich als erstaunlich frisch und kraftvoll, als ausgesprochen haltbar und überzeitlich. Eine Ausstellung, die man nicht verpassen sollte.
Die kleinen Extraschauen in der Studio-Galerie, die leider nur bedingt eine überzeugende Präsentation zulässt, widmen sich regelmäßig Künstler*innen, die (noch) nicht in der ersten Liga spielen, gleichwohl unbedingt beachtenswert sind – so wie diesmal Christoph Dittrich und Daniel Man, die beide in Augsburg arbeiten.
Die Walter-Stöhrer-Retrospektive im Kuppelsaal und »Shades of Paint« in der Studio-Galerie sind bis zum 13. Juli zu sehen: Dienstag bis Freitag von 11 bis 15 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr.
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