Club & Livemusik

Mehr als Tango

Más de Tango im tim
Gastautor

Das Ensemble Más Que Tango begeistert beim Allerheiligenkonzert im tim und Museumsdirektor Dr. Karl B. Murr erweist sich dabei als feinfühliger Poesie-Botschafter.

Die Leichtigkeit der Melancholie

Der Programmtitel »Ora Zero« geht zurück auf das 1977 veröffentlichte Album des Tango Großmeisters und Begründers des Tango Nuevo: Astor Piazzolla.

Argentinien befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits unter Militärdiktatur (1976-1983) mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung. Über 30.000 Menschen wurden währenddessen vom Militärregime »heimlich« entführt, gefoltert und ermordet.

Die von Piazzolla beschriebene »Stunde Null« darf also als Tiefpunkt wie auch als Versprechen auf eine Veränderung hin zum Besseren gedeutet werden.

Oder wie es Museumsdirektor Dr. Karl B. Murr ausdrückte, »als Zwitter Moment zwischen Tragik und Hoffnung«.

 

Mehr als Tango

Diesen beiden Extremen an Gefühlen gerecht zu werden, ist keine leichte Aufgabe. Doch dem Ensemble Más Que Tango (dt. »mehr als Tango«), ist es auf wunderbare Weise gelungen, die tragischen wie hoffnungsvollen Momente des Lebens musikalisch umzusetzen und direkt in die Herzen aller Zuhörenden zu transportieren. Neben neun Kompositionen von Piazzolla erklangen neun aus anderer Feder. Alle auf höchstem Niveau interpretiert, alle zu tiefst berührend. Spieltechnische Perfektion und menschliche Wärme treffen selten so herausragend zusammen wie bei diesem Quartett, bestehend aus: Iris Lichtinger (Klavier), Christian Gerber (Bandoneon), Martin Franke (Violine) und Edward King (Violoncello).

 

Über die Vergänglichkeit

Als feinfühliger Interpret von Gedichten zum Thema Vergänglichkeit erwies sich Museumsdirektor Dr. Karl B. Murr, der dadurch eine philosophische Brücke schlug zwischen Musik und Poesie. Die Auswahl reichte von Andreas Gryphius, Federico Garcia Lorca, Ingeborg Bachmann, Hilde Domin, bis hin zu Jan Wagner.

Reich beschenkt mit wundervoller Musik und vielen emotionalen Höhepunkten gingen die Besucherinnen und Besucher noch dem Gehörten nachsinnend nach Hause, um sich vielleicht bei einem Glas Rotwein nochmals die Platte von Astor Piazzolla aufzulegen.

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