»Neuem aufgeschlossen gegenüberstehen«
Zur Landtagswahl: Ein Gespräch über Kultur und Politik mit Andreas Jäckel (CSU).
Am 8. Oktober wählt Bayern einen neuen Landtag. a3kultur stellt in den kommenden Ausgaben Kandidat*innen vor, die für unsere Region nach München wollen. Gemeinsam mit der Ständigen Konferenz haben wir im Juli zur Kulturdebatte geladen. Die Clips dazu sind ab August auf den Seiten der Ständigen Konferenz und a3kultur, sowie in diversen Netzwerken zu finden.
a3kultur: Herr Jäckel, Sie sind nun seit einer Legislaturperiode Abgeordneter des Bayerischen Landtags. Sie engagieren sich dort unter anderem als Sprecher des Kulturausschusses. Im Oktober wollen Sie gerne wiedergewählt werden. Wo sehen Sie denn die wichtigsten Baustellen der bayerischen Kulturpolitik?
Andreas Jäckel: Ein wichtiger Punkt ist, Förderungen zu verstetigen, um Planbarkeit für die Kulturschaffenden zu ermöglichen. Das Thema kulturelle Bildung hat sich Minister Blume bayernweit als Ziel vorgenommen, gerade mit den guten Augsburger Erfahrungen verdient dies flächendeckend Unterstützung. Insgesamt ist mir die Freiheit von Kultur und Kunst wichtig. Daran zu erinnern scheint mir in mancher aktuellen Debatte notwendig.
Kultur ist auf kommunaler Ebene eine freiwillige Leistung, demnach Beiwerk und dem Vernehmen nach verzichtbar. Bayern nennt sich aber Kulturland. Wie ist dieser Spagat auszuhalten?
Wir versuchen auch auf kommunaler Ebene, bei aller Diskussion um Haushaltssolidität den Kulturschaffenden eine möglichst hohe Verlässlichkeit zu bieten. Augsburg hat eine vielfältige Kulturszene, die ich seit 2008 als Kulturausschussmitglied nach Kräften mit zu unterstützen versuche.
»Die Mittel seitens des Freistaats im kulturellen Bereich sind stetig gesteigert worden. Dies ist auch künftig mein Ziel.«
Maßgebliche Förderer haben sich unlängst zur Initiative Kulturzukunft Bayern zusammengeschlossen. Einer der Pulsgeber dieser Gruppe – Allianz-Vorstand Oliver Bäte – fordert von Politik und Wirtschaft, den Faktor Kultur endlich als harten Faktor zu erkennen und zu behandeln. Was ist Ihr Plan, um Augenhöhe zwischen Kultur, Wirtschaft und Politik zu schaffen?
Gemeinsam kann viel erreicht werden. Die Mittel seitens des Freistaats im kulturellen Bereich sind stetig gesteigert worden. Dies ist auch künftig mein Ziel. Dennoch sind private Gelder, gerade auch von Mittelstand und Großfirmen, eine notwendige Ergänzung in der kulturellen Landschaft. Bei passender Gelegenheit weise ich vor allem auf die Möglichkeit hin, durch Spenden und Stiften gezielt kulturelle Themen zu unterstützen – so auch hier.
Ein ständiges Thema ist die Frage der Finanzierung kultureller Projekte. Sie waren Gast bei der Podiumsdiskussion der Ständigen Konferenz zur Landtagswahl. Eine zentrale Forderung des Abends war die nach der Schaffung einer nachhaltigen, von Etatschwankungen unabhängigen Förderung der freien Szene. Wie wollen Sie die Kulturschaffenden bei der Umsetzung dieses Anliegens unterstützen?
Verlässlichkeit und Planbarkeit halte ich für notwendig. Deswegen ist meine Unterstützung für diese Haushaltsstelle, die es inzwischen gibt, gewiss. Der ganze Landtag muss am Ende den Geldern zustimmen – so ist es notwendig, dafür zu werben, dass Kultur und speziell auch dieser Haushaltstitel fortentwickelt wird.
An diesem Abend wurde auch die Forderung nach einer Kulturabgabe für Übernachtungsgäste zugunsten der freien Szenen gefordert. Im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern sperrt sich die bayerische
Regierung gegen dieses Modell. Die Stadt München will die Möglichkeit dieser Etatgewinnung nun einklagen. Sie haben sich gegen diese Forderung ausgesprochen und setzen auf das Konzept Solidarität statt Zwang. Was meinen Sie, warum kommt der – zum Teil sehr – vermögende Anteil der Bevölkerung seiner Verpflichtung, die Gesellschaft an seinem Reichtum teilhaben zu lassen, bisher nicht nach?
Es gibt schon heute viel an Unterstützung und Sponsoring, das sollte man nicht vergessen und anerkennen. Auf Spenden und Stiften, das beides steuerlich gefördert wird, sollte man dennoch immer hinweisen. Da geht noch mehr. Und dafür sollten wir – diejenigen, die für Kultur »brennen« – unermüdlich auch werben und arbeiten.
Sie genießen einen guten Ruf in den lokalen Kulturszenen. Sie kennen die Orte, die Macher*innen und die Strukturen, Sie gelten als Politiker, den man ansprechen kann und der bemüht ist, Lösungen anzubieten. Welche Bereiche und Themen liegen Ihnen inhaltlich besonders am Herzen?
Sowohl die breite Theaterlandschaft in Augsburg als auch die zahlreichen Museen prägen die kulturelle Stadt. Beides erfordert unseren nachhaltigen Einsatz. Ohne das Engagement aber der vielen Macherinnen und Macher, ob allein, in einer kleinen Gruppe oder in einem Ensemble, wäre unser Augsburg nicht so reich an kultureller Vielfalt, wie dies heute aktuell der Fall ist. Bewährtes verstetigen und Neuem aufgeschlossen gegenüberstehen, das ist die Richtschnur für mich auch in Zukunft.
»Dann aber muss man die gemeinsame Entscheidung schon auch tragen, man kann nicht alles zur Gewissensentscheidung erklären.«
Sie gelten aber auch als Politiker, dessen Abstimmungsverhalten nicht immer deckungsgleich mit den Aussagen ist, die er in Gesprächen getroffen hat. Wie groß ist denn die Spannung zwischen pragmatischem Ansatz und Fraktionszwang?
Um für Kultur und auch strittige Themen dabei zu kämpfen, das ist erst einmal in jeder Fraktion intern zu besprechen – und wenn man so will, auch zu erkämpfen. Dann aber muss man die gemeinsame Entscheidung schon auch tragen, man kann nicht alles zur Gewissensentscheidung erklären.
Gehen wir einmal davon aus, dass Sie in der kommenden Periode von den Wähler*innen wieder nach München entsandt werden. Nennen Sie uns drei Themen, die für unsere Kulturregion von besonderem Interesse sind und für die Sie sich besonders engagieren werden?
Das Fortsetzen der laufenden Staatstheatersanierung, die Römerausstellung in Augsburg gerade zu diesem historischen Thema als neuen »Aufschlag« für ein Römisches Museum nutzen und insgesamt die Unterstützung der kulturellen Breite nicht vergessen, mit den vielen kleineren und größeren Förderungen.
All das ermöglicht einen interessanten Kulturort Augsburg für unsere Bürgerinnen und Bürger, aber auch für unsere Besucherinnen und Besucher.
Andreas Jäckel ist seit 2018 für die CSU Mitglied des Bayerischen Landtags. Dort sitzt er u.a. im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst. Sein Stimmkreis ist Augsburg-Stadt-Ost. Er wurde 1965 geboren und machte 1984 das Abitur am Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg. Als Sparkassenbetriebswirt war er in verschiedenen Funktionen bei der Kreissparkasse Augsburg tätig. Seit 1987 ist er Mitglied der CSU. Jäckel ist Bezirksvorsitzender im Arbeitskreis Hochschule und Kultur der CSU Augsburg, seit 2008 Stadtrat in Augsburg, aktuell in der Vorstandschaft der Volkshochschule Augsburg, beim Kulturkreis Haunstetten, im Kuratorium der Hochschule Augsburg, Aufsichtsrat bei der swa und beim Augsburger Zoo sowie Vorstand der Langner'schen Stiftung und Aufsichtsrat der Kurhaustheater GmbH.
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