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a3kultur-Redaktion

Mit dem Zeitsicht Award wechselt ein privat initiiertes Kunstprojekt in städtische Verantwortung. Von Jürgen Kannler

Eberhard Hauser gehört mit seiner Beratungsfirma Hauser Consulting zu den Vorzeigeunternehmern unserer Region – überregional erfolgreich und mit starker Verbundenheit zum Standort Augsburg. Zweifelsohne ein Mann, der weiß, welche Bedeutung Kunst und Kultur für einen attraktiven Wirtschaftsraum haben – und der danach handelt. Er ist aktiver Teil unserer Kulturlandschaft, besucht die Theater der Region ebenso selbstverständlich wie die Salzburger Festspiele. Beteiligt sich an den Diskursen unserer Zeit. Ist aktives Mitglied im BBK und vergibt als Unternehmer seit mehr als 20 Jahren den Zeitsicht Kunst Award. Doch damit ist nun Schluss.

Beim Zeitsicht Award, immerhin der wichtigsten Auszeichnung für Kunst der Gegenwart, die in unserer Region vergeben wird, gibt es einen Wechsel in der Trägerschaft: Der Preis wird in Zukunft unter der Verantwortung der Kunstsammlungen & Museen der Stadt Augsburg vergeben. Zeitgleich wird das Projekt konzeptionell neu aufgestellt.

Über eine Fördervereinbarung, zunächst für die ersten beiden Ausgaben mit neuem Konzept, bleibt Eberhard Hauser dem Award verbunden. Jeweils 20.000 Euro stellt sein Unternehmen den Kunstsammlungen Augsburg in den Jahren 2024 und 2026 zur Verfügung. Ein Drittel davon geht künftig an die ausgezeichneten Künstler*innen. Damit ist der Zeitsicht Award nicht üppig, aber solide ausgestattet. Die Ausgezeichneten werden dazu eingeladen, wie gehabt einen Aspekt ihrer Arbeit im Rahmen einer Soloausstellung in der städtischen Neuen Galerie im Höhmannhaus zu präsentieren.

Die Auslobung eines Preisgeldes ist einer der neuen Aspekte der Konzeptänderung. Ein weiterer wird sein, dass die Ausgezeichneten von einer, noch zu benennenden, Jury ausgewählt werden. Bisher war die Kuration meist einer prominenten Person aus dem internationalen Kunstmarkt angetragen. Diese wählte eine vielversprechende Nachwuchskraft – in der Regel aus ihrem persönlichen Arbeitsumfeld – aus, um in der Galerie im Höhmannhaus eine Ausstellung zu gestalten; ein Konzept, das auch im zeitlichen Abstand ebenso originell und tragfähig wirkt.

Es ist gut, dass der Leiter der Kunstsammlungen Augsburg Dr. Christof Trepesch den Zeitsicht Kunst Award unter seine Fittiche nimmt. Solch ein Format fehlt im Portfolio seiner Häuser. Der Preis kann ein weiterer Baustein im anstehenden Transformationsprozess beim Thema Gegenwartskunst in unserer Region sein. 
Zu beachten ist aber auch, dass seine Häuser schon seit ewigen Zeiten ihren Aufgaben mit zu wenig Personal und geringen Projektetats nachkommen sollen, eine Tatsache, die auch dem städtischen Kulturreferenten Jürgen Enninger klar ist. Wenn er im Gespräch auf zehn neu geschaffene Stellen im Aufsichtsbereich verweist, betont er gleichzeitig, dass weitere Schritte im Personalbereich der Kunstsammlungen folgen müssen, um den zuletzt immer weiter gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Auch das beste Aufsichtspersonal ist kein Ersatz für unzureichende Personalstärke im Team der Kurator*innen. Wir werden sehen, wie die Stadt den Spagat zwischen wachsenden Aufgaben bei sinkenden Budgetmöglichkeiten meistern will.

Und Eberhard Hauser ... wie geht es dem leidenschaftlichen Kulturmenschen mit der Aussicht, sein Zeitsichtprojekt aus der Hand zu geben? Er hat allem Anschein nach kein Problem, loszulassen, und freut sich, dass der Award auch weiterhin in guten Händen bleiben wird.

Lesen Sie dazu auch unser Interview mit Eberhard Hauser in unserer Sonderveröffentlichung vom Juli 2022 aus Anlass der Jubiläumsausstellung »20 Jahre Zeitsicht Kunst Award«. 

www.zeitsicht.info
 

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