Ausstellungen & Kunstprojekte

Kleine Welten

Gastautor

Im Maximilianmuseum wird gezeigt womit Kinder im 18. und 19. Jahrhundert gerne spielten und sich die Zeit vertrieben. Iacov Grinberg hat die Ausstellung besucht.

Schon viele Jahre veranstaltet das Maximilianmuseum zu den Adventszeiten eine Ausstellung »Kleine Welten«, die Spielzeuge aus vorigen Zeiten zeigt. Diese Ausstellungen erweckten sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern ein großes Interesse. Eigentlich hat das Museum viele Spielzeuge aus alten Zeiten in seinem Besitz. Jedes Jahr zeigt diese Ausstellung andere Spielzeuge. Einerseits hat das Museum viele Stücke in seinem Depot, viele Spielzeuge sind Leihgaben von verschiedenen Privatbesitzern.

Wir haben die diesjährige Ausstellung zusammen mit zwei Mädchen 7 und 11 Jahren, ihrem Vater und ihrer Großmutter besucht. Die Älteren versuchten den Mädchen das Gesehene aus ihrer Sicht zu erklären. Die anderthalb Stunden waren voll mit Verwunderung, Fragen und Antworten.

In der ersten Vitrine mit Spielzeug-Kaufladen erklärte die Großmutter ihren Enkeln, dass in ihrer Kindheit, die sie in der UdSSR verbrachte, ein solches Spielzeug undenkbar gewesen wäre. Der Einzelhandel hatte damals in der UdSSR kein gutes Ansehen. Man förderte das Spielen in Kaufläden kaum. In Deutschland war der Einzelhandel dagegen eine angesehene Beschäftigung.

Einige Objekte dieser Vitrine waren für Kinder leicht erkennbar, wie die Waage mit einem speziellen Behälter für Schüttwaren, ein Kassenapparat. Eine Büchse mit der Inschrift »Kindergeld« war für Spielmünzen. Ein großer Schrank mit Schubladen, den es heute in Kaufläden kaum mehr gibt, erinnerte die Kinder an eine alte Apotheke.

In der zweiten Vitrine wurde vor allem dem großen Spielekoffer Aufmerksamkeit geschenkt. Alle erkannten schnell Domino- und Lotto-Steine. Diese Spiele sind noch heute den Kindern bekannt. Natürlich wurden auch Spielkarten erkannt. Die Großmutter erklärte uns, dass in ihrer Kindheit Spielkarten für Kinder nicht verboten, aber nicht empfohlen wurden. Man hatte Angst, dass Kinder mit den Spielkarten Glücksspiele spielen könnten. Ebenso zwei kleine schwarze Becher für Würfelspiele waren zu entdecken. Diese waren für Kinder verboten, da sie mit Glücksspielen in Verbindung gebracht wurden.

Die nächste Gruppe der Spielzeuge, Handspielpuppen, hat aller erfreut, denn alle spielten in ihrer Kindheit mit Handspielpuppen. Die Mädchen haben Kasperle, Polizist, Großmutter und Hexe gleich erkannt. Nur die Figur, die in der Beschreibung als »Inuit (Eskimo)« bezeichnet wird, war für sie rätselhaft. Die Begeisterung mündete in dem Versprechen der Älteren den Kindern solche Puppen zu kaufen.

In den vielen weiteren Vitrinen waren weitere sehr spannende Ausstellungsstücke zu entdecken. Neben Küchenutensilien für Puppen oder Spielzeugschreibmaschinen auch Puppenhäuser oder auch einen Hutladen und ein Papiertheater.

Anschließend erfuhr ich, dass die Gespräche über die Ausstellung in der Familie noch bis spät in den Abend weiterging. Die Ausstellung hat also Groß und Klein nachhaltig beeindruckt.

Es lohnt sich zweifelsohne, diese Ausstellung zu bewundern, auch mit Kindern. Ich kann Ihnen empfehlen, liebe Leser*innen diese Ausstellung zu besuchen. Das ist noch bis 5. Februar 2022 möglich. Es gibt auch Kuratorinnen-Führungen in der Ausstellung mit Dr. Christina von Berlin, jeden Samstag um 15 Uhr außer am 24. und 31. Dezember 2022. Viel Vergnügen beim Besuch!