Dasein

»Je regionaler desto besser«

Markt Friedberg Jubiläum
Gastautor

Der Wochenmarkt Friedberg feiert im September 50. Jubiläum. Bei einem Besuch vor Ort nimmt uns Roland Gerkens mit auf eine Zeitreise.

Fast jeden Freitag wird der Marienplatz im Zentrum von Friedberg zum Treffpunkt für Liebhaber*innen saisonaler Produkte und Feinkost aus der Region. Inzwischen seit 50 Jahren etabliert und ungebrochen beliebt. Nicht nur bei den Friedberger*innen alleine.

»Zwei Mark pro laufenden Meter«

Alles begann am 17. September 1976. Damals noch in der Jungbräustraße. Seit 1994 ist Roland Gerkens verantwortlich für die Geschicke  und die Entwicklung des Wochenmarkts. »Ich kann mich noch sehr gut an meine Anfänge erinnern. Zu dieser Zeit bin ich persönlich durch die Marktstraße gelaufen und habe zwei Mark pro laufenden Meter Standgebühr direkt abkassiert«, erzählt Gerkens, der auch das Bürgerbüro leitet. Am niedrigen Standpreis hat sich bis heute nichts geändert. Aktuell werden
schlanke € 1,50 pro laufenden Meter berechnet. Nicht mehr wöchentlich in bar, sondern per Jahresrechnung kalkuliert auf 46 Markttage. 

»Wir halten bewusst an diesen niedrigen Standkosten fest. Uns ist es einfach wichtig, dass sich auch kleinere Betriebe oder Einzelkämpfer*innen den Zugang zu unserem Markt leisten können. Das erhöht die Vielfalt und freut unsere Besucher*innen.« Mit den Jahren kamen immer mehr Anbieter*innen dazu und es wurde zu eng in der Jungbräustraße. Im Jahr 2003 folgte daher der Umzug auf den Marienplatz.

Aus der Region in den Einkaufskorb

Gerade die regionale Herkunft der Produkte garantiert enorme Frische und Qualität. Das wird immer mehr geschätzt, inzwischen auch bei jüngeren Menschen. Das Angebot auf dem Friedberger Wochenmarkt hat zudem auch kurze Lieferwege, denn das meiste davon kommt aus dem Landkreis Aichach-Friedberg. Um das Angebot attraktiv und vielfältig zu halten, gibt es aber auch einen Käsestand aus Rottenbuch (Allgäu), einen Käse- und Speckstand aus Pfaffenhofen a.d. Ilm, Obst, Gemüse und frische Eier aus Horgau, einen Gewürzstand aus Königsbrunn und Feinkost aus Fürstenfeldbruck. Und ganz neu dabei einen Fischstand aus Kühlenthal. Von frischen Back- und Brotwaren bis zur wiederentdeckten alten Tomantensorte, auf diesem kleinen, aber trotzdem bunt-gemischten Markt gibt es jede Woche immer wieder Neues
zu entdecken und zu erschmecken.

Besuch nicht nur aus Friedberg

Natürlich nutzen die Einheimischen einmal in der Woche die bequeme Möglichkeit, fußläufig den Wochenbedarf direkt vor der Haustüre einzukaufen. Aber immer mehr qualitätsbewusste Menschen machen sich gezielt auf den Weg, um hier in entspannter Atmosphäre das Angebot zu entdecken. Die kostenfreie Parkmöglichkeit während des Einkaufs erleichtert die Entscheidung. Alles hier ist sehr freundlich und unkompliziert. Der Angebots-Mix ist wohl überlegt, Konkurrenzsituationen daher von vornherein unterbunden. Hier steht man friedlich nebeneinander. Ein Wohlfühl-Markt, auch für die Anbieter*innen. Und manche sind schon seit Anfang an dabei. 

Seit 50 Jahren dabei

Obwohl es keine Aufzeichnungen mehr über die Anfänge gibt, ist sich Roland Gerkens sicher, dass der Gartenbau Lehmann, der Obstund Gemüsehändler Hagenbusch und der Gemüse- und Blumenhandel Mayr von Anfang an dabei sind. Das bestätigt auch Silke Mayr, die mit ihrem Mann bereits in dritter Generation das Geschäft führt. Diese oft jahrzehntelange Verbundenheit zu den Kund*innen macht diesen Markt auch zu einer sozialen Begegnungsstätte. Man sieht sich, man kennt sich, man unterhält sich, man tauscht sich aus.

Wie geht es weiter?

Eine Satzungsänderung zum Jahresbeginn 2025 erlaubt seitdem auch den Verkauf »nicht grüner« Waren. Das bedeutet zum Beispiel, dass auch fertig gekochte Speisen angeboten werden dürfen. Damit öffnete sich eine neue Tür für ein erweitertes Angebot und es ist jetzt auch möglich, eine kleine Gastronomie zu etablieren. Was den Wochenmarkt damit noch attraktiver macht. Von frischen Weißwürsten bis hin zum schnellen Espresso reicht jetzt schon das neue Angebot. »Und mit der Zeit darf sich das durchaus noch erweitern. Da ist noch Platz für Ideen. Zug um Zug werden wir auch an der gesamten Aufenthaltsqualität arbeiten. Eine neue Bepflanzung ist geplant und Tische und Bänke. Am Ende wird sich der Wochenmarkt etwas verändern, aber im Kern so bleiben wir er ist. Überfrachten wollen wir ihn nicht«, erklärt Roland Gerkens.

»Friedberg schmeckt«

Am Freitag, 25. September, lädt die Stadt Friedberg gemeinsam mit den Marktbeschicker*innen zu einem besonderen Markttag auf den Marienplatz ein. Gefeiert wird das 50-jährige Bestehen des Wochenmarkts. Von 7 bis 13 Uhr, also zu den üblichen Zeiten, gibt es ein großes Unterhaltungsprogramm. Die Stadt feiert die Geschichte des Wochenmarkts gemeinsam mit den Bürger*innen und stellt zugleich die Bedeutung regionaler Produkte, persönlicher Beratung und eines lebendigen Marktplatzes in den Mittelpunkt der Feier. Die Besucher*innen dürfen sich auf zünftige Unterhaltung, 50 Liter Freibier sowie zahlreiche Aktionen und kulinarische Überraschungen der Markthändler*innen freuen. Also ist in jedem Falle für das leibliche Wohl gesorgt. 

Ein besonderer Höhepunkt ist die kostenfreie Ausgabe der Rezeptsammlung »Friedberg schmeckt«. Das 24 seitige Buch vereint saisonale Rezepte mit frischen Produkten vom Wochenmarkt und erzählt zugleich die Geschichte des Friedberger Wochenmarkts, der seit fünf Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Stadtlebens ist. Daher haben es sich weder der Erste Bürgermeister der Stadt Friedberg Roland Eichmann, noch der Leiter des Bürgerbüros Roland Gerkens nehmen lassen, selbst auch ein Rezept beizusteuern.

Und natürlich finden sich in diesem liebevoll gestalteten Buch viele tolle Rezepte der Marktleute selbst. Rezepte und Kochtricks aus erster Hand. Gekocht und zubereitet mit den eigenen Produkten. Authentischer kann es nicht sein.
 

Roland Gerkens

Seit 1994 ist Roland Gerkens verantwortlich für die Geschicke und die Entwicklung des Wochenmarkts.

www.friedberg.de 

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