Film

Literatur fürs Auge

Erkennt Julika (Paula Beer) ihren Mann Stiller oder ist James Larkin White (Albrecht Schuch) wirklich nur ein Fremder? © Studiocanal GmbH

Verfilmungen von literarischen Vorlagen und Biografien bekannter Persönlichkeiten sind das vielleicht schwierigste Filmgenre. Haben unsere drei Oktober-Filme das Zeug zum guten Schmöker oder sind sie eher etwas für den Grabbeltisch der Mängelexemplare?
 

»Jane Austen und das Chaos in meinem Leben« (16. Oktober, Kinodreieck)

Agathe (Camille Rutherford), jung, hübsch und hoffnungslos alleinstehend, arbeitet in einer Buchhandlung und hat eine Jane-Austen-Romanempfehlung für alle Lebensfragen. Wenn sie nicht gerade den Eroberungsgeschichten ihres besten Freundes Félix (Pablo Pauly) lauschen muss, träumt sie davon, selbst Schriftstellerin zu werden. Als Félix die ersten Kapitel ihres Romans bei einem Schreibwettbewerb einreicht und Agathe einen Aufenthalt in der Jane Austen Writers’ Residency gewinnt, muss die unbeholfene Mittdreißigerin ihre Komfortzone verlassen. Ehe Agathe sich versieht, steckt sie selbst bald mittendrin in einem modernen Jane-Austen-Roman – zwischen Stolz, Vorurteil und vielleicht doch der ganz großen Liebe.
Klingt wie eine Rom-Com aus den Nullerjahren? Genauso fühlt sich der Film auch an. Trotz oder sogar wegen der bekannten Klischees ein liebenswerter Streifen für gemütliche Herbstnachmittage, auch wenn er seiner literarischen Namenspatin nicht ganz gerecht wird. 
 

 

»Franz K.« (23. Oktober, Kinodreieck, Liliom)

Prag, Anfang des 20. Jahrhunderts, und natürlich ist Franz Kafka (Idan Weiss) zerrissen – zwischen der Autorität des fordernden Vaters, der Routine im Versicherungsbüro und der stillen Sehnsucht nach künstlerischer Entfaltung. Während seine Texte erste Leser finden, beginnt die Reise eines jungen Mannes, der sich nach Normalität sehnt, jedoch den Widersprüchen des Lebens begegnet, dabei Literaturgeschichte schreibt und sich immer wieder Hals über Kopf verliebt. Getrieben von Liebe, Fantasie und dem Wunsch nach Respekt, unterstützt von seinem Freund und Verleger Max Brod (Sebastian Schwarz), entfaltet sich das ebenso berührende wie skurrile Porträt eines der faszinierendsten Denker der Moderne. Ein Film wie Kafkas Werk selbst: überraschend, poetisch, unvergesslich.

In Agnieszka Hollands »Franz K.« lernen wir durch Idan Weiss einen in sich gekehrten, zerrissenen, hin und wieder pedantischen Kafka kennen. Aber auch seine ausgelassene Seite, zum Beispiel in freundschaftlicher Runde, bleibt uns nicht verborgen. Dieser schöne Gegenentwurf ist eine erfrischend andere Perspektive auf den Menschen Kafka, die sonst oft von Melancholie und Schwere geprägt ist. Sein Werk und dessen heutige Rezeption bleiben dabei ebenso nicht unbeleuchtet. 
 

 

»Stiller« (30. Oktober, Kinodreieck, Liliom)

Bei einer Zugreise durch die Schweiz wird der US-Amerikaner James Larkin White (Albrecht Schuch) an der Grenze festgenommen. Der Vorwurf: Er sei der vor sieben Jahren verschwundene Bildhauer Anatol Stiller, der wegen seiner Verwicklung in eine dubiose politische Affäre gesucht wird. White bestreitet seine Schuld und beharrt darauf, nicht Stiller zu sein. Um ihn zu überführen, bittet die Staatsanwaltschaft Stillers Frau Julika (Paula Beer) um Hilfe. Aber auch sie vermag ihn nicht eindeutig zu identifizieren, aber in Erinnerungen wird die Beziehung des Ehepaars mehr und mehr offengelegt. Auch der Staatsanwalt (Max Simonischek) hat eine überraschende Verbindung zu dem Verschwundenen. Was ist damals genau passiert und wer ist Stiller wirklich?

Erzählerisch ist Stefan Haupts Verfilmung von Max Frischs gleichnamigem Klassiker eher konservativ gehalten, aber dennoch eine gelungene Charakterstudie, in der vor allem Albrecht Schuch all sein Können zeigt. Leichter verdaulich als die gut 450 Romanseiten sind die 99 Minuten im Kino obendrein – noch dazu mit einem etwas anderen Ende. 
 

Idan Weiss Franz Kafka © Marlene Film Production X-Verleih AG
Filmfigur des Monats: Idan Weiss
  • Geboren: 1997 in Seesen bei Goslar
  • Beruf: Schauspieler
  • Ausbildung: u.a. Arturo Schauspielschule, Internationale Akademie für Filmschauspiel – IAF
  • Sprachen: Deutsch, Hebräisch, Englisch, Französisch#
  • 2018: erste Filmrolle in »Date Day«
  • 2019: erste tragende Rolle in »TKKG«
  • Sänger der Band Traumwerk
  • Besitzt den Traktorschein Klasse L und einen Gabelstaplerführerschein
Kinoevents im Oktober: 

MI 01.10. CINEMAXX, CINEPLEX – Puccinis »Tosca« live aus der Royal Opera London
DI 07.10. Alle Kinos – Best of Cinema »Sie leben«
MO 13.10. KINODREIECK – Queerfilmnacht »Skinny Love«
SA 18.10. CINEMAXX, CINEPLEX – Bellinis »La Sonnambula« live aus der Metropolitan Opera
DO 30.10. CINEMAXX – »The Rocky Horror Picture Show«
FR 31.10. KINODREIECK – »The Rocky Horror Picture Show« 
 

Kinostarts im Oktober: 

DO 02.10. CINEMAXX, CINEPLEX – Avatar: The Way of Water | CINEMAXX – A Big Bold Beautiful Journey // Momo // Bluey im Kino: »Küchenspaß«-Kollektion | LILIOM – A Big Bold Beautiful Journey // The Smashing Machine | KINODREIECK – Nur für einen Tag
DO 09.10. CINEMAXX – Gabby’s Dollhouse: Der Film // Tron 3: Ares | KINODREIECK, LILIOM – Amrum | LILIOM – Zweigstelle
DO 16.10. KINODREIECK – Alles voller Monster  | LILIOM – After the Hunt 
DO 23.10. CINEMAXX – All das Ungesagte zwischen uns | LILIOM – Das Verschwinden des Josef Mengele // Springsteen – Deliver Me From Nowhere
DO 30.10. CINEMAXX, KINODREIECK – No Hit Wonder | KINODREIECK, LILIOM – Pumuckl und das große Missverständnis | LILIOM – Bugonia
 

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