Na, dann macht mal!
Brechtfestival interaktiv: »The History of Brecht’s People« im Brechthaus.
Im Brechthaus ist das Wohnzimmer aka »Brecht Lounge« schon gut gefüllt: Mit Büchern, Videos und Infowänden, Gemälden und Dokumenten – natürlich über den Jubilar und ehemaligen Bewohner des Hauses. Nun ja, man erfährt mal wieder viel über Brecht. Aber wo ist hier das versprochene Kunstprojekt?
Nochmal ein Blick ins Programm: »The History of Brecht’s People. Eine anwachsende Installation« verspricht dieses, und zwar über die gesamte Festivaldauer hinweg. Brecht’s People, das bin wohl ich. Oder wir alle. Cool, gehen wir’s an. Allerdings: Der Blick in den Raum ernüchtert. Wo soll hier noch etwas anwachsen und wie? Es ist gerade auch gar niemand da, mit dem oder der man etwas schaffen könnte.
Wo wird man denn hier seine eigenen Geschichten los, wie es der Teasertext anregt? Was soll, was darf man hier eigentlich machen, um die eigene History neben die von Brecht zu setzen? Eigene Videos zeigen? Seinen Namen tanzen? Beides wenig amüsant, wenn man gerade alleine im Raum ist. Spuren dalassen? Die Bücher in den vollen Regalen gegen die eigenen austauschen? Ist so etwas erwünscht oder gibt das Ärger?
Leider findet sich weder ein Hinweis, noch wurde irgendjemand instruiert, Hilfestellung zu geben. Das hinzugekommene Personal (mit Hund) ist genauso ratlos wie der Besucher und Pressemensch und versucht, dies mit Humor zu überspielen. Der Hund geht mit gutem Beispiel voran und dreht eine Pirouette auf dem Teppich. Immerhin, eine kleine Episode und ein bisschen Leben im Gemäuer. Hoffentlich der Anfangs- und nicht schon der Endpunkt dieser sozialen Plastik.
Update Sonntag: Tag 3 der – naja, nennen wir es weiterhin Installation. Es ist nichts angewachsen. Alles unverändert wie zwei Tage zuvor. Die extra herangekarrten Videomonitore dudeln, die Bücher stehen stumm und unaufgeschlagen. Nicht einmal ein Kaffeebecher steht in der Gegend herum. So langsam schwant dem einsamen Festivalbesucher: Hier gibt es nur Brecht. Das Personal verwaltet mit Gleichmut seine Öffnungszeiten und hat immer noch keine Anweisungen, die Besucher*ìnnen an der Hand zu nehmen. Und Brecht’s People selbst? Flanieren draußen in der sonnigen Jakobervorstadt.
Wenn sich in den verbleibenden sieben Tagen nicht bald ein paar Unerschrockene aufmachen, hier ein wenig Kreativität und Leben hineinzubringen, bleibt die Hundepirouette das einzig Berichtenswerte an diesem Programmpunkt.
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