Klassik
Politik & Gesellschaft

Musik macht stark

Gastautor

Warum wir eher mehr als weniger Musikunterricht benötigen. Ein Gastbeitrag von Ute Legner
 

»Bayern baut die Grundschule um« – so titelte die Augsburger Allgemeine im Januar, nachdem die Ergebnisse des jüngsten Pisa-Tests das ganze Land in Schockstarre versetzt hatten. Die »Fokussierung auf die Kernfächer« Deutsch und Mathematik soll’s nun richten, bei gleichbleibender Unterrichtszeit. »Flexibilisierung der übrigen Fächer« wird der Kniff genannt, Lehrkräfte und Schulleitungen vor Ort können künftig selbst entscheiden, wie viel Musik, Kunst oder HSU noch unterrichtet wird. Diese Botschaft ließ die Alarmglocken bei allen engagierten Musiklehrkräften sowie kunst- und kulturaffinen Schulleitungen laut schrillen. Widerstand regte sich. Der Bayerische Musikrat, die bayerischen Chorverbände und andere Institutionen schrieben an Kultusministerin Anna Stolz und warnten vor Kürzungen gerade im Musikunterricht. Dass eine aktive Beschäftigung mit Musik über das einzigartige ästhetische Erleben hinaus nicht nur sprachliche, sondern auch soziale und emotionale Kompetenzen fördern kann, ist hinlänglich erwiesen. Zu einem ganzheitlichen Bildungsauftrag gehört zudem – erst recht angesichts aktueller gesellschaftspolitischer Entwicklungen – ganz zentral auch die Persönlichkeitsbildung.

Wir Menschen brauchen die Musik – als Bindeglied und Kommunikationsmittel, als Ausdruck unserer Gefühle und als Raum, in dem wir kreativ sein können und dürfen. Die Kinder und Jugendlichen in der demografisch vielfältigen Stadt und Region Augsburg bedürfen einer starken Allianz für die Musik – Musiklehrkräfte, Musikschulen und lokale Ensembles müssen durch die Politik gestärkt werden hinsichtlich ihrer gemeinsamen Bestrebungen für eine nachhaltige musikalisch-kulturelle Bildung. Dem städtischen Musikvermittlungsprogramm Mehr Musik!, das zur Stabsstelle Kulturelle Bildung im Referat für Kultur, Welterbe und Sport gehört, kommt dabei eine besondere Aufgabe zu. Mehr Musik! bietet zum einen Projekte mit einem Schwerpunkt auf neuen und experimentellen Klängen. Zum anderen präsentiert das Programm besondere Konzerte für Kinder und Jugendliche, so zum Beispiel im Rahmen des Kindermusikfestes Kling Klang Gloria!. Darüber hinaus arbeitet Mehr Musik! in vielen seiner Projekte mit Kunstvermittelnden aus anderen Sparten wie dem Tanz, dem Theater, der bildenden Kunst oder auch mit den Augs­burger Museen zusammen, um Kindern und Jugendlichen ein kulturelles Gesamterlebnis zu ermöglichen. Das zentrale Element aller Projekte ist die Partizipation – so entstehen die unterschiedlichsten Teilhabeformate, wie zum Beispiel »KaraUke Kids«, »Radio Vielfalt« oder die »KlangSchule«. In all diesen Projekten lernen die Kinder und Jugendlichen wesentlich mehr als den Umgang mit Klang, Instrumenten und Tönen – sie lernen, als heterogene Gruppe co-konstruktiv und -kreativ zusammenzuarbeiten, einander zuzuhören, die Ideen anderer gelten zu lassen sowie sich künstlerisch und reflexiv zu artikulieren. Musik stärkt all diese Kompetenzen – die in diesen Tagen von ganz besonderer Bedeutung sind!

Seit 2008 leitet Ute Legner Mehr Musik!, das Augsburger Vermittlungsprojekt für neue / experimentelle Musik, das am Theater Augsburg im Rahmen des Netzwerks Neue Musik der Kulturstiftung des Bundes entstand. MEHR MUSIK! wurde zu einem der zentralen Bausteine der Kulturellen Bildung und zum Motor für Neue Musik in Augsburg. Seit Juli 2022 leitet Legner die Stabsstelle Kulturelle Bildung im Referat für Kultur, Welterbe und Sport der Stadt Augsburg, zu der Mehr Musik! gehört.

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