Ausstellungen & Kunstprojekte

Kunst am Campus

Bettina Kohlen
12. Februar 2021

Da Ausstellungsräume wohl noch eine ganze Weile geschlossen bleiben, weichen wir auf Internetangebote aus, die mal mehr, mal weniger spannend sind. Wer Werke der bildenden Kunst doch lieber »in echt« erleben möchte, bekommt sie auf dem Campus der Universität Augsburg in reichem Maße geliefert. Das weitläufige Gelände, wie das angrenzende Wohnviertel auf dem ehemaligen Flugplatz angelegt, ist seit seinen Anfängen in den 1970er-Jahren bis heute zu einem veritablen Skulpturenpark herangewachsen.

Zum 50. Geburtstag der Universität erschien vor Kurzem als überarbeitete und ergänzte Neuauflage ein hilfreicher und handlicher Kunstführer, der auf 120 Seiten 30 Kunstwerke vorstellt. On top gibt es erfreulicherweise ein Kapitel zur Architektur des Universitätscampus (Autor: Gregor Nagler). Der Campus der Universität bietet Raum für weit über 100 Kunstwerke, viele im Außenraum zu finden, manche auch in den normalerweise frei zugänglichen Gebäudefoyers. Das kleine Buch geht besucherorientiert an die Sache heran, es handelt sich hier also nicht um ein vollständiges Verzeichnis der Kunst am Campus. Die Herausgeber*innen Constanze Kirchner, Professorin für Kunstpädagogik, und Hans-Otto Mühleisen, emeritierter Professor für Politikwissenschaft, haben fünf Rundgänge konzipiert, die weitgehend die chronologische und die räumliche Zuordnung der Kunstwerke miteinander verbinden.

Kunst im öffentlichen Raum muss in ihrer Materialität, Mehransichtigkeit und Oberflächengestaltung ihrer Umgebung standhalten. Naheliegend, dass es sich vor allem um Werke der Bildhauerkunst handelt, die traditionelle Kunstgattung im öffentlichen Raum, da sie diesen nachdrücklich mitgestaltet. Auch wenn heute nicht mehr alle Kunstwerke am ursprünglichen Aufstellungsort zu finden oder, wie der »Novalis-Hain« von Nils-Udo, bis auf ein paar Felsblöcke gänzlich verschwunden sind, wurden die auf dem Unicampus versammelten zeitgenössischen Kunstwerke für ihren jeweiligen Standort entwickelt oder gezielt ausgewählt, sodass Raum, Ort und Werk zueinander in Beziehung treten. Auf zuvor weitgehend unbebauter Fläche ist in rund 45 Jahren ein neuer Forschungs- und Bildungsraum entstanden, der sich nach und nach ausgedehnt hat. Das Tableau für diese vielfältigen Bauten und Skulpturen bildet die nach wie vor prägende Gartenlandschaft mit Wasser, Grünflächen und zahlreichen Wegen. Der Campus der Universität Augsburg erweist sich – auch wenn coronabedingt gerade wenig los ist – als Organismus, dessen stetige Entwicklung sich auch an den über die Jahre entstandenen Kunstwerken ablesen lässt.

Kirchner, Constanze/Mühleisen, Hans-Otto (Hrsg.): Universität Augsburg. Kunst am Campus, 2., neu bearbeitete und ergänzte Auflage, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2020, Preis: 5 Euro

www.uni-augsburg.de/kunst-am-campus

Abbildung oben: Eine Aufforderung zum Spazierengehen – Benoît Tremsals Arbeit »Promenade« von 2012 aus gelblich gefärbtem Sichtbetonguss erinnert an ein Bergpanorama. (Foto © Bettina Kohlen)

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