Politik & Gesellschaft

Kein Problem, über Geld zu sprechen

a3kultur-Redaktion

Ein Interview mit Johannes Willburger, Vorsitzender von un•schaetz•bar e.V.

a3kultur: Herr Willburger, Sie sind Gründungsmitglied und Vorsitzender von unschätzbar, dem Förderverein der bkp. Wie kam es denn zu dessen Gründung?

Johannes Willburger: Als wir uns vor bald zwanzig Jahren zusammenfanden (der Verein wurde am 27. Juli 2004 gegründet), war der Ursprungsgedanke, ein freischaffendes Orchester, wie es die bkp nun einmal ist, in der Möglichkeit zu unterstützen, sich zu etablieren. Es sollte ein Umfeld mit Kontakt und Connect zu den Menschen geschaffen werden, die sich mit der Kunst der bkp identifizieren können.

Das ist Ihnen gelungen. Wie aber kam es zum ersten Impuls für die Gründung?

Die Initiative entstand eigentlich im Orches­ter. Ich hatte damals schon Kontakt zu einigen Musikern aus diesem Kreis. Insbesondere zu einem hervorragenden Kontrabassisten, dem ich einmal behilflich sein konnte, sein Instrument zu finanzieren. Über diesen Kontakt wurden wir damals sehr freundlich gebeten, eine dieser typisch deutschen Einrichtungen, eben einen Verein, zur Unterstützung des Orchesters zu organisieren.

War es schwierig, Gleichgesinnte zu finden?

Nein, eigentlich nicht. Wir hatten bald einige Mitstreiter und Mitstreiterinnen gefunden und konnten so gemeinsam einen wirtschaftlichen Rahmen garantieren.

Wie darf man sich das Vereinsleben denn so vorstellen?

Die offiziellen Termine beschränken sich auf das Notwendigste. Viel wichtiger als die »Vereinsmeierei« ist es für uns, ein Umfeld der persönlichen Begegnung zwischen Freunden, Förderern, Ensemble und Solisten zu ermöglichen.
So werden zum Beispiel rund um die Auftritte Empfänge organisiert. Wir achten dabei auch auf einen gewissen kulinarischen Rahmen, den wir selbst organisieren und dabei im Vorfeld auch gerne selbst an den Kochtöpfen stehen, wie ich betonen möchte. Das kommt sehr gut an und hat eine hohe Bindungskraft nach allen Seiten, auch für die geladenen Künstler und Künstlerinnen.
Darüber hinaus leisten wir oft praktische Hilfestellungen, also bei Übernachtungen oder bei Transportfragen. Dieser Support geht weit über das Finanzielle hinaus.

Was treibt Sie an, dieses Engagement zu leisten?

Es ist wohl die Leidenschaft und die Zuneigung der Mitglieder für die Kultur im Allgemeinen und die Musik im Speziellen, die das alles möglich macht. Aber man wird ja auch dafür belohnt. Wir sind Teil dieser großartigen Konzerte, und die in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu erleben, ist wunderbar.
Und man entkommt der Anonymität. So ging es auch meiner Frau und mir. Früher sind wir auf Konzerte gegangen und kannten kaum andere Besucher. Das ist heute anders. Das Beziehungsarretierte war und ist von großer Wichtigkeit. Und das Highlight ist seit Jahren das Sommerfest nach dem Abschlusskonzert im Garten eines unserer Vorstandsmitglieder.

So ein Verein verlangt persönliches Engagement.

Es fühlt sich aber auch keiner unter Druck gesetzt, wenn er nur Geld gibt. Wir leben eine hohe Verbindlichkeitskultur die nicht zwanghaft wirkt. Ganz so, wie es im ehrenamtlichen Vereinsleben gedacht ist. Davon lebt unschaetzbar, und das motiviert Menschen wie mich, meine Frau oder die andern gut 120 Mitglieder, die der Verein gegenwärtig zählt.

Wie hoch sind eigentlich die Beiträge?

Unsere Jahresbeiträge sind recht moderat. Es geht bei 30 Euro für Studenten los und endet bei 500 Euro für Unternehmen. Wer mehr geben will, wird jedoch nicht davon abgehalten. Es ist keine Frage des Geldbeutels, sich bei uns zu engagieren. Es ist eher eine Frage des Sich-einbringen-Wollens und der Leidenschaft.

Ein nicht unwichtiger Teil Ihrer Vereinsarbeit liegt in der Unterstützung der Arbeit der bkp in finanzieller Hinsicht.

Wir unterhalten uns bei jedem Treffen über das Thema Förderung und Sponsoring. Da hat sich in den letzten Jahren sehr viel entwickelt. Es gibt jedoch keine Kaltakquise. Meist bestehen unmittelbare Verbindungen zum Verein. Dieses Wirken findet meist hinter den Kulissen statt. Die Ergebnisse sind jedoch öffentlich. Sie können sie in allen Publikationen der bkp nachsehen.

Sie haben demnach kein Problem, über Geld zu sprechen?

Nein, ich bin der Meinung, dass man auch in der Kultur über Geld sprechen können muss. Fragen Sie unsere Mitglieder. Sie kennen meine Ermutigungsreden bei unseren Empfängen ganz gut. Aber durch dieses Engagement ist das Orchester auch ganz gut durch die letzten Jahre gekommen.
Das war nicht immer so. Ganz zu Anfang hatte sich die finanzielle Verantwortung beim Orchester auf zu wenige Schultern verteilt. Dieses Problem musste grundlegend besprochen, Lösungen gefunden werden. Nun kommt ein bedeutender Teil der Finanzierung für die Arbeit der bkp aus dem Verein. Wobei ich immer wieder betone, dass die gegenwärtige Situation nicht unser alleiniger Verdienst ist, sie wurde bidirektional erreicht.
Mit Valentin Holub, aber auch seinem Vorgänger Alexander Scheirle hat und hatte die bkp Geschäftsführer, für die künstlerische Aspekte von Bedeutung sind, allerdings auch die harten Fakten der Finanzierung zählen. Valentin Holub ist für uns immer erreichbar und bei jedem Treffen vor Ort. Der Orchestervorstand berichtet ausführlich über die wirtschaftliche Situation. Es wird nach vorn gedacht. Das empfinde ich als angenehm und als Zeichen für ein professionell geführtes Ensemble.

Welche Rolle spielt die Leidenschaft zur Klassik für Ihr Engagement? Musizieren Sie selbst?

Die Musik war in unserer Familie immer ein großes Thema. Ich selbst versuchte mich einige Jahre an der Klarinette, wechselte jedoch später zum Klavier. Ich bin aber beileibe nicht mit dem größten musikalischen Talent unserer Familie gesegnet und hinke den eigenen Erwartungen immer ein wenig hinterher. So spiele ich vor allem abends zur Entspannung. Allerdings auf einem wunderbaren Steinway-Klavier von 1954. Das konnte mein Vater vor vielen Jahren erwerben. Ich hab es nun komplett durchsaniert. Dabei ist übrigens auch ein schönes Bilderbuch über die Transformation vom damaligen Istzustand in den Sollzustand entstanden.

Lassen Sie uns zum Anschluss des Gesprächs noch kurz auf das aktuelle Saisonprogramm der bkp eingehen. Welcher der geplanten Termine ist für Sie von besonderem Reiz?

Hier eine Antwort zu finden, ist gar nicht so einfach. Wenn ich mich aber zu entscheiden habe, wähle ich das Programm »Väter & Söhne« am 4. Dezember. Der Titel ist, wie so oft bei der bkp, sehr gut gewählt. Er erinnert mich an meinen Vater, den ich viel zu früh verloren habe. Ich bin immer sehr beeindruckt, wie unser Konzertmeister Gabriel Adorján und sein Vater András Adorján ihre Beziehung leben, auch musikalisch.

 

Mehr dazu auch in unserer Sonderveröffentlichung zu 125 Jahre Ben-Haim.

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