»Kein elitärer Kreis«
Im Kontext unserer Serie »Theater.Macht.Zukunft.« traf sich a3kultur mit den Theaterleiterinnen Lisa Bühler (Bluespot Productions, rechts), Susanne Reng (Junges Theater Augsburg, Mitte) und Anne Schuester (Sensemble Theater).
Wie funktioniert die Kommunikation zwischen den freien Theatern in Augsburg?
Reng: Seit 2017 besteht das Netzwerk »Theater in Augsburg« zwischen insgesamt dreizehn Theatern in Augsburg. Wir sind also sehr gut vernetzt und arbeiten gerne zusammen. Gemeinsam haben wir beispielsweise im Stadtrat für mehr Förderung gekämpft.
Bühler: Wir treffen uns einmal im Monat und sprechen sehr offen über alle möglichen Themen, die uns beschäftigen.
Reng: Auch in den Zahlen sind wir sehr offen miteinander.
Schuester: Genau, weil wir nichts voneinander zu verbergen haben. Im Gegenteil, wir können durch diese Offenheit auch mehr gemeinsam erreichen. Darüber hinaus gibt es seit dem zweiten Lockdown einen runden Tisch der freien Theater mit der Stadt Augsburg. Dadurch wurde die Kommunikation zur Stadt auch viel offener und intensiver.
Bühler: In diesem Kreis kommen auch ab und zu Maria Trump und Nicole Schneiderbauer, die für die Vernetzungsarbeit beim Staatstheater zuständig sind, hinzu. Zu denen habe ich auch einen guten Kontakt.
Der Kontakt zum Staatstheater ist also gut.
Reng: Da haben wir verschiedene Ansichten. Für meinen Geschmack ist der Kontakt zum Staatstheater nicht gut. Früher hatten wir viel mehr und besseren Kontakt. Ich habe nichts mit ihnen zu tun.
Bühler: Maria und Nicole sind für mich ansprechbar und wir haben einen guten Draht zueinander. Auch die Tatsache, dass dieser Bereich nun mit zwei Stellen besetzt wurde, ist positiv. Aber ja, früher als Oliver Brunner noch unser Ansprechpartner war, haben wir mehr mit dem Staatstheater kooperiert. Gegenwärtig gibt es zumindest Ideen zu einem Kooperationsprojekt namens L26 in der Ludwigstraße.
Schuester: Wir kooperieren nicht mit dem Staatstheater, daher ist für uns der Kontakt gleichbleibend. Wenn Versuche unsererseits gestartet wurden, wurde uns schnell klar, dass aufgrund von komplett unterschiedlichen Produktionsbedingungen wir nicht mit dem Staatstheater zusammen arbeiten können. Ein Austausch ist aber wichtig. Das Staatstheater ist sehr hierarchisch organisiert, wir nicht. Wir finden dort manchmal keinen Anlaufpunkt für unsere Anliegen. Die Zusammenarbeit mit Nicole und Maria ist aber sehr freundlich und angenehm.
Reng: Nicht falsch verstehen, den Kontakt zu Maria und Nicole finde ich auch sehr nett, aber es führt zu nichts.
Schuester: Ja, das stimmt! Wir haben einmal versucht, eine Schauspielerin für ein Stück auszuleihen, das war nicht möglich.
Wo liegen die Probleme bei der Zusammenarbeit mit dem Staatstheater?
Reng: Es ist manchmal schwierig, mit Vertretern des Hauses zu sprechen, die dann unsere Ideen oder Absprachen erst nach oben tragen müssen. Nicht falsch verstehen, ich spreche gerne mit den Schauspieldirektor*innen, aber die müssen letztlich auch dafür sorgen, dass sie unser gemeinsames Anliegen auch durchbringen.
Bühler: Ich finde es aber wichtig, diese Strukturen, die wir ja auch kritisieren, zu untergraben. Ich spreche gerne mit Vertreter*innen, die sich darum kümmern müssen, dass unsere Entscheidungen auch durchgesetzt werden.
Schuester: Es ist schwierig, mit Leuten zu sprechen, die dann letztlich nicht die Entscheidungsträger sind. Ich kann es sehr gut verstehen, wenn man als Theaterleitung mit Entscheidungsträgern des jeweils anderen Theaters sprechen möchte.
Hat sich denn durch die Bildung des Netzwerkes die Verhandlungen mit der Stadt verändert?
Reng: Ich finde schon!
Schuester: Die erste Verhandlung wäre in diesem Maße überhaupt nicht passiert. Wir sind mit einer klaren Botschaft an die Stadt herangetreten und haben aufgezeigt, was wir als Theater brauchen und genau das wurde bewilligt. Das wäre nicht passiert, wenn jedes Theater einzeln an die Stadt herangetreten wäre.
Wie kommt man in euer Netzwerk?
Schuester: Jedes freie Theater kann bei uns mitmachen. Es gibt keine Aufnahmekriterien etc..
Reng: Wir sind sehr offen.
Bühler: Wir sind ja kein elitärer Kreis. Wir sind so unterschiedlich in unserer Arbeit, Kriterien wären vollkommen falsch.
Welche Rolle spielt denn die Puppenkiste? Spielt sie eine Rolle?
Reng: Gar keine Rolle. Komplett eigener Kosmos sowie auch das Parktheater.
Wie diskutieren freie Theatermacherinnen Themen wie Rassismus, Mobbing, Machtmissbrauch an Theatern?
Reng: Natürlich behandeln wir diese Themen in unserer künstlerischen Arbeit auf der Bühne. Der erste Schritt ist Stücke zu spielen, die diese Themen behandeln und in einem zweiten Schritt müssen wir Schauspieler*innen unterschiedlicher Herkunft auf die Bühne bringen. Der nächste und schwierigste Schritt ist auch mehr Diversität in die Leitungsebenen zu bringen. An diesem Punkt sind wir alle noch nicht angekommen.
Schuester: Struktureller Rassismus und die ganze Diversity Debatte haben wir innerhalb der Ständigen Konferenz diskutiert. In unseren Häusern oder innerhalb unserer Treffen war das aber bisher kein Thema.
Bühler: Coronabedingt hatten wir noch brennendere Themen bei unseren Treffen.
Braucht es eine Beschwerde- und Ombudsstelle für Betroffene von Rassismus, Mobbing, etc. bei der Stadt oder dem Bezirk?
Schuester: Grundsätzlich ist eine Anlaufstelle immer wichtig.
Bühler: Aber vielleicht niederschwelliger als bei der Stadt oder beim Bezirk.
Immer wieder wird die Möglichkeit diskutiert, Clubs oder auch Theater nur für Geimpfte zugänglich zu machen. Würdet ihr nur für Geimpfte spielen?
Schuester: Diese Regel wird es nicht geben. Unter der 3G Regel, also nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete zu spielen, können wir uns aber vorstellen.
Reng: Wir spielen schon unter der 3G Regel, anders könnten wir bei unseren Bürgerbühnenprojekten gar nicht arbeiten. Nur für Geimpfte zu spielen, kann ich mir aber nicht vorstellen. Viele können nicht geimpft werden. Wir spielen zum Beispiel für Kinder – wie soll denn das gehen?
Im Netzwerk »Theater in Augsburg« zusammengeschlossen sind: Sensemble Theater, Junges Theater Augsburg, Bluespot Productions, Kleks Theater, Clowness Theater, Märchenzelt, Faks Theater Augsburg, Moussong Theater mit Figuren, Theater Fritz und Freunde, theater.interkultur, Theaterwerkstatt Augsburg, theter ensemble, Staatstheater Augsburg.
Mehr Infos: www.theater-in-augsburg.de