Im ausverkauften Rokoko-Festsaal des Schaezlerpalais widmeten sich vier Fortepiano-Koryphäen an ebenso vielen kostbaren Originalinstrumenten aus Augsburg, Regensburg und zwei Londoner Werkstätten der hohen Kunst des zwei- bis fünfhändigen Sonatenspiels. Nicht zuletzt die im späten 18. Jh. gebauten Augsburger Instrumente von Johann Andreas Stein waren dank innovativer Mechanik in ganz Europa rege nachgefragt und erfüllten höchste Qualitätsansprüche.
Leidenschaftliche Musikhistoriker*innen
Der Bezirk Schwaben lädt im Rahmen seiner Kulturarbeit zu Konzerten ins Schloss Höchstädt. Auf dem Programm des ersten Abends stand das Minguet Quartett mit Werken von Mozart, Bartholdy und Wilms.
Anfang April führte der Weg nach Höchstädt durch das winterliche Donauried. Unser Ziel: der Rittersaal, ein prächtiger Ort im anspruchsvoll renovierten Schloss. Ein Kulturort mit Museum, Ausstellungsräumen, Festsaal und einigem mehr. Auf dem Dach die Störche in ihrem ausladenden Nest. Ihr Klappern mit den Schnäbeln hört man bis in den Hof.
Der Saal im zweiten Stock ist angenehm geheizt. Sämtliche Stühle sind besetzt. Wäre das Konzert einen Tag später angesetzt worden, hätten noch einige Menschen mehr in den Genuss des Konzerts kommen können. Die Nachfrage war da.
Der Bezirk Schwaben lud im Rahmen seiner Kulturarbeit am 2. April ins Schloss. Auf dem Programm stand das Minguet Quartett mit Werken von Mozart, Bartholdy und Wilms. Eigentlich war das Konzert mit dem international gefragten Streichquartett schon 2020 geplant. Aber das ist eine andere Geschichte.
Matthias Hain, beim Bezirk für Musik und andere schöne Dinge verantwortlich, führte das Ensemble als eine Gruppe leidenschaftlicher Musikhistoriker*innen ein. Eine zutreffende Belegung. Sie eröffnen den Abend mit Johann Wilhelm Wilms, einen Zeitgenossen Ludwig van Beethovens und wie dieser geborener Rheinländer. Wenn auch nicht annähernd so populär wie sein Kollege, fand er dennoch sein Glück – in Amsterdam. In Höchstädt gab es sein Streichquartett Nr.1 g Moll zu entdecken. Ein stimmungsvolles, technisch durchaus anspruchsvolles Werk und damit ein gelungener Einstieg in diesen Kunstabend.
Es folgte das Dissonanzen-Quartett von Wolferl Amadé Mozart. Ein Klassiker, der mühelos zwischen den Zeiten zu springen vermag, wenn man so will. Nach zwei, livemusikalisch nahezu leeren und damit faden Pandemiejahren, war es, wie auf einen guten alten Freund zu stoßen. Irgendwie bewegend und glücklich machend zugleich.
Nach der Pause folgte Felix Mendelsohn Bartholdys Streichquartett Nr.3 d-Dur. Dem Publikum hat es sichtlich gefallen, wie der gesamte Abend. Auch wenn die Eine oder der Andere, von der ebenso kurzen wie geheimnisvollen Zugabe zum Finale, nicht recht wusste, wie diese nun zu verstehen war. Ist ja auch nicht so wichtig, an so einem schönen Abend. Und bei diesen Künstler*innen.
Im weltweiten Netz ist zu erfahren: »Ihr Namenspatron ist Pablo Minguet, ein spanischer Philosoph des 18. Jahrhunderts, der sich in seinen Schriften darum bemühte, dem breiten Volk Zugang zu den schönen Künsten zu verschaffen: Das Minguet Quartett fühlt sich dieser Idee auf seinen Konzertreisen mehr denn je verpflichtet.«
Das nächste Konzert im Höchstädter Rittersaal ist am 7. Mai zu hören. »Le Bœuf sur le Toit« - Französische Musik von 1870 bis 1920 für Klavier zu vier Händen mit dem Duo Jost Costa. Beginn ist um 19 Uhr.
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