Politik & Gesellschaft

Nach dem Fest

a3kultur-Redaktion

2022 feiert der Kongress am Park 50 Jahre Jubiläum. Ein Interview mit Götz Beck, Geschäftsführer der Kongress am Park Betriebs GmbH und Tourismusdirektor der Regio Augsburg.

Die Kongresshalle wurde 1972 parallel mit dem Hotelturm und dem Eiskanal zu den Olympischen Sommerspielen eröffnet. Sie feierten 2022 Jubiläum unter dem Motto »50 Jahre Begegnung. Austausch. Inspiration. Erlebnis«. Sind Sie und Ihr Team nach so einem Jahr reif für eine Pause?

Götz Beck: Weniger bedingt durch das tolle Jubiläum »50 Jahre Kongresshalle – 10 Jahre Kongress am Park«, sondern mehr durch die unsicheren und schwer planbaren Corona-Auflagen, die sich ständig geändert haben. Am Schluss war es kaum mehr zu durchdringen, welche Auflagen jetzt Gültigkeit haben. Das waren schwer kalkulierbare Zeiten! Das Jubiläum hat Freude bereitet, da wir spannende und interessante Veranstaltungen vom Architektursymposium bis zum Tag der offenen Tür anbieten und die Wertigkeit der Architektur und der Struktur des Kongress am Park sehr gut präsentieren konnten.

Sie sind ja seit der Renovierung und Wiedereröffnung als Kongress am Park Geschäftsführer dieses bedeutenden Kultur- und Begegnungsortes. Was waren Ihre inspirierendsten Begegnungen im Kongresszentrum?

Inspirierend und herausfordernd war es für mich, das negative Image der Kongresshalle als »Betonbunker« abzulegen und mit der Marke »Kongress am Park« zu verdeutlichen, was für ein spannendes Kongresszentrum wir hier in Augsburg haben.

Das Gebäude wurde 1964 von Architekt Max Speidel geplant. Sie hatten im Herbst ja auch ein Symposium dazu ausgerichtet. Was meinen Sie heute, was macht den Ort so besonders für Begegnungen?

Mit der wertigen, klaren Sichtbetonstruktur, der Offenheit und Transparenz des Gebäudes, der Großzügigkeit des Raumangebots, der beeindruckenden Lichtskulptur und der Weitläufigkeit im Wittelsbacher Park ist der Kongress am Park eines der interessantesten Kongresszentren in Deutschland. Es ist gelungen, im Markenbildungsprozess die Architektur von Max Speidel ganz bewusst in Szene zu setzen und durch Farb-, Licht- und Kunstelemente die Emotionalität in den Kontext zur sachlichen Architektursprache zu bringen.

Beim Architektursymposium fiel der Begriff »goldene Energie«. Er meint, dass durch den Bestandserhalt nicht nur materielle, sondern auch immaterielle Werte bewahrt und weiterentwickelt werden können. Wie stark ist denn die Identifikation in der Stadtgesellschaft mit dem Kongress am Park?

Unsere Umfragen vor der Sanierung von 2009 bis 2012 haben uns gezeigt, dass die Identifikation der Augsburger*innen mit der Kongresshalle nicht sehr hoch war. Sie wurde als grau und dunkel, als eher unangenehm empfunden. Durch die Sanierung und nachdem wir über Jahre durch unterschiedliche Aktivitäten die Wertigkeit des Kongresszentrums in den Fokus gerückt haben, sind die ehemaligen Vorbehalte eher in Stolz auf dieses besondere Kultur- und Kongresszentrum umgemünzt worden.

2009 wurde die Kongresshalle unter Denkmalschutz gestellt und steht nach der Sanierung als Best-Practice-Beispiel für eine nachhaltige Sanierung im Denkmal. Wie lebt es sich mit so einer Ehrung, sie ist ja auch mit einigen Pflichten verbunden?

Es ist natürlich eine Herausforderung, ein Spagat zwischen Denkmal und zeitgemäßen Anforderungen an ein Kongress- und Kulturzentrum. Obgleich die Raumstrukturen von damals noch heute aktuellen Anforderungen gerecht werden, ist es nicht leicht, modernste Technik in diese Struktur zu integrieren. Auch ist zu bedenken, dass einige Bereiche im Rahmen der Sanierung 2009 bis 2012 gar keine Berücksichtigung fanden und wir daher mit Bausubstanz aus den Siebzigerjahren konfrontiert sind. Hier gilt mein besonderer Dank an das gesamte Team des Kongress am Park, das diese Herausforderung jeden Tag mit viel Engagement und Kompetenz annimmt.

Welche Veränderung haben Sie in den letzten zwei Jahren in der Art von Begegnungen festgestellt?

Bei Kongressen und Tagungen spielt das durchgetaktete Tagungsprogramm nicht mehr die zentrale Rolle. Wichtiger sind Freiräume zur Begegnung und zum Networking. Dafür braucht es eine hohe Aufenthaltsqualität und Rückzugsmöglichkeiten, an denen wir ständig arbeiten. Gefragt sind auch das Hybrid- und das Digitalangebot sowie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Des Weiteren rückt das regionale Catering immer stärker in den Fokus, außerdem die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Was sich auch als Herausforderung darstellt, ist die Kurzfristigkeit der Buchungen im Kongress- und Tagungsbereich, das wäre früher so nicht vorstellbar gewesen.

2012 haben Sie das Gebäude nach zweijähriger Sanierung unter dem neuen Namen »Kongress am Park« wiedereröffnet – warum nicht mehr »Kongresshalle«?

Das Augsburger Kongresszentrum ist mehr als nur eine »Halle«, wie wir sie von Stadthallen in anderen Städten kennen. Mit dem Kongressaal für 2.000 Personen, dem Saal Baramundi und sieben Konferenzräumen für 15 bis 140 Personen, den zwei großen Foyers, den Terrassen, eingebettet in den wunderbaren Wittelsbacher Park, ist es mehr als eine Kongresshalle – das ist »Kongress am Park«. Ganz bewusst haben wir den Park mit in den Markennamen aufgenommen, da es schon etwas ganz Besonderes ist, ein Kongresszentrum in der Innenstadt in einem so weitläufigen Park anzubieten. Und diese Besonderheit wird auch bei unseren Gästen und Kunden sehr geschätzt.

Und 2023 – welche Themen stehen im kommenden Jahr auf Ihrer Agenda ganz oben?

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ist zum heutigen Stand die Anzahl der gebuchten bzw. optionierten Veranstaltungen im Kongress am Park für das Jahr 2023 gut. Mit Veranstaltungen wie der Landesbezirkskonferenz der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, dem Deutschen Mittelstands-Summit, der Tagung der Wasserchemischen Gesellschaft, der Fachtagung Regenwasser und Abwasser im Klimawandel etc. werden wir eine Auslastung von über 70 Prozent erreichen können – soweit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einigermaßen stabil bleiben. Diese erfreuliche Auslastung ist auch auf die zahlreichen Marketing- und Vertriebsaktivitäten zurückzuführen, die wir in verschiedenen Wirtschaftsclustern und Augsburg­themen – wie z.B. UNESCO-Welterbe, Friedensstadt, Textilwirtschaft etc. – umgesetzt haben oder umsetzen werden. Aber auch bekannte Namen wie Josef Hader, Kaya Yanar, Max Raabe und Bülent Ceylan werden wieder für gute Unterhaltung im Kongress am Park sorgen.