Leonardo, das Universalgenie
Die neue Sonderausstellung im Ballonmuseum Gersthofen widmet sich der weniger bekannten Seite des berühmten Malers der Renaissance.
Die gewaltige Replik des historischen Heißluftballons »Erdlieb« in der beeindruckenden Rotunde des Ballonmuseums Gersthofen hat vorübergehend einen kleineren Begleiter gefunden. Es handelt sich dabei um ein Modell eines Flugapparats nach Plänen von Leonardo da Vinci und ist eines von 12 Modellen nach da Vincis Zeichnungen, von denen 50 authentisch nachgearbeitete Faksimiles ab sofort bis zum 15. Januar 2023 im Gersthofener Ballonmuseum ausgestellt sind.
Leonardo da Vinci (1452–1519) war eines der großen Universalgenies der Renaissancezeit und prägte wie kaum ein anderer die folgenden Jahrhunderte.
Als Maler ist er durch Werke wie die »Mona Lisa« oder »Das Abendmahl« weltbekannt. Der Künstler tritt hier allerdings ein wenig hinter dem Wissenschaftler zurück. Dennoch bestechen die Studien und Ideenskizzen, von hydraulischen Maschinen und Wasserpumpen über Fahr-, Flug- und Messgeräte bis hin zur menschlichen Anatomie, durch ihre grafische Qualität und die Akribie der Zeichnung. Natürlich dürfen auch berühmte Werke wie der vierarmige und -beinige »Vitruvianische Mensch« (um 1490), der es zu ikonischem Status gebracht hat und heute sogar die Servicekarte einer Krankenkasse ziert, nicht fehlen.
Die Bezüge zur Gegenwart sind auch sonst offensichtlich und bedürfen keiner Erklärung: Automobil, Fallschirm und Hubschrauber – für uns heute selbstverständlich – haben ihre Wurzeln zumindest hinsichtlich des Grundprinzips in den Ideen da Vincis. Das macht die Ausstellung nicht zu einer abgehobenen Bilderschau, sondern zu einem Blick in die Anfänge moderner Ingenieurskunst und unserer eigenen technisierten Lebenswelt.
Ein Hauch von »Knoff Hoff«
Richtig aufregend wird es bei den Modellen (so sie in Reichweite sind). Diese haben nicht nur den Transfer von der Zweidimensionalität der Zeichnung ins Dreidimensionale geschafft, sondern sind auch funktionstüchtig: eine Art Aufziehauto aus Holz, ein wunderbar laut klackendes Uhrwerk, eine Mondphasenuhr, deren Sinn heute unklar erscheinen mag, die aber rein durch ihre sinnliche Ausstrahlung verzaubert, und eine Art Kilometerzähler, groß wie eine Schubkarre.
Der Drang, nach dem Studium der Theorie einmal selbst Hand anzulegen und das Material zu spüren, muss leider gezügelt werden: Die Maschinen, allesamt handgefertigte Unikate, dürfen nur vom Museumspersonal bedient werden. Immerhin: Für Kinder gibt ein museumspädagogisches Begleitprogramm, in dem eigene Flugapparate ersonnen und gebastelt werden dürfen.
Fazit: Ein spannender Blick in das Lebenswerk eines unermüdlichen Forschers und Künstlers, dessen Wissensdurst und Experimentierfreude kaum Grenzen kannte.
Leider richtet sich die sauber und durchdacht arrangierte Ausstellung mit ihren wertvollen Exponaten (zur Verfügung gestellt vom Institut für Kulturaustausch, Tübingen) doch eher an ein ehrfürchtiges Kunstpublikum, als eine Ausstellung zum Anfassen zu sein. Zum Glück für alle Kinder und Kindgebliebenen kann dies anschließend in der Dauerausstellung des Ballonmuseums nachgeholt werden.
Das könnte Sie auch interessieren
Malerische Landschaften
Formen die Leuchten
Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.